Letztes Update am Fr, 30.08.2019 13:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trump sagt Polen-Reise wegen Hurrikans „Dorian“ ab



Präsident Donald Trump hat die Bewohner der Südostküste der USA mit eindringlichen Worten vor dem herannahenden Hurrikan „Dorian“ gewarnt und eine geplante Polen-Reise vorsorglich abgesagt. Die Vorhersagen ließen einen „Monster“-Sturm befürchten, erklärte Trump Donnerstagabend in einer Videobotschaft.

„Alles deutet darauf hin, dass er sehr hart zuschlagen wird und dass es sehr groß wird“, sagte Trump über den Hurrikan, der ab Sonntag oder Montag auf die US-Küste treffen könnte. „Es sieht so aus, als wenn es ein absolutes Monster sein könnte.“

Regierungsvertreter in Warschau haben auf die Absage von Trump mit Verständnis reagiert und hoffen auf einen neuen Termin. „Die Entscheidung ist absolut verständlich, es geht um eine reale Bedrohung“, sagte Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak am Freitag laut Nachrichtenagentur PAP.

Man wisse, welche Schäden Hurrikans in der Vergangenheit in den USA angerichtet hätten. Der Verteidigungsminister hob hervor, dass Trump seine Reise nur verschoben habe. Daher warte man in Polen nun auf die Vereinbarung eines neuen Datums für die Visite.

In einem persönlichen Telefonat habe sich Trump beim polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda für die Absage entschuldigt, sagte Dudas Kabinettschef Krzysztof Szczerski. Trump habe auch betont, wie sehr er das Verhältnis zu Duda schätze. Der US-Präsident wolle Polen innerhalb der kommenden Monate besuchen, dies könne bereits bis zum Ende dieses Jahres stattfinden. „Der Termin könnte auch im Zusammenhang mit einem historischen Kontext stehen“, sagte Szczerski.

Der Kabinettschef sagte weiter, wegen der Absage Trumps werde voraussichtlich das Programm für US-Vizepräsident Pence am 2. September geändert. Trump hatte ursprünglich an dem zweiten Tag seines Besuches Gespräche mit Duda und dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki geplant, auch ein Besuch bei in Polen stationierten US-Soldaten war zeitweilig im Gespräch.

„Dorian“ sammelt derzeit über dem warmen Wasser des westlichen Atlantiks Kraft und gilt mit Windböen von bis zu 170 Kilometern pro Stunde inzwischen als Hurrikan der Stufe zwei. Das Nationale Hurrikan-Zentrum befürchtet, dass „Dorian“ gar als mächtiger Wirbelsturm der Stufe vier von fünf im US-Bundesstaat Florida auf Land treffen könnte. Der Sturm könnte heftigen Regen, zerstörerische Winde und lebensgefährliche Überschwemmungen mit sich bringen, hieß es.

Das Wichtigste sei nun, für die Sicherheit der Menschen in der Schneise des Wirbelsturms zu sorgen, sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus. Der Gouverneur des nördlich an Florida grenzenden US-Staats Georgia, Brian Kemp, verhängte den Ausnahmezustand über die Küstengebiete, um Vorbereitungen und Rettungseinsätze zu erleichtern. In Florida gilt der Ausnahmezustand bereits seit Mittwoch.

Trump sprach von Befürchtungen, dass der Wirbelsturm genauso folgenreich werden könnte wie einst Hurrikan „Andrew“ - oder gar noch schlimmer. Als „Andrew“ 1992 als Sturm der Kategorie fünf auf die Ostküste Floridas traf, kamen Dutzende Menschen ums Leben. Die Schäden in verschiedenen Bundesstaaten beliefen sich damals auf rund 43 Milliarden US-Dollar (39 Mrd. Euro).

Trump sagte, für die USA werde nun Vizepräsident Mike Pence an den Gedenkveranstaltungen zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Polen teilnehmen. Er habe dies telefonisch auch Polens Präsident Andrzej Duda erklärt und hoffe, die Reise bald nachholen zu können. Trump sollte ursprünglich Sonntag früh in Warschau ankommen.

Über Twitter hatte der Republikaner die Menschen an der Südostküste des Landes aufgerufen, sich für „Dorian“ zu wappnen und den Anweisungen der Behörden zu folgen. „Es wird ein sehr großer Hurrikan, vielleicht einer der größten!“, schrieb der Präsident. Laut Trump hat die Regierung die besten Experten mobilisiert und Nahrungsmittel und Wasser in das Gebiet geschickt. Auch Evakuierungen seien nicht ausgeschlossen.

Das Zentrum des Hurrikans steuert derzeit aus der Karibik kommend langsam auf die US-Küste zu. Der Leiter des Hurrikan-Zentrums, Ken Graham, erwartet, dass sich der Sturm bis zur Ankunft an der US-Küste zu einem Hurrikan der Stärke vier entwickeln könnte. Ein solcher Sturm wird meist von heftigem Regen und gefährlichen Windböen von mehr als 200 Kilometern pro Stunde begleitet. Je nach Verlauf könnte „Dorian“ neben Florida auch die Staaten Georgia und South Carolina treffen.

Der Gouverneur von Florida, Ron deSantis, hatte am Mittwoch bereits an die Bürger des US-Staats appelliert, sich auf den Sturm vorzubereiten. „Jeder Einwohner von Florida sollte für mindestens sieben Tage Vorräte haben, darunter Essen, Wasser und Medizin sowie einen Plan für den Katastrophenfall“, erklärte deSantis.

US-Fernsehsender zeigten am Donnerstag Bilder von Hamsterkäufen in Florida. Bewohner kauften Trinkwasser und andere Vorräte für den Notfall und räumten viele Supermarktregale leer. Örtliche Medien berichteten über lange Schlangen an Tankstellen.

Am Mittwoch war „Dorian“ östlich des US-Außengebiets Puerto Rico an den Jungferninseln vorbeigezogen. Es gab dort zunächst keine Berichte über große Schäden oder Opfer. Am Sonntag soll der Wirbelsturm über den Nordwesten der Bahamas ziehen.




Kommentieren