Letztes Update am Do, 05.09.2019 17:53

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausläufer von Hurrikan „Dorian“ trafen auf Ostküste der USA



Hurrikan „Dorian“ sorgt nach der Verwüstung der Bahamas für schwere Unwetter an der US-Südostküste. Am Donnerstag bewegte er sich vor der Küste des US-Bundesstaates South Carolina weiter Richtung Nordosten und entwickelte dabei Windböen mit einer Geschwindigkeit von 175 Stundenkilometern. Damit wurde er als Hurrikan der Kategorie zwei eingestuft.

Zuvor hatte „Dorian“ hat auf den Bahamas enorme Verwüstungen hinterlassen und mindestens 20 Menschenleben gefordert. „Wir erwarten, dass diese Zahl noch steigt“, sagte Premierminister Hubert Minnis am Mittwoch (Ortszeit). Erste Hilfslieferungen erreichten die schwer getroffenen Gebiete. Viele Menschen wurden noch immer vermisst, einige warteten weiterhin auf Rettung.

„Dorian“ hatte die Bahamas am Sonntag als Hurrikan der höchsten Gefahrenstufe getroffen - mit Windgeschwindigkeiten von fast 300 Kilometern pro Stunde. Der Sturm wütete dort fast drei Tage lang. Es handelte sich um den verheerendsten Wirbelsturm auf den Bahamas seit Beginn moderner Aufzeichnungen. Danach verlor „Dorian“ etwas an Kraft.

Nach Angaben des UN-Nothilfekoordinators Marc Lowcock benötigen rund 70.000 Menschen - also fast jeder fünfte Einwohner der Bahamas - dringend Hilfe zum Überleben. Die Bevölkerung brauche akut Nahrung, sauberes Trinkwasser und Notunterkünfte, erklärte er bei einem Besuch auf den Bahamas. Die Flughäfen seien überschwemmt oder beschädigt, auch Verbindungsstraßen könnten nicht genutzt werden.

Teile der Inseln seien immer noch von der Außenwelt abgeschnitten, erklärte Lowcock. Es gebe keine Stromversorgung und nur stark eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten. Es sei daher zu befürchten, dass die Zahl der Todesopfer „bedeutend ansteigen“ werde.

Regierungschef Minnis sprach von einer außerordentlichen Welle der Unterstützung aus dem In- und Ausland. Er hatte sich am Mittwoch in einem Hubschrauber der US-Küstenwache aus der Luft ein Bild der Lage auf Grand Bahama gemacht. Es habe umfangreiche Schäden gegeben, viele Menschen seien in Notunterkünften. Auch die psychologischen Folgen seien nicht zu unterschätzen.

Der Premier ging auch auf Berichte über Plünderungen in den verwüsteten Gebieten ein. Die Täter würden mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgt, kündigte er an. Zusätzliche Sicherheitskräfte seien bereits auf die Abaco-Inseln geschickt worden. Hinzu kämen demnächst Angehörige des Militärs von Jamaika.

In den sozialen Medien beschwerten sich manche Helfer auf den Bahamas über zu viele Bürokratie der Behörden. Überlebende erzählten in den örtlichen Medien davon, was sie erlebt hatten. Ein Mann sagte der Zeitung „The Nassau Guardian“, eine Böe habe seinen fünfjährigen Sohn vom Dach des Hauses der Familie gefegt. Dieser sei in den Fluten verschwunden, in denen auch Haie geschwommen seien. Eine Kirche, die als Notunterkunft fungierte, sei eingestürzt und habe zwölf Menschen unter sich begraben.

US-Präsident Donald Trump sicherte den Bahamas in einem Telefonat mit Minnis „alle angemessene Hilfe“ der USA zu, wie das Weiße Haus mitteilte. Die US-Küstenwache ist bereits mit Hubschraubern auf den Inseln südöstlich des US-Bundesstaats Florida im Einsatz. Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau telefonierte nach eigenen Angaben mit Minnis und versprach Unterstützung. Großbritanniens Marine schickte ein Schiff mit Lebensmitteln auf die Bahamas, deren Staatsoberhaupt die britische Queen Elisabeth II. ist.

Am Donnerstag sorgte der Sturm in South Carolina für heftige Windböen, Starkregen und teilweise für Überschwemmungen und Stromausfälle. In der Stadt Charleston etwa standen Teile der Innenstadt unter Wasser. Meteorologen warnten vor Sturmfluten an der Küste durch den vorbeiziehenden Hurrikan.

Das Nationale Hurrikan-Zentrum mahnte auch, der Sturm könnte am Freitag in North Carolina nicht nur sehr nah an die Küste heranreichen, sondern dort womöglich auch auf Land treffen. Entlang der US-Küste war vorab an einigen Orten der Notstand ausgerufen worden, um mögliche Hilfen zu erleichtern. Die Behörden ordneten zum Teil auch Evakuierungen an, es wurden Notunterkünfte eingerichtet.




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