Letztes Update am Mo, 02.09.2019 07:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dagmar forever: Die Volksoper feierte ihr Ehrenmitglied



Das lange, gelbe Sofa aus „Marilyn forever“ war nicht sehr bequem, das lange, rote Paillettenkleid war zwar sehr elegant, aber auch sehr heiß. Und dennoch lieferte Dagmar Koller wenige Tage nach ihrem 80. Geburtstag am Sonntag zum Saisonauftakt in der Volksoper eine perfekte Show ab. Die zu Ehren des Ehrenmitglieds ausgerichtete Hommage war ein launiger Streifzug durch eine lange Karriere.

Gewiss - es gab auch Musik, live gespielt vom Volksopern-Orchester unter Lorenz C. Aichner, und Geburtstags-Ständchen von Jeffrey Treganza und Juliette Khalil („Carousel“), Lisa Habermann, Axel Herrig und Josef Luftensteiner („My Fair Lady“) sowie Volksopern-Direktor Robert Meyer („Der Mann von La Mancha“). Das alles war aber nur Beiwerk zum vergnüglichen Plauderstündchen, in dem Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz mit der „meistgefeierten Frau der Welt der Woche“ auf ihre Jahre an der Volksoper und manches andere zurückblickte.

An ihre Anfänge im Volksopern-Ballett denke sie gerne („Es war eine schöne Zeit“), bekannte Koller. Ihre Anfänge als Soubrette und Operettensängerin sowie als Musicalsängerin absolvierte sie danach allerdings in Deutschland und der Schweiz, ehe sie mit „Carousel“ wieder an die Volksoper zurückkehrte. Im lockeren, charmanten Plauderton, garniert mit etwas Koketterie und viel Selbstironie sowie unterstützt durch ein paar wenige Bild- und Filmdokumente ging es durch wesentliche Rollen und Karrierehöhepunkte. Man sah Koller bei einem Gala-Auftritt mit „Cabaret“ in der Wiener Stadthalle, bei schweißtreibenden Proben für die Vergewaltigungsszene in „Der Mann von La Mancha“ und in Filmauftritten an der Seite von René Kollo, Johannes Heesters und Peter Alexander.

Immer wieder präsent war natürlich auch Helmut Zilk, den sie 1978 geheiratet hatte und der sechs Jahre später Wiener Bürgermeister wurde: Eine Promi-Ehe, die zu einem breiten Repertoire aus genüsslich kolportierten Zilk-Koller-Anekdoten führte. Von denen gab es in der Volksopern nur wenige Kostproben. Dennoch war es ein durch und durch Wienerischer Abend, an dem Koller und Wagner-Trenkwitz einander liebevoll neckten und statt geheuchelter Verehrung echte Rührung und Anerkennung im Zentrum standen. „Dranbleiben! Wie man auf dem roten Teppich bleibt - oder elegant runterkollert“, heißt daher auch Kollers nächstes Buch, das der Amalthea Verlag vor Weihnachten herausbringen soll.

Das Schlusslied sang, begleitet von Pianist Bela Fischer, dann das Geburtstagskind selbst: „Send in the Clowns“ aus Stephen Sondheims „A Little Night Music“. Erst danach gab es Blumen, Torte und Standing Ovations. Und einen auf das Sofa anspielenden Geburtstagswunsch des Moderators, dem sich die meisten Gäste anschließen konnten: „Dagmar forever“.




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