Letztes Update am Sa, 31.08.2019 18:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Andreas Gabalier will nicht von der Bühne aus Politik machen



Im Vorfeld des ausverkauften Abschlusses seiner Stadiontournee im Wiener Ernst-Happel-Stadion zog Volksmusiker Andreas Gabalier Bilanz seiner zehnjährigen Laufbahn. Am Samstag erklärte er vor Medienvertretern, dass die vergangenen zehn Jahre für ihn „bis dato das absolute Lebenshighlight“ gewesen seien. Kritik tue zum Teil gut, denn so könne man darüber „nachdenken, was man optimieren kann“.

Der Auftritt in Wien sei für Gabalier eine „riesengroße Freude und kleine Genugtuung“. Er bedankte sich bei einer „intensiv gewachsenen Fangemeinde, die sich entwickelt hat und Jahr für Jahr zu den Konzerten pilgert“. Der Sänger habe selbst bei AC/DC im Ernst-Happel-Stadion „in der ersten Reihe geschwitzt“. „Das war verdammt lang her“, verwies er auf den Titel einer seiner Songs und bezeichnete die Erfahrung als „prägende Momente“. „Dieses Ziel haben wir seit 2011 verfolgt“, erinnerte er sich. Heute seien die ersten Fans bereits um 7.00 Uhr vor dem Stadion angestanden. „Das kann man nur bewundern“, sagte er. „Das ist ein großes Zeichen der Wertschätzung, Euphorie und Hysterie“, fuhr er fort.

Dank der Sechs Regeln des Erfolges von Arnold Schwarzenegger, die Gabalier über die vergangenen Jahre getragen hätten, stehe er nun „ganz oben“. „Masse ist nicht der einzige Parameter für Erfolg“, unterstrich er. Dennoch: „Wenn man in Stadien spielen kann, ist das keine Schande“. Er erinnerte sich aber auch gern an intimere Konzerte, wie den „MTV-Unplugged“-Auftritt.

„Über so manche Anschuldigungen, Infragestellungen, Wörter, die oftmals aus dem Zusammenhang gerissen worden sind, Symbole, die da in Zusammenhang gebracht worden sind, habe ich mich in den letzten Jahren oft nur wundern können“, kommentierte der „Volks-Rock‘n‘Roller“ die zahlreichen politischen Kontroversen der vergangenen Jahre. „Irgendwann einmal muss man für eine große Fangemeinde in die Bresche springen und dazu Stellung beziehen“, meinte er. „Es war und ist mir und wird mir auch nie ein Anliegen sein, mich politisch zu engagieren, mich für eine Partei starkzumachen“, fuhr er fort. Er kämpfe mit seinem Team seit Jahren gegen die Vorwürfe an, um dies ins „richtige Licht zu rücken“.

Gabalier habe sich „bestmöglich“ davon distanziert und hofft, dass das Thema „nun irgendwann auch vom Tisch ist“. Seine Auftritte sollen „abseits des ganzen Geschehens für Unterhaltung und Freude“ sorgen. „Es liegt mir ganz fern, von der Bühne herunter Politik zu machen und Wahlempfehlungen abzugeben, wie das von anderen Künstlern der Fall ist“.

In Österreich traditionelle Werte in der Kunstszene zu vertreten, sei anfangs eine Herausforderung gewesen. „Ich habe mich nicht beirren lassen, weil ich als bodenständiger Steirerbua so viel von diesen Werten mitbekommen habe“, erklärte er. Traditionen wolle er anhand von Geschichten und Erzählungen, die seine Kindheit geprägt hätten, wiedergeben. „Ganz offensichtlich kann sich damit ein Millionenpublikum identifizieren“. In Wien und großen Städten gebe es jedoch „Randgruppen und Journalisten“, die damit „überhaupt gar nichts anfangen können“. Gabalier habe sich bemüht, dies zu verstehen. Offenbar gebe es Großstädter, die mit diesen Werten nichts mehr zu tun haben wollen, weil diese in der Großstadt mittlerweile unbekannt seien. Dennoch könne er in Metropolen mit „modern gelebten Traditionen“ Stadien füllen. „Es basiert alles auf sehr gesunden Erinnerungen und schönen Momenten, die ich versuche zu Papier zu bringen“.

Von den Nachwirkungen der „dezenten Immunschwäche“ der letzten 14 Tage will sich der Musiker nicht aufhalten lassen. Besonders die erste halbe Stunde der Show sei „extrem hart“ und nicht dafür ausgelegt, von einem Virus angeschlagen dargeboten zu werden. „Ich bin dankbar und demütig und werde auch mit sechs Kilogramm weniger alles geben, selbst wenn es das letzte ist, was ich tue“, sagte er.

Veranstalter Klaus Leutgeb überreichte dem selbst ernannten „Volks-Rock‘n‘Roller“ anlässlich der zehnjährigen Zusammenarbeit eine viereinhalb Meter hohe, von Krippenbauer Thomas Rauch hergestellte Holzstatue des Künstlers. „Jessas na“, brach es da aus dem Steirer hervor und er schlug vor, die Statue gleich vor dem Stadion aufzustellen. Die Konzerte mit Gabalier seien für Leutgeb „Herzensangelegenheit“. Das Konzert im Ernst-Happel-Stadion sei ein „würdiger Abschluss der Tour“, auf den er sich schon sehr freue.




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