Letztes Update am Fr, 30.08.2019 15:59

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hoffnungsvoller Wahlkampfauftakt der Liste JETZT



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Nicht nur als Korruptionsjäger, sondern auch als Tierschützer hat sich Peter Pilz beim Wahlkampfauftakt der Liste JETZT am Freitag präsentiert. Als „einziger, der nicht mit der ÖVP koaliert“ brachte er sich und sein „großartiges Expertenteam“ für die Opposition in Stellung. Dass man den Einzug ins Parlament trotz derzeit schlechter Umfragewerte schaffen werde, davon zeigte sich Pilz überzeugt.

Trotz kleiner Bühne auf der Wiener Mariahilfer Straße wurde groß auf Aktionismus gesetzt. Beim offiziellen Start in den Intensivwahlkampf gab es bei der Liste JETZT einen „Schmiergeld-Drucker“, mit dessen Erzeugnissen man sich unter anderem einen KTM-Radler um satte 436.563 Euro oder einen Heidi-Horten-Neffen-Leasing-Drink um 49.000 Euro pro Monat besorgen konnte. „Fühlen Sie sich wie die großen Oligarchen“, hieß es. Zudem präsentierten Pilz und Co. ein Ortsende-Schild mit der Aufschrift Ibiza, passend dazu zwei Liegestühle und ein Planschbecken - in dem die Kandidaten der Liste ihre hoffnungsvollen Reden hielten.

In Abwesenheit von Listenchefin Maria Stern - sie steckte nach Angaben der Partei im Stau fest - schwang unter anderem die auf der Bundesliste drittgereihte Daniela Holzinger-Vogtenhuber eine Wahlkampfrede. Es sei „Zeit für eine gerechte Sozialpolitik“, sagte sie. „Ich will 100 Prozent Kontrolle im Parlament sehen und null Prozent Kinder- und Frauenarmut“, sprach sie eine der angeblichen Kernkompetenzen ihrer Partei an. „Nur wir können zuverlässig für Kontrolle sorgen“, meinte auch die Juristin und Viertgereihte auf der Bundesliste, Susanne Giendl. Sie werde unter anderem gegen das „Weisungsgewurschtel“ kämpfen, spielte sie auf die aktuelle Affäre um die Soko Ibiza an.

Tierschützer Martin Balluch zeigte im Anschluss Missstände in der Nutztierhaltung in Österreich auf und bediente damit einen weiteren Schwerpunkt der Liste JETZT. „Im Parlament sitzen die Agrar-Lobbyisten“, kritisierte er. Diese würden von den „verheerenden Zuständen“ in der Tierhaltung profitieren, so Balluch und versuchte zu veranschaulichen: „90 Prozent der Schweine in Österreich sehen nie einen Strohhalm“ und „alle 12 Sekunden wird ein männliches Ferkel ohne Schmerzausschaltung kastriert“.

In den vergangenen Jahren habe es in Sachen Tierschutz in Österreich kaum Verbesserungen gegeben, sagte Balluch. Das wolle er ändern - und zwar von innen: „Wir brauchen Menschen im Parlament, die Tierschutz thematisieren“, sagte er. Und ebenfalls optimistisch, einen Einzug zu schaffen, versprach er: „Ich werde im Parlament allen die Bilder aus den Tierfabriken vor die Augen halten.“

Der Auftritt von Listengründer Peter Pilz war bei der Veranstaltung nicht nur für das eigene Team, sondern auch für die vielen illustren Besucher der Höhepunkt. Vorgestellt wurde er als „der Mann, vor dem sich die politischen Gegner am meisten fürchten“. Er spulte sein bekanntes Ibiza-Programm ab und kritisierte in dieser Causa sowohl Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Ex-Kanzler Sebastian Kurz als auch die ermittelnden Behörden. Ein bisschen rühmte er sich auch selbst und meinte: „Wenn es uns nicht gäbe, wäre Sebastian Kurz trotz Ibiza noch Bundeskanzler“. Zum großen Wahlkampfthema „Klima“ sagte der ehemalige Grüne kaum etwas.

Zu den eher schlechten Umfragewerten und der recht wahrscheinlichen Möglichkeit, dieses Mal an der Vier-Prozent-Hürde zu scheitern, äußerte sich Pilz gelassen. Er sei sehr optimistisch, habe er doch das „beste Team“, mit dem er je zusammengearbeitet habe, hinter sich. Deswegen setze er voll auf Teamwork. „Ja, ich kenne die Umfragen“, merkte Pilz am Ende an und beklagte, dass tatsächlich viele nicht an einen Einzug der Liste JETZT ins Parlament glaubten. „Aber wir haben eine Chance - und müssen jetzt darum kämpfen“.

Dass sich alle anderen Parteien an die in den Umfragen weit vorne liegende ÖVP „anbiedern“, sei ihm ein Graus. Kurz könne sich dann aussuchen, „welches Beiwagerl er nimmt“, so Pilz. Er befürchtet fast, dass die Grünen mit der ÖVP in eine Regierung gehen müssen, allerdings: „Wer übernimmt dann die Kontrolle? Wer sitzt in der Opposition? Die FPÖ? Soll wirklich der gefräßigste Hund auf die größte Wurst aufpassen?“




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