Letztes Update am Di, 03.09.2019 23:07

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mindestens fünf Tote durch Hurrikan „Dorian“ auf den Bahamas



Hurrikan „Dorian“ hat auf den Bahamas schwere Schäden angerichtet - und seine Ausläufer bedrohen auch die Südostküste der USA. Auf der karibischen Inselgruppe südöstlich der Küste Floridas hinterließ der Wirbelsturm schwere Zerstörungen. Teile Grand Bahamas wurden großflächig überschwemmt. Mindestens fünf Menschen starben Behördenangaben zufolge auf den benachbarten Abaco-Inseln.

Nach ersten Erkenntnissen gab es zahlreiche Verletzte, wie Regierungschef Hubert Minnis am Montag in New Providence sagte. Etwa 13.000 Häuser wurden demnach beschädigt oder zerstört. Minnis bezeichnete den Wirbelsturm, der Windgeschwindigkeiten von fast 300 Stundenkilometern erreicht hatte, als „historische Tragödie“ für die zwischen Kuba und Florida gelegene Inselgruppe. Am Dienstagvormittag (Ortszeit) gab es zunächst keine Neuigkeiten zu Schäden und Rettungseinsätzen auf den Bahamas. Der Minister für nationale Sicherheit, Marvin Dames, sagte aber, die Zahl der Todesopfer werde steigen. Unter den fünf bestätigten Toten seien Kinder, zitierte ihn die Zeitung „The Nassau Guardian“. Es handle sich um „eine Krise epischer Ausmaße“.

Großbritanniens Königin Elizabeth II. hat den Angehörigen der Opfer des Hurrikans „Dorian“ auf den Bahamas am Dienstag ihre Anteilnahme ausgesprochen. Elizabeth ist Staatsoberhaupt der Bahamas, obwohl der karibische Inselstaat seit 1973 von Großbritannien unabhängig ist. Sie wird durch einen Generalgouverneur vertreten.

„Prinz Philip und mich hat es schockiert und betrübt, von der Verwüstung zu erfahren, die der Hurrikan Dorian verursacht hat und wir übermitteln den Familien und Freunden derjenigen, die nach diesem schrecklichen Sturm ums Leben gekommen sind, unser aufrichtigstes Beileid“ hieß es in einer Mitteilung am Dienstag.

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Der Wirbelsturm peitschte nach Angaben der Meteorologen am Dienstag aber immer noch mit Windgeschwindigkeiten von rund 200 Stundenkilometern über die Inselgruppe hinweg. Bewohner sollten daher vorerst in ihren Notunterkünften bleiben. Vom Flughafen der Hauptstadt des Inselstaates, Nassau, hieß es am Dienstag, es gebe erneut zahlreiche Flugausfälle. Reisende sollten ihre Fluggesellschaften kontaktieren. Der Flughafen der Stadt Freeport auf Grand Bahama blieb geschlossen. Wie auf einem Video vom Montag zu sehen war, stand er unter meterhohem Wasser.

Im staatlichen Rundfunk ZNS wurden Hilferufe von Menschen verlesen, die inmitten der Fluten feststeckten. In sozialen Medien wurden weiter zahlreiche Videos überfluteter Straßen verbreitet. Es gab auch viele Nachrichten von Menschen, die um Hinweise auf vermisste Angehörige baten.

Die Karibische Katastrophenschutzagentur CDEMA werde bei Such- und Rettungseinsätzen Drohnen nutzen, teilte der frühere Regierungssprecher Latrae Rahming auf Twitter mit.

Der Hurrikan hatte die Bahamas am Sonntag erreicht und sich dort quasi festgesetzt. Nur quälend langsam bewegte er sich vorwärts: Am Dienstag schob er sich nur mit einem Tempo von zunächst zwei und später vier Kilometern pro Stunde voran. Erst am späten Dienstagabend (Ortszeit) sollte „Dorian“ nach Angabe der dortigen Wetterbehörde vollständig über die Bahamas hinweggezogen sein.

Zum Zeitpunkt seiner Ankunft in dem karibischen Inselstaat hatte „Dorian“ Windböen von fast 300 Kilometern pro Stunde entwickelt - und gehörte damit zu den Wirbelstürmen der gefährlichsten Kategorie fünf. Rettungseinsätze waren unter den Wetterbedingungen zunächst unmöglich. Es handelte sich um den verheerendsten Wirbelsturm auf den Bahamas seit Beginn moderner Aufzeichnungen. Regierungschef Hubert Minnis sprach angesichts der noch gar nicht gänzlich erfassbaren Zerstörung von einer „historischen Tragödie“.

Nach dem Eintreffen auf den Bahamas schwächte sich der Sturm nach und nach ab. Am Dienstagmittag (Ortszeit) entwickelte er nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums Windböen mit einer Geschwindigkeit von 175 Kilometern pro Stunde. Damit wurde der Wirbelsturm zu einem Hurrikan der Kategorie zwei herabgestuft. Die Werte lagen aber nur ganz knapp unterhalb der Schwelle zur Kategorie drei. Die Experten mahnten, der Sturm sei weiterhin extrem gefährlich.

Zuletzt bewegte sich der Hurrikan langsam Richtung Norden weiter. Er sollte im Laufe des Dienstags und Mittwochs der Küste Floridas gefährlich nahekommen, und später - am Mittwoch und Donnerstag - auch sehr nah entlang der Küste in den US-Bundesstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina vorbeiziehen. Ursprünglich hatten Meteorologen befürchtet, dass „Dorian“ mit voller Wucht auf Florida treffen würde. Der Sturm änderte auf seinem Weg jedoch seinen Kurs.

Die Auswirkungen in Florida, wie auch in den angrenzenden Bundesstaaten, dürften nun geringer ausfallen als ursprünglich befürchtet. Die Bewohner der betroffenen US-Staaten machen sich aber auf Sturmböen, Regen und Flutwellen in den kommenden Tagen gefasst. Dort liefen in den vergangenen Tagen intensive Vorbereitungen für den Sturm: Menschen verbarrikadierten ihre Häuser, füllten Sandsäcke und deckten sich mit Notvorräten ein, manche suchten auch Zuflucht in Notunterkünften.




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