Letztes Update am So, 01.09.2019 09:35

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Chalupka fordert von Parteien Karfreitags-Bekenntnis



Der neue evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka stellt den Parteien die Gretchenfrage zur Karfreitags-Regelung. Diese sollten sich im Wahlkampf positionieren, sagte er im APA-Interview. Die Verfassungsbeschwerde gegen die türkis-blaue Maßnahme sei weiterhin in Vorbereitung, Chalupka, der seit Sonntag im Amt ist, hofft aber auch auf eine bessere Lösung durch die neue Regierung.

„Im Wahlkampf ist es uns wirklich wichtig, dass sich die Parteien zum Karfreitag positionieren. Die evangelischen Bürger und Bürgerinnen sollten das wissen“, findet Chalupka. „Signale des Umdenkens“ habe es ja bereits gegeben, spricht der evangelische Bischof etwa Aussagen des steirischen Landeshauptmannes Hermann Schützenhöfer (ÖVP) an. Prinzipiell wünscht sich Chalupka, dass der Karfreitag als Feiertag für alle gilt.

Lieber wäre es Chalupka aber, wenn man gar nicht erst den Verfassungsgerichtshof (VfGH) bemühen müsste und es zu einer Einigung zwischen Parteien, Wirtschaft, Sozialpartnern und den Religionsgemeinschaften käme. Dennoch arbeite man weiter an der Verfassungsklage gegen die Neuregelung. Sollte es etwa unter der neuen Regierung zu Änderungen kommen, könne man diese immer noch im Nachhinein zurückziehen.

Wünsche an die Politik betreffen aber nicht nur den Karfreitag. „Ich denke, es sind einige Baustellen offen“, spricht der Bischof das Thema Klimaschutz an, welches zumindest im Wahlkampf im politischen Bewusstsein angekommen sei. Seit 30 Jahren werde diese „Schöpfungsverantwortung“ in den Kirchen gelebt. Vor allem einzelne Pfarrgemeinden gingen mit gutem Beispiel voran. „Da gibt es Modelle auf der regionalen Ebene, die man fruchtbar machen kann.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Chalupka ortet seit dem Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition auch wieder vermehrt die Einbindung der Zivilgesellschaft in politische Entscheidungsprozesse: „Ich denke, was die Interimsregierung von der Regierung, die wir die letzten eineinhalb Jahre erlebt haben, wohltuend unterschieden hat, ist, dass sie mit allen gesprochen hat.“ Dabei gehe es nicht darum, dass Kirchen oder NGOs mitreden können, sondern Erfahrungen der Menschen in den Diskurs einzubringen.

Ein „großes Umdenken“ erhofft sich der evangelische Bischof im Bereich der Elementarpädagogik in den Kindergärten, wo etwa die personellen, finanziellen und pädagogischen Ressourcen nicht mit den hohen Erwartungen an diesen Bereich mitgewachsen seien. Ähnliches gelte für den Bereich der Pflege. Zwar sei die jährliche Valorisierung ein „ganz großer Schritt“ gewesen, findet der ehemalige Diakonie-Direktor - „aber es geht um viel größere Konzepte“, um der demografischen Entwicklung zu begegnen.

Entspannung ortet Chalupka auch in der Flüchtlingsbewegung. „Es ist gut, dass diese Debatte nicht mehr alle Schlagzeilen dominiert“, findet er, aber: „Was mir noch fehlt ist, dass man jetzt zu einer gelassenen und ruhigen Betrachtung dieses Bereichs kommt. Denn jetzt wäre die Chance, wirklich Reformen zu machen. Kurze qualitätsvolle Asylverfahren und dass Österreich seine Verpflichtung in dieser Welt wieder ernst nimmt.“

Mit dem vorgeschlagenen Modell für einen Ethik-Unterricht kann der neue evangelische Bischof „gut leben“. Allerdings dürfe man nicht erwarten, dass die Lehrperson immer völlig weltanschaulich neutral sind. „Das gibt es nicht. Jeder bringt etwas mit, und es ist gut, dass es transparent ist. Und im Religionsunterricht ist es transparent“, so Chalupka. Die von der ÖVP vorgeschlagene Ausweitung des Kopftuchverbots war für ihn ein Versuch, „andere Themen in den Hintergrund zu drängen“.

Gut leben kann Chalupka auch mit dem von der evangelischen Synode A.B. beschlossenen Kompromiss zur Segnung homosexueller Paare, der die Entscheidung in die Hände der Gemeinden selbst legt. Es gelte, die Würde des Kompromisses zu beachten, obwohl das Gewissen auf beiden Seiten beschwert wurde. Konkrete Auswirkungen kennt er derzeit noch nicht.

Wie viele christliche Kirchen haben auch die Lutheraner mit konstantem Mitgliederschwund zu kämpfen. Chalupka sieht dies aber „sehr differenziert“, wie er betont: „Wir haben einerseits abnehmende Mitgliederzahlen, aber die, die da bleiben, gehen mehr in den Gottesdienst und engagieren sich mehr. Das ist eigentlich ein positives Zeichen.“




Kommentieren