Letztes Update am Do, 05.09.2019 09:38

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hohe Haftstrafen in Missbrauchsserie von Lügde



Im Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde in Deutschland hat das Landgericht Detmold die beiden geständigen Angeklagten am Donnerstag zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der 56-jährige frühere Dauercamper Andreas V. erhielt eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren, der 34-jährige Mario S. von zwölf Jahren.

Außerdem ordnete die Strafkammer für beide Männer die anschließende Unterbringung in der Sicherungsverwahrung an. V. und S. gelten als Haupttäter der jahrelang unentdeckt gebliebenen Missbrauchsserie, die nach ihrem Bekanntwerden Ende Jänner Entsetzen auslöste. Das Urteil im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde-Elbrinxen fiel am elften Verhandlungstag. In den vergangenen zehn Wochen hatte die Detmolder Jugendschutzkammer 33 Zeugen, darunter 16 Opfer und zwölf Angehörige, vernommen. Die Anklage forderte im Prozess 14 Jahre Haft für V., zwölfeinhalb Jahre Gefängnis für S. sowie Sicherungsverwahrung für beide.

Die meisten Zeugenvernehmungen fanden in der Verhandlung aus Opferschutzgründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: Der Großteil der Opfer war zu den Tatzeiten zwischen drei und 14 Jahre alt. Die Missbrauchsserie von Lügde gilt wegen polizeilicher Ermittlungspannen und Behördenversagens als einer der größten Skandale der vergangenen Jahre. Unter anderem verschwand bei der Polizei Lippe Beweismaterial. Auch das Verhalten von Jugendämtern im Tatzeitraum wurde scharf kritisiert.

Nach Bekanntwerden des Falls hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) das Thema zur Chefsache erklärt. Mittlerweile stuft das nordrhein-westfälische Innenministerium Kindesmissbrauch und Kinderpornografie als „kriminalpolitischen Schwerpunkt“ aller NRW-Polizeibehörden ein. Das Personal für die Bearbeitung solcher Fälle sei „deutlich aufgestockt“ worden, hieß es aus dem Ministerium.




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