Letztes Update am Do, 05.09.2019 06:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien plant ab Schuljahr 2020/21 Probezeit für Junglehrer



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Mit seinem Plan, bei Junglehrern mit befristeten Verträgen eine Probezeit einzuführen, hat Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer bei der Lehrer-Personalvertretung für Empörung gesorgt. Nun haben sich beide Seiten auf eine Art Probezeit Light ab 2020/21 geeinigt: Kann ein Direktor nach drei Monaten konkret belegen, dass ein Junglehrer nicht tragbar ist, soll der Vertrag vorzeitig aufgelöst werden.

Grundsätzlich startet jeder Lehrer mit einem auf ein Jahr befristeten Vertrag in den Dienst, eine vorzeitige Auflösung war bisher auch bei ungeeigneten Junglehrern laut Himmer „keine gelebte Praxis“. In Wien soll allerdings ab 2020/21 niemand mehr ein ganzes Jahr lang in der Klasse stehen, der für den Job nichts taugt: Drei Monate nach Schulstart müssen die Schulleiter Lehrern im ersten Dienstjahr künftig detailliertes Feedback geben, wo sie stehen. Bei Problemen müssen die Direktoren auch gegenüber der Bildungsdirektion genau festhalten, in welchen Punkten der Lehrer ungeeignet scheint. Dort können dann Maßnahmen wie eine Verpflichtung zur Fortbildung ergriffen werden. Kann der Schulleiter dokumentieren, wieso aus seiner Sicht ein Weiterarbeiten nicht möglich ist, kann der Vertrag auch vorzeitig beendet werden.

Bei 26.000 Wiener Lehrern und 1.000 neuen Lehrern pro Jahr sei die Bildungsdirektion auf Rückmeldungen der Schulen angewiesen, betont Himmer gegenüber der APA. Nur so könne sie bei Problemfällen auch reagieren und die richtigen Entscheidungen treffen. „Mir war wichtig, dass es innerhalb von drei Monaten eine Rückmeldung gibt, die so klar ist, dass man etwas tun kann - nämlich helfen, wo es geht, und eine Entscheidung zu treffen wie etwa eine Vertrag aufzulösen, wo es nicht geht.“ Darauf habe er sich nun schulartenübergeifend mit der Personalvertretung einigen können. Wenn ganz klar festgehalten sei, in welchen konkreten Punkten jemand ungeeignet ist, sind dafür laut Himmer auch keine rechtlichen Änderungen notwendig. Das Modell soll nun fundiert inhaltlich ausgearbeitet werden, damit im nächsten Schuljahr gestartet werden kann.

Auslöser für Himmers ursprünglichen Vorschlag - neben einer Probezeit forderte er eine ausdrückliche Kündigungsmöglichkeit für Junglehrer - waren die Vorfälle an der HTL Ottakring im vergangenen Schuljahr. Dort war ein Lehrer, der offenbar seit Längerem von Schülern schikaniert wurde, handgreiflich geworden, wie in im Internet kursierendes Video zeigt. Eine unabhängige Untersuchungskommission kam zu dem Schluss, dass „die pädagogische Eignung nicht gegeben ist“. Der Vertrag des Lehrers wurde nicht verlängert, vier Jugendliche mussten die Schule verlassen.




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