Letztes Update am Mi, 04.09.2019 10:48

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Tractatus“-Preis des Philosophicum Lech geht an Lisa Herzog



Die deutsche Philosophin und Sozialwissenschafterin Lisa Herzog wird in diesem Jahr mit dem Essay-Preis „Tractatus“ des Philosophicum Lech ausgezeichnet. Als erste Frau erhält sie nach zehn Männern den mit 25.000 Euro dotierten Preis exemplarisch für ihr Werk „Die Rettung der Arbeit. Ein politischer Aufruf“, informierte das Philosophicum Lech am Mittwoch in einer Aussendung.

Die 45-jährige Herzog, Professorin für Politische Philosophie und Theorie an der Hochschule für Politik an der Technischen Universität München, stellt in ihrem Buch elementare Fragen zur Gestaltung der öffentlichen Arbeitswelt angesichts der durch die digitale Transformation anstehenden Umbrüche. Dabei gehe es „um nicht weniger als um die Grundfragen der politischen Philosophie: Wie wird menschliches Zusammenleben organisiert, was macht eine gute und gerechte Gesellschaft aus, und wie können wir unsere Institutionen und sozialen Praktiken entsprechend gestalten?“, so die Autorin im Einleitungskapitel ihres Buches.

Das im heurigen Februar publizierte Werk erhielt sofort nach seinem Erscheinen große Aufmerksamkeit und Anerkennung. „Ein gut lesbares Plädoyer, das zum Umdenken anregt“, hieß es etwa im Deutschlandfunk, „Ein kluger und nachdenklicher Essay“ beim NDR. Der „Tagesspiegel“ berichtete in Bezug auf Herzogs Buch von einem eindringlichen Plädoyer, „den Mut zu haben, auch an den großen Stellschrauben zu drehen“.

Für die dreiköpfige „Tractatus“-Jury - Barbara Bleisch, Michael Krüger und Thomas Vasek - hielt Bleisch fest: „Herzog zeigt überzeugend auf, dass eine kritische Auseinandersetzung mit dieser sozialen Grundkategorie weder den Unkenrufen Glauben schenken darf, dass uns die Arbeit ausgehe, weil die Roboter sie uns wegnähmen, noch den Lockrufen aufsitzen, die vom goldenen Zeitalter erzählen, in dem niemand mehr arbeiten muss“. Zudem erinnere sie daran, „dass unsere Zukunft weder Verheißung noch Verhängnis ist, sondern ein Gestaltungsspielraum, den es jetzt einzurichten gilt“, so Bleisch.

Herzog setzte sich mit ihrem Werk gegen die anderen Nominierten durch - gegen die an der Universität Klagenfurt lehrende Ursula Renz sowie gegen Maike Weißpflug, Heinz Bude, Michael Hampe und Florian Mühlfried. Bisherige „Tractatus“-Preisträger sind Ex-Juror Franz Schuh (2009), Kurt Flasch (2010), Norbert Bolz (2011), Herbert Schnädelbach (2012), Kurt Bayertz (2013), Peter Bieri (2014), Ulrich Greiner (2015), Hartmut Rosa (2016), Ralf Konersmann (2017) und Thomas Bauer (2018). Überreicht wird der Preis am 27. September im Rahmen des Philosophicum Lech, das sich heuer in seiner 23. Auflage von 25. bis 29. September mit dem Thema „Die Werte der Wenigen. Eliten und Demokratie“ auseinandersetzt. Das Philosophicum Lech ist mit über 600 Teilnehmern bereits ausgebucht.

Der privat finanzierte „Tractatus“-Preis - er gehört zu den höchstdotierten im deutschsprachigen Raum - wurde 2009 vom Verein Philosophicum Lech ins Leben gerufen. Es sollen herausragende Publikationen auf dem Feld geistiger Auseinandersetzung und Standortbestimmung ausgezeichnet werden.




Kommentieren