Letztes Update am Mo, 09.09.2019 14:32

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thiem wieder fit - Davis Cup und Erste Bank Open im Visier



Dominic Thiem ist nach schwierigen Wochen wieder fit für kommende Aufgaben. „Ich bin seit vier Tagen wieder im Training. Mir geht es gut, so wie es sein sollte“, sagte Österreichs Tennis-Star am Montag bei der Präsentation des im Oktober stattfindenden ATP-Hallenturniers in Wien. Zugleich bestätigte Thiem, dass er diese Woche Österreichs Davis-Cup-Team in Finnland verstärken wird.

Thiem hatte sich auf der jüngsten Nordamerika-Tournee wieder einmal eine heftige Verkühlung zugezogen, deshalb in Cincinnati passen müssen und war bei den US Open in New York gleich in Runde eins ausgeschieden. Eine ausgeklügeltere Saisonplanung soll derartige Probleme in Zukunft vermeiden. „Ich werde Ruhe- und Turnierphasen aufeinander abstimmen und genau ausbalancieren.“

Für den Moment sieht der Niederösterreicher aber auch einen positiven Aspekt für die kommenden Aufgaben, die neben dem Davis- und Laver Cup auch die ATP-Turniere in Peking, Shanghai und Wien umfassen. „Ich kann durch die Pause frischer in die letzte Saisonphase starten als letztes Jahr“, ist Thiem überzeugt. Der Davis Cup in der Halle sei eine gute Möglichkeit, zurückzukehren. Manager Herwig Straka versicherte: „Dominic trifft den Ball schon wieder super, und Matches sind das beste Training.“

Weil Thiem auch für das ATP-Finale praktisch schon qualifiziert ist, ist sein Heimturnier vom 19. bis 27. Oktober in der Wiener Stadthalle wieder ein ganz spezieller Moment seines Tennis-Jahres. Die Erste Bank Open sind freilich wieder enorm stark besetzt. Mit US-Open-Finalist Daniil Medwedew (4.), Thiem (5.), Vorjahres-Finalist Kei Nishikori (8.) und Karen Chatschanow (9.) sind vier Top-Ten-Spieler gemeldet, letzter Gesetzter ist der aktuelle Weltranglisten-16. Diego Schwartzman. Starke Spieler wie „bad boy“ Nick Kyrgios sind nicht gesetzt, womit laut Thiem in Wien Erstrundenspiele zustande kommen können, die woanders Finalspiele wären. Juan Manuel del Potro bekommt eine Wild Card, weitere gehen voraussichtlich an Jo-Wilfried Tsonga und einen Österreicher.

Das Wiener Hallenturnier wird zum neunten Mal als Erste Bank Open und zum fünften Mal als ATP-500er-Event gespielt und ist laut Thiem womöglich so gut besetzt wie noch nie. Dennoch hat sich Österreichs nun 26-jähriger Publikumsliebling vorgenommen, weiter zu kommen als im Vorjahr. Da war er im Viertelfinale an Nishikori gescheitert. Langfristig gesehen wolle er sich nach seinem Kitz-Sieg mit einem Wien-Triumph auch seinen zweiten Lebenstraum erfüllen, betonte Thiem. Der Publikumsliebling startet wie immer am „Thiemstag“ (Dienstag), dieser Tag ist wie das Wochenende so gut wie ausverkauft. Es gibt aber noch ausreichend Tickets. Ein neuer Zuschauerrekord zeichnet sich ab, im Vorjahr kamen 60.000.

Die ewige Frage nach den Top-3 der Welt stellt sich für Straka, der auch Turnierdirektor ist, diesmal nur bedingt. „Roger Federer spielt in Basel, Rafael Nadal und Novak Djokovic teilen sich ihre Kräfte schon sehr sorgfältig ein, spielen nur, wenn es um Punkte für die Nummer eins geht. Wir haben mit Medwedew, Shooting-Star Matteo Berrettini und Grigor Dimitrow diesmal drei von vier Halbfinalisten der US Open am Start. Die Hälfte der Top-Ten-Spieler sind in Wien. Es ist ein wirklich unglaubliches Feld“, gab sich der Steirer stolz.

Letzterem musste Thiem schweren Herzens zustimmen. „Es ist vielleicht das bestbesetzte Turnier im ganzen Jahr. Was da los ist, ist echt beeindruckend und macht es nicht leichter für mich. Ich freue mich dennoch unglaublich auf das Heim-Turnier, es ist jedes Jahr sensationell“, sagte er und versprach: „Ich schaue, dass ich auf den Punkt meine Topform erreiche.“ Scherzend in Richtung Turnierdirektion fügte er an: „Für heuer ist das noch okay. Aber irgendwann erwarte ich dann, dass kein Top-100-Spieler kommt....“. Mit dem Kitzbühel-Sieg Anfang August habe er sich einen Kindheitsraum erfüllt, so Thiem, der auch Wien unbedingt einmal gewinnen will. „Der andere ist also noch zu holen. Ein bissl Zeit habe ich ja noch.“

Dass ihn Kitzbühel ausgepowert habe, stimme. „Vielleicht war es ein Mitgrund, dass ich nachher krank geworden bin. Ich will‘s aber nie missen, die ganze Woche war so, so schön, auch wenn es danach bitter war. Es ist aber auch kein Weltuntergang. Vielleicht war Kitz diesmal die größte Chance, ich habe sie ergriffen.“

Das wichtigste sei nun für ihn, gesund und fit zu sein. „Es war sehr bitter, was zuletzt passiert ist. Aber die Saison ist sehr lange und es ist fast unmöglich, konstant durchzuspielen.“ Das nächste Jahr soll deshalb besser geplant werden, „damit ich bei großen Turnieren zu hundert Prozent da bin“. Er werde deshalb nach der Saisonvorbereitung in Miami nicht mehr zurück in den Winter kommen, sondern direkt nach Australien fliegen. Dass 2020 nach Kitz eine Woche Pause ist, helfe sicher auch.

Die jüngste Verkühlung hat Thiem zu Hause auskuriert, sich bei seiner Familie „aufgepäppelt“. Der Davis Cup kommt für Thiem gerade richtig. „Ich freue mich immer, dass ich für Österreich spielen kann. In Finnland kann ich mich zudem perfekt mit sehr guten Matches auf die letzte Saisonphase vorbereiten und in den fehlenden Spielrhythmus kommen.“

Das US-Open-Finale zwischen Nadal und Medwedew hat Thiem nicht im TV gesehen. Er habe dem jungen Russen aber einen derartigen Durchmarsch immer schon zugetraut. „Er ist vor allem auf Hardcourt sehr unangenehm, weil er keine Fehler macht und so flach, schnell und lange spielt, dass du selbst fast nichts machen kannst.“ Sollte ihm der Russe in Wien gegenüberstehen, weiß Thiem: „In der Halle wird er extrem schwer zu schlagen sein.“

Medwedew war noch außerhalb der Top Ten und einer der ersten gewesen, die Straka für Wien 2019 engagiert hatte. Dazu kamen starke junge Spieler wie der Kanadier Felix Auger-Aliassime. „Im Vorjahr brauchte er eine Wild Card, jetzt ist er Top-20“, freut sich Straka über seinen „guten Riecher“. Laut Straka bietet Wien sowieso die aktuell besten Spieler auf. „Da geht einem das Herz auf. Für Dominic wird es dadurch natürlich noch schwerer“, sagte der Manager. „Aber wenn er so spielt wie in der ersten Jahreshälfte, gibt es keinen, den er nicht schlagen kann.“




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