Letztes Update am Mo, 02.09.2019 19:29

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hongkong: Tausende beteiligten sich an Universitätsboykott



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In Hongkong hat es am Montag erneut Massenkundgebungen gegen die Regierung gegeben, die vor allem von Studenten und Schülern getragen wurden. Schwarzgekleidete Demonstranten blockierten zudem im morgendlichen Berufsverkehr die Türen zahlreicher U-Bahnen und hielten sie so von der Weiterfahrt ab. Tausende Studenten boykottierten die Lehrveranstaltungen, Schüler bildeten Menschenketten.

Am Rande kam es zu kleineren Auseinandersetzungen. Nach Einbruch der Dunkelheit gab es am Montag mehrere Rangeleien. Im dicht besiedelten Stadtteil Mongkok setzte die Polizei Tränengas ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Tausende Studenten und Schüler hatten sich zuvor auf dem Campus der Chinesischen Universität von Hongkong versammelt. Sie boykottierten Seminare und Unterricht, um ihre Solidarität mit der Protestbewegung zu unterstreichen, die seit drei Monaten in der ehemaligen britischen Kronkolonie für mehr Demokratie und weniger Einfluss der Pekinger Regierung demonstriert.

Hongkongs für Sicherheit zuständiger Minister John Lee Ka Chiu sagte, die chinesische Sonderverwaltungszone sei „nahezu außer Kontrolle“. Der Studentenstreik begann am ersten Tag nach den Hochschulferien. „Ich glaube nicht, dass wir etwas verpassen“, sagte der 19-jährige Student Tommy. Der Streik sei „auch eine Form des Lernens“. Die 17-jährige Schülerin Wong erklärte, die Jugendlichen seien „die Zukunft der Stadt“, die Schüler müssten „Verantwortung übernehmen“, um die Stadt zu „retten“. Wegen des Blockierens der U-Bahn-Türen gab es erhebliche Verspätungen. Das Hongkonger U-Bahn-Netz wird täglich von Millionen Fahrgästen genutzt.

An den Schulen bildeten Schüler unterdessen lange Menschenketten. Einige trugen Gasmasken, Helme und Schutzbrillen, mit denen sich die Hongkonger Demokratie-Aktivisten vor dem Tränengas der Polizei schützen. Ein Aufruf zum Generalstreik wurde dagegen kaum beachtet.

Die neue Protestaktionen am Montag folgten auf ein von schweren Zusammenstößen geprägtes Wochenende. Am Samstag war eine Kundgebung eskaliert, als einige Demonstranten auf einer Hauptverkehrsstraße nahe dem Hongkonger Polizeihauptquartier eine Barrikade in Brand setzten. Die Polizei setzte Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer mit blauer Farbe gegen die Demonstranten ein. Am Sonntag belagerten Aktivisten erneut den Hongkonger Flughafen und blockierten mehrere Zufahrtswege, mindestens ein Dutzend Flüge wurden gestrichen.

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific warnte ihre Mitarbeiter davor, dem Aufruf zum Generalstreik zu folgen. Ein Generalstreik am 5. August, bei dem das Leben in der ansonsten emsigen Metropole nahezu zum Stillstand gekommen war, war von der Gewerkschaft der Flugbegleiter unterstützt worden. Cathay Pacific hat seither mindestens vier Mitarbeitern gekündigt, die die Protestbewegung unterstützten.

„Ich rufe die Allgemeinheit auf, Gewalt abzulehnen“, sagte der Sicherheitsminister. Die Gesellschaft müsse „intakt“ gehalten, die „Herrschaft des Rechts“ gewährleistet werden.

Als die Proteste in Hongkong Anfang Juni einsetzten, richteten sie sich zunächst vor allem gegen eine Gesetzesvorlage, nach der Auslieferungen von Hongkong an Festland-China ermöglicht werden sollten. Inzwischen haben sich allgemeine Forderungen nach demokratischen Reformen und nach einem Rücktritt von Regierungschefin Carrie Lam hinzugesellt. Seit Juni wurden mehr als 900 Teilnehmer der Proteste festgenommen.

Bei den schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizeikräften wurden nach Polizeiangaben zwischen Freitag und Sonntag insgesamt 159 Personen festgenommen, darunter ein 13-Jähriger mit zwei Brandsätzen. Es seien mehr als 80 Molotowcocktails geworfen worden. „Die gegenwärtigen Demonstrationen in Hongkong haben komplett den Rahmen der Freiheit, sich zu versammeln und zu protestieren, verlassen und sich zu extremer Gewalt entwickelt“, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang vor der Presse in Peking.




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