Letztes Update am So, 01.09.2019 09:50

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Taliban greifen weitere Provinzhauptstadt in Afghanistan an



Einem Tag nach ihrem Überfall auf die nordafghanische Stadt Kunduz haben Kämpfer der radikalislamischen Taliban die Provinzhauptstadt Pul-e Khumri angegriffen. Laut der Provinzrätin Hayatullah Wafa begann der Angriff gegen 1.00 Uhr nachts (Ortszeit). Die Taliban hätten das Gebiet Band-e Du in der Stadt eingenommen, die Kämpfe würden andauern.

Sollte die Regierung in Kabul nicht handeln, erwarte sie eine „Katastrophe“. Die Stadt könne bis zum Nachmittag an die Taliban fallen. Der Provinzrat Azadullah Shahbaz sagte, es sei noch keine Verstärkung in der Stadt eingetroffen. Allerdings gebe es unweit der Stadt eine große Militärbasis, deshalb hoffe er auf baldiges Eintreffen von Nachschubkräften.

Ein Sprecher des Innenministeriums teilte mit, es handle sich um keine Offensive der Taliban. Es seien lediglich Angreifer in zwei Gebieten der Stadt. Sicherheitskräfte hätten die Taliban-Kämpfer umzingelt. Der Angriff erfolgte inmitten der laufenden Gespräche zwischen den Taliban und den USA über eine politische Lösung des fast 18 Jahre dauernden Konflikts in dem zerrütteten Land. Am Sonntagmorgen schrieb der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, man stehe an der Schwelle eines Abkommens mit den Taliban. Dieses Abkommen solle die Gewalt im Land reduzieren und den Afghanen die Möglichkeit geben, gemeinsam über einen „ehrenwerten und nachhaltigen Frieden und ein einheitliches, souveränes Afghanistan zu verhandeln“, das keine anderen Länder bedrohe.

Die jüngste, mittlerweile neunte Gesprächsrunde in Doha sei beendet, schrieb Khalilzad weiter. Er reise nun nach Kabul weiter. Es wird erwartet, dass Khalilzad in der afghanischen Hauptstadt die dortige Regierung über die Fortschritte bei den Gesprächen informiert. Auch die Taliban zeigten sich optimistisch. Einige technische Details würden am Sonntagnachmittag noch ausgebügelt, schrieb der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Suhail Shaheen (Shahin), auf Twitter. Er versicherte, dass man kurz vor dem „Ende der Besatzung“ und vor einer friedlichen Lösung stehe.

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Seit Juli 2018 sprechen die USA direkt mit Vertretern der Taliban über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge sowie Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird. Die Gespräche sollen zu innerafghanischen Friedensgesprächen führen. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkt mit der Regierung in Kabul zu sprechen, die sie als Marionette des Westens betrachten. Auch ein Waffenstillstand soll Thema sein.




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