Letztes Update am Do, 05.09.2019 15:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Untersuchungen in Causa Casinos ausgeweitet, Sidlo urlaubt



Die Casinos Austria erweitern ihre Untersuchungen rund um die umstrittene Postenbesetzung im Vorstand des Unternehmens. Bis diese abgeschlossen sind, geht Finanzvorstand Peter Sidlo auf eigenen Wunsch auf Urlaub. Seine Bestellung, die von den Freiheitlichen angeblich in Zusammenarbeit mit Novomatic bewerkstelligt wurde, ist der Kern der ganzen Causa.

Beschlossen wurde das weitere Vorgehen am Donnerstag in einer außerordentlichen Präsidiumssitzung des Aufsichtsrats. Dort sei man zum Ergebnis gekommen, dass das Unternehmen die aktuellen Ereignisse nicht einfach ignorieren könne. Vollständige Aufklärung der kolportierten Vorwürfe sei im ureigensten Interesse der Unternehmensgruppe.

Daher hat Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner dem Präsidium vorgeschlagen, die bereits seit zwei Wochen laufende interne Untersuchung auszuweiten und zu intensivieren. Um zu klären, ob es im Kreis des Aufsichtsrates oder des Vorstandes Fehlverhalten gegeben hat, wurde die Schima Mayer Starlinger Rechtsanwälte GmbH gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG beauftragt, alle relevanten Informationen rund um die Bestellung des aktuellen Vorstandes zu prüfen und entsprechend kritisch zu beurteilen.

In und um die Sitzung am Donnerstag haben laut Casinos-Aussendung sowohl Novomatic als auch Sidlo dem Präsidium abermals versichert, dass die kolportierten Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehrten. Würden diese doch stimmen, sei die Casinos Austria AG die Geschädigte und werde nicht zögern, mit allen Mitteln ihre Rechte geltend zu machen.

Sidlo hat indes den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er „zur besseren Wahrung seiner Rechte und zum Schutz des Unternehmens“ bis zum Ende der internen Untersuchung einen Urlaub antreten wird. Das Präsidium wertet diese Entscheidung als „Zeichen seines Verantwortungsgefühls für das Unternehmen“.

Für SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer geht der Urlaubsantritt Sidlos nicht weit genug. Sidlo erfülle die im Glückspielgesetz geforderten Kriterien für den Finanzvorstand nicht und müsse zurücktreten, forderte Krainer. Die Konsequenz könne nicht sein, „dass er auf Kosten des Unternehmens Urlaub macht“.

Krainer findet es jedoch „gut, dass es spät, aber doch ein erstes Schuldeingeständnis in der skandalösen Postenbesetzung in der Casinos Austria AG gibt“. Die CASAG hatte angekündigt, die internen Ermittlungen rund um die Bestellung von Peter Sidlo zum Finanzvorstand auszuweiten. Krainer forderte außerdem den Abzug Sidlos aus dem Generalrat der Österreichischen Nationalbank. Die „Personalpakete“ der türkis-blauen Regierung seien „eine echte Gefahr für die Reputation der Notenbank.“

In der Causa geht es im wesentlichen um den Verdacht, dass der Bestellung des FPÖ-Mitglieds eine Absprache zwischen Novomatic und den Freiheitlichen voraus gegangen war. Nach einer anonymen Anzeige gab es Hausdurchsuchungen bei Novomatic-Chef Harald Neumann, Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und Sidlo. Erst am Mittwoch wurde eine freiwillige Einschau im Finanzministerium unternommen, wo sich die Korruptionsstaatsanwaltschaft vor allem für Unterlagen des früheren Staatssekretärs Hubert Fuchs interessiert.




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