Letztes Update am Fr, 30.08.2019 19:46

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


SPÖ inszenierte Wahlkampfauftakt als Aufholjagd



Die SPÖ hat Freitagabend ihren offiziellen Wahlkampf angekickt. Am Wiener Viktor-Adler-Platz, einem zuletzt oft von der FPÖ gekaperten Ort des „roten Wien“ versuchte Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner der von schwachen Werten gebeutelten Sozialdemokratie Zuversicht einzuimpfen: „Lasst euch nicht beirren von Umfragen“, tönte die SPÖ-Chefin in Richtung des recht zahlreich erschienen Publikums.

Rendi-Wagner hatte einen Teil ihrer Jugend im traditionellen Arbeiterbezirk verbracht und war dann am Freitag auch bemüht, mit ein wenig Nostalgie roten Stallgeruch zu beweisen: „Mein Herz schlägt hier schneller als auf jedem anderen Platz in Wien“, rief die SPÖ-Chefin in die Menge und führte dann aus, dass ihr erfolgreicher beruflicher Werdegang zu allererst den Reformwillen der SPÖ zu verdanken gewesen sei, da nur wegen diesem für ein Mädchen aus finanzschwachen Verhältnissen eine entsprechende Ausbildung möglich geworden sei.

Gleiches will Rendi-Wagner auch der heutigen Jugend ermöglichen, etwa indem die Kinderbetreuung für berufstätige Eltern erleichtert werden soll, in erster Linie durch kürzere Kindergarten-Schließzeiten in den Ferien. Für mehr Geld in der Börse soll ein Mindestlohn von 1.700 Euro sorgen. Auch der rote Wahlkampf-Klassiker „Wohnen darf kein Luxus werden“ fehlte in der rund 20-minütigen Rede nicht.

Das gerade in Bezirken wie dem multiethnischen Favoriten heikle „Ausländer-Thema“ umschiffte Rendi-Wagner nicht. Die rote Spitzenkandidatin betonte die Devise „Integration vor Zuzug“, pochte aber gleichzeitig auf entsprechende Maßnahmen, die Integration auch ermöglichen.

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Entschieden wandte sich die Parteichefin gegen unsaubere Wahlkampagnen: „Kein Schmutzkübel hat jemals einen Arbeitsplatz geschaffen.“ Dementsprechend hielt sich Rendi-Wagner auch nicht mit Kritik an der politischen Konkurrenz auf. Einzig, dass man eine - von der SPÖ vermutete - Neuauflage von Türkis-Blau verhindern wolle und werde, versicherte sie der Zuhörerschaft: „Österreich kann es besser als in den letzten 18 Monaten“.

Der roten Gefolgschaft versprach Rendi-Wagner, die gut vier Wochen bis zum Wahltag Tag und Nacht zu kämpfen und das durchaus auch auf der Straße. Sie sei niemand, der in der Schreibstube sitze, sie wolle hinaus zu den Menschen.

Die Ouvertüre zur Rendi-Rede bot zunächst ein Talk mit zwei - freilich an aussichtsloser Stelle positionierten - Jugendkandidatinnen, die den Themen Bildung und Klima besondere Bedeutung zuschoben, wobei Rendi-Wagner selbst neuerlich ihre Ablehnung einer CO2-Steuer kundtat. Ebenfalls zu Wort kamen Spitzenvertreter aus den Wahlkreisen sowie die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), die die rote Spitzenkandidatin als kluge Frau mit anständigem Charakter den Ibiza-Sündern entgegenstellte und die SPÖ als jene Partei schilderte, die für Gerechtigkeit im Land sorgen werde.

Abgerundet wurde der knapp zweistündige Event mit der offiziellen Präsentation des eigens komponierten Wahlkampfschlagers „Gleich und verschieden“, den Alf und DJ Mike zum Besten gaben und die roten Spitzenvertreter auf der Bühne die Hüften kreisen ließ. Nicht auf der Bühne, aber im Publikum fanden sich auch Spitzenvertreter der Wiener SPÖ, angeführt von Bürgermeister Michael Ludwig.

Der Wiener war der erste von gleich vier Auftakten der „Rot-Show“. Ähnliche Events werden noch in Korneuburg, Graz und Linz zelebriert.




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