Letztes Update am So, 08.09.2019 13:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erste Schritte für Einrichtung von Schutzzone in Nordsyrien



Im Norden Syriens läuft die Einrichtung einer sogenannten Sicherheitszone für Flüchtlinge an. Ein Fahrzeug-Konvoi des türkischen Militärs fuhr am Sonntag 15 Kilometer östlich der türkischen Grenzstadt Akcakale in syrisches Gebiet, wo Fahrzeuge des US-Militärs warteten. Mitarbeiter des türkischen und US-Militärs werden dabei dem türkischen Verteidigungsministerium zufolge von Drohnen unterstützt.

Geplant waren gemeinsame Patrouillenfahrten, um einen entmilitarisierten Streifen entlang der türkischen Grenze auf syrischem Gebiet einzurichten. Bisher haben sich die NATO-Partner auf einen gemeinsamen Kommando-Stab für die Sicherheitszone einigen können. Allerdings waren zuletzt die Ausmaße der Zone und die Kommandostruktur beim gemeinsamen Einsatz umstritten.

Die USA und die Türkei hatten sich Anfang August auf die Einrichtung einer sogenannten Sicherheitszone in Nordsyrien geeinigt. Bisher sind aber nur wenige Details bekannt. Die Türkei wünscht sich entlang der Grenze ein Gebiet unter ihrer alleinigen Kontrolle. Die Gegend wird bisher von der syrischen Kurdenmiliz YPG beherrscht, die von Ankara als Terrororganisation betrachtet wird. Für die USA ist sie dagegen ein wichtiger Partner im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

Die Einrichtung einer Schutzzone im Norden Syrien zwischen beiden Staaten ist deswegen schwierig. Zudem sind die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei angespannt, weil das türkische Militär ein russisches Raketensystem angeschafft hat. Die USA verweigern deswegen den Verkauf moderner Kampfflugzeuge an die türkische Luftwaffe.

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Die Türkei, die 3,6 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen hat, hofft, eine Million Flüchtlinge im Norden Syriens wieder ansiedeln zu können. Die YPG hat in den vergangenen vier Jahren den IS aus dieser Region verdrängt. Viele Einwohner der nun geplanten Schutzzone sind arabischer Abstammung. Sie waren vor der YPG in die Türkei geflohen, da sie fürchteten, wegen Verbindungen zum IS angeklagt zu werden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fordert auch von der EU Hilfen beim Aufbau der Schutzzone.

Erdogan hatte am Donnerstag gesagt, er sei „entschlossen, bis zur letzten Septemberwoche im Osten des (Flusses) Euphrat“ mit der Einrichtung der Sicherheitszone zu beginnen, wie die Türkei sie haben wolle. Er wolle dort „mindestens eine Million“ syrische Flüchtlinge ansiedeln.

Ende August hatte die YPG nach eigenen Angaben damit begonnen, ihre Einheiten aus den Grenzorten Ras al-Ain und Tell Abiad abzuziehen. Erdogan hatte immer wieder mit einem Militäreinsatz gegen die YPG in Nordsyrien gedroht. Er betrachtet die Kurdenmiliz als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die die Türkei im eigenen Land bekämpft.




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