Letztes Update am Mo, 02.09.2019 05:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst reist in den Südosten Afrikas



Mosambik, Madagaskar und Mauritius sind die Ziele von Papst Franziskus auf seiner nächsten Auslandsreise vom 4. bis 10. September, wie Kathpress berichtet. Die drei Länder verbindet ihre geografische Lage im Südosten des afrikanischen Kontinents.

Ansonsten trennen sie Welten: Mauritius, das vom afrikanischen Festland so weit weg liegt wie Österreich von der Zentral-Sahara, ist zumindest für einen Teil der Bevölkerung und die zahlreichen Touristen fast eine Insel des Wohlstands; Mosambik hingegen belegt auf dem globalen Entwicklungsindex den zehntletzten Platz unter 189 Ländern, Madagaskar steht auf Platz 161 nicht viel besser da.

Die 31. Auslandsreise des Papstes umfasst drei Länder, fünf Programmtage, vier größere Gottesdienste, Treffen mit Jugendlichen, Mitarbeitern karitativer Einrichtungen sowie den Staatsspitzen der drei Länder.

Nach Visiten in Marokko (2019), Ägypten (April 2017), Kenia, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik (November 2015) ist es der vierte Besuch von Franziskus in Afrika. In Mosambik, Madagaskar und Mauritius war bisher nur einmal ein Papst zu Gast. Johannes Paul II. (1978-2005) besuchte jeweils im Rahmen größerer Reisen im September 1988 Mosambik, im April 1989 Madagaskar und im Oktober 1989 Mauritius.

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Vor allem Mosambik, einer der ärmsten Staaten in Afrika und auch Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungshilfe, wird bei der Papstreise im Mittelpunkt stehen. Im Frühjahr verwüsteten die Zyklone „Idai“ und „Kenneth“ Mosambik. Rund 600 Menschen starben, viele blieben vermisst, Hunderttausende wurden obdachlos.

Die völlig verwüstete 500.000-Einwohner-Küstenstadt Beira wird der Papst laut offiziellem Programm während seines rund 40-stündigen Aufenthalts von 4. bis 6. September nicht besuchen - wohl auch, weil die Stadt ein halbes Jahr nach den Stürmen eine Papstvisite logistisch kaum verkraften würde. Einzige Station des Papstes in Mosambik ist die Hauptstadt Maputo. Geplant sind Treffen mit Staatspräsident Filipe Nyusi und weiteren Politikern, Begegnungen mit dem Klerus und pastoralen Mitarbeitern der Kirche, eine Messe im Stadion Zimpeto. Farbtupfer setzen ein interreligiöses Jugendtreffen sowie der Besuch in einem Straßenkinder-Projekt und einem Spital.

Katholiken machen in der früheren portugiesischen Kolonie Mosambik 28 Prozent der Bevölkerung aus. Eine lebhafte Konkurrenz besteht durch evangelikale Missionare aus Brasilien, die mit der portugiesischen Sprache und wirtschaftlichen Heilsversprechen punkten.

Anfang August zog Mosambik unter ein langes, blutiges Kapitel einen Schlussstrich: Regierung und bewaffnete Opposition unterzeichneten ein Friedensabkommen - 27 Jahre nach dem Waffenstillstand, den man 1992 in Rom geschlossen hatte. Der war damals maßgeblich ein Verdienst der katholischen Gemeinschaft Sant‘Egidio. Fast eine Million Tote hatte der 15-jährige Bürgerkrieg gefordert.

Nun sollen rund 5.200 Renamo-Milizen ihre Waffen abgeben, bevor der Papst das Land besucht und am 15. Oktober Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden. Für Präsident Nyusi sind der Friedensschluss und Franziskus als Gast Glanzlichter zum Ende seiner ersten Amtszeit.

Am Nachmittag des 6. September trifft Franziskus auf Madagaskar ein. Auch dort erwartet ihn ein Land mit gravierender Armut und einer Wirtschaftsentwicklung, die dem Bevölkerungswachstum hinterherhinkt. Ein Hemmschuh ist die Infrastruktur: Trinkwasser ist da, aber in ländlichen Regionen fehlt Technologie zur Versorgung.

Als politischer Lichtblick galt im Jänner die friedlich-demokratische Wahl von Andry Rajoelinas zum Präsidenten. Zehn Jahre zuvor hatte der damals 34-Jährige versucht, den wirtschaftsliberalen Staatschef und Großunternehmer Marc Ravalomanana wegzuputschen. Damals hielten die Kirchen zum Amtsinhaber.

Papst Franziskus wird in Madagaskar zunächst den üblichen Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten absolvieren und auch Vertreter aus der Gesellschaft treffen. Am 7. September steht der Papst einem abendlichen Großtreffen mit jungen Menschen im Stil der Weltjugendtage auf einem Freigelände im Norden von Antananarivo vor und feiert am folgenden Morgen auf demselben Gelände die Sonntagsmesse; lokale Medien sprechen von mehreren Hunderttausend Teilnehmern. Rund die Hälfte der Einwohner Madagaskars ist jünger als 20 Jahre.

Weiter besucht der Papst ein Wohn- und Beschäftigungsprojekt für ehemalige Bewohner von Mülldeponien. Gegründet wurde dieses von Pedro Opeka, der wie Franziskus aus Buenos Aires stammt. Auch am Grab, der ersten Seligen Madagaskars, Victoire Rasoamanarivo (1848-1894), wird der Papst beten.

Den Abschluss der Afrikareise markiert am 9. September ein Tagesausflug auf die 1.000 Kilometer östlich gelegene Insel Mauritius. Dort feiert Franziskus eine Messe beim Heiligtum Marie Reine de la Paix über dem Hafen der Hauptstadt Port Louis. Ferner will er an der Gedenkstätte des französischen Ordensgeistlichen Jacques Désiré Laval (1803-1864) beten, der als Missionar der Insel gilt und in der Bevölkerung als „Père Laval“ verehrt wird. Auch ein Besuch bei Staatspräsident Barlen Vyapoory ist während der Kurzvisite vorgesehen, bevor der Papst am Abend in die madagassische Hauptstadt Antananarivo zurückkehrt. Von dort aus fliegt er am darauffolgenden Tag zurück nach Rom.




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