Letztes Update am Di, 03.09.2019 15:37

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spurensuche läuft nach Feuer auf Boot vor US-Küste an



Nach einem verheerenden Bootsfeuer mit mindestens 20 Toten vor der Küste Kaliforniens hat die Suche nach der Ursache für das Unglück begonnen. Dabei geht es nicht nur darum, wo und unter welchen Umständen die Flammen mitten in der Nacht ausbrachen, sondern auch, warum sich fünf Crewmitglieder des Ausflugsschiffes, nicht aber die zahlreichen Taucher an Bord in Sicherheit bringen konnten.

Bis zum späten Abend waren 20 Leichen geborgen worden, hatten US-Medien unter Berufung auf Polizei und Küstenwache berichtet. Für bis zu 14 Vermisste gab es demnach kaum noch eine Überlebenschance. Der TV-Sender NBC sprach sogar schon von 25 Todesopfern. Die Passagiere hatten unter Deck geschlafen, als die „Conception“ am Montag (Ortszeit) vor der Insel Santa Cruz Island in Flammen aufging.

Man bereite sich auf „den schlimmsten Ausgang“ vor, hatte Captain Monica Rochester von der Küstenwache gesagt. 39 Menschen waren nach Angaben der Behörden an Bord des Schiffes, das am Samstag von dem Küstenort Santa Barbara zu einer dreitägigen Tauchfahrt zu den Kanalinseln gestartet war. Am Montagabend sollte die „Conception“ eigentlich wieder an der kalifornischen Küste anlegen.

Ein Notruf, der am Montagmorgen kurz nach 3.00 Uhr bei den Behörden eintraf, ließ Schlimmes ahnen. Ein Mann gab mit panischer Stimme die Position des Schiffes an, dann sagte er, dass er nicht atmen könne. In die Aufzeichnung mischen sich viele Geräusche, die Stimme ist am Ende nicht mehr zu verstehen. In dem Mitschnitt ist Medienberichten zufolge ein Mitarbeiter der Küstenwache zu hören, wie er offenbar ein Crew-Mitglied fragt, ob die Passagiere „eingeschlossen“ seien - und dann, ob die Crew nicht wieder aufs Boot zurückgehen und die Passagiere befreien könne.

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Das Boot war nur 20 Meter vom Strand der Insel Santa Cruz entfernt vor Anker gegangen. Zunächst seien die Leichen von zwei Männern und zwei Frauen geborgen worden. Sie könnten nur mit Hilfe von DNA-Tests identifiziert werden, sagte US-Sheriff Bill Brown. Weitere Leichen hätten die Suchteams auf dem Meeresboden in knapp 20 Metern Tiefe entdeckt, aber noch nicht an Land bringen können. Für die Rettungstaucher sei es gefährlich, das völlig ausgebrannte Bootswrack zu durchsuchen. Das Schiff sei etwa vier Stunden nach Ausbruch des Feuers auf den Grund gesunken.

Zwei der fünf Crewmitglieder wurden bei der Flucht aus den Flammen leicht verletzt. Mit einem kleinen Beiboot konnten sie nachts ein Fischerboot in der Nähe erreichen. Die Gruppe sei völlig verstört gewesen, sagten die Bootsleute Shirley und Bob Hansen laut „Los Angeles Times“. Einer der Männer hätte ihnen weinend erzählt, dass seine Freundin noch unter Deck an Bord sei. Ein anderer berichtete, dass sie am Abend auf dem Boot die Geburtstage von drei Passagieren gefeiert hätten, darunter ein 17-jähriges Mädchen, das von seinen Eltern auf der Tauchreise begleitet worden sei.

Die Passagiere des Ausflugsschiffes schliefen im Bootsinneren, als das Feuer aus noch unbekannten Gründen ausbrach. Zahlreiche Löschboote eilten zu der Unglücksstelle, doch jede Hilfe kam zu spät. Bob Hansen sagte der „Los Angeles Times“, dass er das brennende Boot und dichten Rauch habe sehen können und mehrere Explosionen gehört habe. Möglicherweise seien Tauchflaschen explodiert, mutmaßte Hansen. Dramatische Fotos zeigen das Unglücksboot völlig von Flammen umgeben.

Die Kanalinseln vor Santa Barbara sind ein beliebtes Ausflugsziel für Taucher und Segler. Das Unternehmen „Worldwide Diving Adventures“ hatte das Boot für den Taucherausflug an dem langen Laborday-Wochenende gechartert. Auf seiner Webseite versprach der Veranstalter ein Wochenende mit Tauchgängen, Kajakfahrten, Gourmet-Küche und Begleitung von einer Meeresbiologin.




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