Letztes Update am Fr, 30.08.2019 14:16

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russland: Syrische Armee lässt Waffen in Idlib schweigen



Die syrischen Truppen werden nach Angaben Russlands ab Samstag die Waffen in einer Pufferzone in der Provinz Idlib schweigen lassen. Der einseitige Waffenstillstand solle ab Samstagfrüh gelten, zitierte die Nachrichtenagentur Tass Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau. Russland dränge die Rebellen in der Region, sich an der Feuerpause zu beteiligen, meldete die Agentur Interfax.

Schon Anfang August hatte die syrische Armee eine Waffenruhe in Idlib erklärt, diese aber nach wenigen Tagen wieder aufgekündigt. Hintergrund ist eine Vereinbarung zwischen Russland und der Türkei vom vergangenen Jahr, nach der in Idlib eine entmilitarisierte Pufferzone eingerichtet wird. In der Region sind nach UN-Angaben allein in den vergangenen drei Monaten mehr als 400 Zivilisten getötet worden, mehr als 440.000 Menschen sind auf der Flucht.

Die Truppen von Präsident Bashar al-Assad, die von Russland unterstützt werden, versuchen seit Wochen, Idlib einzunehmen.

Unterdessen wollen sich die Vereinten Nationen für die Evakuierung eines Flüchtlingslagers im Süden Syriens einsetzen, in dem die humanitäre Lage seit langem als katastrophal gilt. Der Leiter des UN-Hilfseinsatzes in Syrien, Panos Moumtzis, sagte am Freitag, die Rückführungen aus Rukban sollten freiwillig geschehen. Die Lage in dem Camp an der jordanischen Grenze sei „unterirdisch“ und „verzweifelt“.

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Nach UN-Angaben leben noch 12.700 Menschen in dem isolierten Lager nahe dem US-Militärstützpunkt Al-Tanaf. Die UNO hatte zuletzt mit dem Syrisch-Arabischen Roten Halbmond geprüft, wer das Lager verlassen wolle. Laut Moumtzis will rund ein Drittel der Bewohner weg. Die meisten wollen demnach in die Gebiete unter Kontrolle der Regierung, während ein kleinerer Teil in die Rebellengebiete im Norden strebe.

Das Lager hatte zuletzt im Februar Hilfsgüter erhalten, als ein Konvoi von 133 Lastwagen das Camp erreichte. Das Lager ist nur schwer für Hilfslieferungen erreichbar, da die Grenze zu Jordanien seit 2016 geschlossen ist und die Gegend um das Camp von Rebellen kontrolliert wird. Die UNO will aber bald neue Konvois mit Lebensmitteln und Medikamenten nach Rukban schicken, bevor die Einwohner das Lager verlassen.

Die Türkei hat indes eine „Bestätigung“ gefordert, dass die syrische Kurdenmiliz YPG tatsächlich mit dem Abzug ihrer Truppen aus der geplanten „Sicherheitszone“ in Nordsyrien begonnen habe.

„Es gibt Informationen, dass die YPG abgezogen sind, dass einige Befestigungen zerstört wurden, doch muss dies bestätigt werden“, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Freitag. „Wir wollen all dies selbst sehen.“

Die Türkei hatte sich Anfang August mit den USA auf die Schaffung einer „Sicherheitszone“ an der türkischen Grenze mit den Kurdengebieten in Nordsyrien geeinigt. Große Gebiete im Nordosten Syriens werden von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrolliert. Ankara betrachtet ihre Präsenz wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung.




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