Letztes Update am Sa, 07.09.2019 14:46

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russland und Ukraine tauschten Gefangene aus



Der große Gefangenenaustausch zwischen der Ukraine und Russland ist abgeschlossen. Die Flugzeuge beider Länder landeten am Samstag fast gleichzeitig auf den Flughäfen der Hauptstädte Kiew und Moskau. In Kiew trafen auch die 24 ukrainischen Seeleute ein, die seit November in russischer Haft gesessen hatten. An Bord der Maschine war außerdem der ukrainische Regisseur Oleg Senzow.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm die Freigelassenen in Empfang - mit Handschlag und Umarmung. Auch Angehörige warteten mit Tränen der Freude in den Augen auf dem Flughafen Borispol. In Moskau landete eine Maschine mit Gefangenen, die Kiew zuvor auf Verlangen der russischen Behörden aus der Haft entlassen hatte.

Der Austausch sollte nach der Formel 35 gegen 35 erfolgen. Allerdings war zunächst unklar, wie viele Menschen genau auf der jeweiligen Seite tatsächlich in den Flugzeugen saßen. Kremlchef Wladimir Putin hatte zuvor den großen und richtungsweisenden Austausch angekündigt, der die Beziehungen beider Länder verbessern soll.

Der Austausch von Gefangenen gilt als ein wichtiger Erfolg für Selensky. Er hatte im Mai in seiner ersten Rede im Amt gesagt, dass die Rückkehr der Ukrainer für ihn Priorität habe.

Hintergrund ist der Konflikt zwischen beiden Ex-Sowjetrepubliken. Russland hatte vor gut fünf Jahren die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Seit 2014 stehen zudem Teile der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk an der Grenze zu Russland unter Kontrolle von Aufständischen, die von Moskau unterstützt werden. Bei Kämpfen dort wurden nach UN-Schätzungen rund 13.000 Menschen getötet.

Auch der in der Ukraine festgehaltene Wladimir Zemach kam frei, hieß es aus ukrainischen Regierungskreisen. Er soll für die Luftabwehr der prorussischen Separatisten in Donezk zuständig und am Abschuss der Passagiermaschine des Flugs MH17 über der Ostukraine beteiligt gewesen sein. In einem offenen Brief hatten am Mittwoch 40 EU-Abgeordnete den ukrainischen Staatschef Selenskyj davor gewarnt, den „Hauptverdächtigen“ Zemach nach Russland ausreisen zu lassen.




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