Letztes Update am Mo, 02.09.2019 16:06

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lager überfüllt - Athen bringt Flüchtlinge auf das Festland



Um die überfüllten Flüchtlingslager im Osten der Ägäis zu entlasten, hat die griechische Regierung am Montag damit begonnen, Hunderte Asylsuchende aufs Festland zu bringen. Eine Fähre mit 640 Personen startete in der Früh startete auf der Insel Lesbos, sie sollen nördlich der Hafenstadt Thessaloniki untergebracht werden.

Hunderte weitere Migranten sollen am Nachmittag mit einer anderen Fähre folgen, wie die Regierung mitteilte. Insgesamt sollten nach Berichten des Staatsfernsehens allein am Montag 1.500 Migranten die Inseln verlassen, überwiegend Minderjährige, Frauen und Familien sowie kranke Menschen.

Die Küstenwache griff am Montag 58 Migranten vor der griechischen Insel Kefalonia auf, die auf dem Weg nach Italien waren. Am Vortag hatte die griechische Küstenwache 19 Migranten südlich der Hafenstadt Kalamata entdeckt, die ebenfalls nach Italien wollten. Die Migranten seien Kurden und Iraker, berichtete der staatliche Rundfunk (ERT) weiter.

Die EU-Kommission bat Griechenland indes Hilfe bei der Verlegung der Flüchtlinge auf das Festland an. „Wir sind bereit, die griechischen Behörden bei diesen Transfers zu unterstützen“, sagte eine Sprecherin in Brüssel. Die EU-Kommission ist demnach „besorgt über die große Zahl“ der zuletzt in Griechenland angekommenen Flüchtlinge. Sie gehe aber davon aus, dass die Türkei sich weiter an das mit der EU abgeschlossene Flüchtlingsabkommen halte, so die Sprecherin.

Die EU-Kommission nimmt die hohe Zahl an Ankünften auf Lesbos nach eigenen Angaben mit Sorge zur Kenntnis. Dies würde die ohnehin angespannte Lage weiter belasten, so die Sprecherin. Man arbeite weiter mit den griechischen Behörden zusammen um die Situation auf den Inseln zu verbessern.

In den vergangenen Tagen hatten Hunderte Migranten aus der Türkei nach Griechenland übergesetzt. Auf den Inseln der Ostägäis sind zurzeit knapp 25.000 Menschen untergebracht. Die Lager auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos haben aber nur eine Aufnahmekapazität für 6.338 Menschen. Als im März 2016 das Abkommen EU-Türkei zur Rückführung der Migranten in Kraft trat, lebten in den Lagern der Ägäisinsel nur etwa 5.800 Menschen.

Die EU hatte 2016 mit der Türkei vereinbart, dass alle Migranten, die aus der Türkei zu den Inseln übersetzen und kein Asyl in Griechenland bekommen, in die Türkei zurückgeschickt werden können, sollten sie kein Asyl in Griechenland bekommen. Die Asylanträge werden wegen Personalmangels aber nur schleppend bearbeitet. Die konservative Regierung in Athen hat wiederholt erklärt, das Verfahren beschleunigen zu wollen.




Kommentieren