Letztes Update am Di, 03.09.2019 18:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trump wehrt sich gegen Kritik wegen Golf statt Polen-Besuch



US-Präsident Donald Trump hat sich gegen Kritik des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan gewehrt, der über Trumps Absage seiner Polen-Reise und dessen alternative Golf-Partie gespottet hatte. „Der inkompetente Bürgermeister von London, Sadique Kahn, hat sich daran gestört, dass ich gestern eine schnelle Runde Golf gespielt habe“, schrieb Trump am Dienstag auf Twitter.

Dabei buchstabierte er Khans Namen dabei gleich an zwei Stellen in einer ersten Version falsch, die er später korrigierte. Khan solle sich lieber auf die Kriminalität in London kümmern, die völlig außer Kontrolle sei. „Er ist ein furchtbarer Bürgermeister und sollte sich aus unseren Angelegenheiten raushalten!“

Trump betonte auch, er habe auf seinem eigenen Golfplatz gespielt, was „sehr günstig“ sei. Sein Amtsvorgänger Barack Obama dagegen sei nach Hawaii geflogen.

Trump hatte wegen eines auf die USA zusteuernden Hurrikans kurzfristig einen geplanten Trip nach Polen abgesagt. Er hätte dort am Sonntag in Warschau an den Feierlichkeiten zum Weltkriegsgedenken teilnehmen sollen. Stattdessen schickte Trump seinen Stellvertreter Mike Pence nach Polen - und wurde selbst am verlängerten Feiertagswochenende in den USA mehrfach beim Golfen gesichtet.

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Khan, der zu den Feierlichkeiten nach Polen gereist war, hatte am Wochenende mit Blick auf Trump gespottet, der US-Präsident sei offenkundig sehr damit beschäftigt, sich vom Golfplatz aus um den Hurrikan zu kümmern.

Trump und der Londoner Bürgermeister liefern sich seit längerem einen verbalen Kleinkrieg. Der US-Präsident verunglimpft Khan regelmäßig als inkompetentes Stadtoberhaupt, der die Probleme Londons nicht in den Griff bekomme.

US-Vizepräsident Mike Pence übernachtet indes während seines derzeitigen Besuchs in Irland in einem der Golfclubs von Donald Trump - was für Empörung in den Reihen der US-Opposition sorgt. Marc Short, der Stabschef des Vizepräsidenten, sagte am Dienstag zu der Kritik, der Club sei auf „Vorschlag“, nicht auf „Anweisung“ des Präsidenten für die Übernachtungen ausgewählt worden.

Laut Short sind die zwei Nächte im Trump International Golf Links & Hotel im westirischen Doonbeg für den Vizepräsidenten nicht kostenlos. Wie bei allen offiziellen Reisen des Vizepräsidenten werden die Kosten also aus der Staatskasse bestritten. Pence war am Montag in Irland eingetroffen und traf dort am Dienstag in Dublin unter anderen Regierungschef Leo Varadkar.

Short fügte jedoch hinzu, dass die Übernachtungskosten für die Mutter und Schwester des Vizepräsidenten - die ihn in Irland begleiten - von Pence privat bestritten würden.

Doonbeg liegt rund 300 Kilometer entfernt von Dublin. Pence hatte also von dort für seine Termine in der irischen Hauptstadt eine weite Anreise. Als einen der Gründe, warum der Club dennoch ausgewählt wurde, führte Short ins Feld, dass Pence in dem Dorf familiäre Wurzeln habe. Auch sei der Club dem für die Sicherheit von Präsident und Vizepräsident zuständigen Secret Service von einem früheren Besuch Trumps bereits bekannt gewesen.

Der US-Kongressabgeordnete Ted Lieu von den oppositionellen Demokraten warf Pence gleichwohl „korruptes“ Verhalten vor. „Sie haben einen Eid abgelegt, die Verfassung zu schützen“ und nicht Donald Trump, schrieb Lieu im Kurzbotschaftendienst Twitter an die Adresse des Vizepräsidenten. Dass Pence Steuerzahlergelder an den Präsidenten durchschleuse, indem er in dessen Resort übernachte, sei „sooooooo korrupt“.

Die regelmäßige Nutzung von Trumps Privatclubs für Regierungsangelegenheiten sorgt in den USA immer wieder für heftige Kritik. So kündigten die Demokraten im Repräsentantenhaus erst vergangene Woche eine Untersuchung zu Trumps Plan an, den Gipfel der G-7-Staatengruppe im kommenden Jahr in einem Trump-Golfclub bei Miami im US-Bundesstaat Florida abzuhalten.

Trump hatte zum Abschluss des diesjährigen G-7-Gipfels im französischen Biarritz sein Doral-Resort als „großartigen Ort“ für das nächste Treffen der Staats- und Regierungschefs angepriesen.




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