Letztes Update am Mo, 09.09.2019 17:24

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hongkonger Demokratie-Aktivist Wong wieder frei



Der bekannte Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong ist indes wieder auf freiem Fuß und in einem Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland. Wong war am Sonntag in der Früh nach einem Besuch in Taiwan vor seiner geplanten Abreise am Hongkonger Flughafen festgenommen worden. Ihm wurde demnach vorgeworfen, seine Kautionsbedingungen verletzt zu haben. Das stellte sich inzwischen als falsch heraus.

Wong kritisierte seine vorübergehende Festnahme als „völlig inakzeptabel und unangemessen“. „Es war unnötig, dass sie mich für 24 Stunden festgehalten haben“, sagte Wong. „Sie hätten mich schon gestern Nachmittag entlassen können.“

Der junge Demokratie-Kämpfer wird am Montagabend in Berlin zu einem von der „Bild“-Zeitung organisierten Fest im Dachgarten-Restaurant des Deutschen Bundestags erwartet. Die Behörden hätten ihm seine Bewegungsfreiheit „aufgrund grundloser Spekulationen“ vorenthalten, beklagte Wong gegenüber der „Bild“-Zeitung kurz vor seinem Abflug nach Europa. Die „politische Verfolgung“ werde härter. Dies zeige sich jetzt sogar durch „unangemessene Verbote bei der Abreise“, sagte Wong demnach. Es werde schwerer für die Demokratie-Aktivisten, internationale Unterstützung zu bekommen. „Bild“ hatte die Festnahme als Versuch gewertet, den Aktivisten an seiner Reise nach Deutschland zu hindern.

Wong wie seiner Mitstreiterin Agnes Chow wurde vorgeworfen, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in Hongkong am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten. Seit dem 9. Juni kommt es in der chinesischen Sonderverwaltungszone Finanzmetropole immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Nach einem weiteren, von Gewalt begleiteten Protest-Wochenende warnte China die Demonstranten eindringlich vor weiteren Eskalationen. Die ehemalige britische Kronkolonie sei ein untrennbarer Teil der Volksrepublik, schrieben staatliche chinesische Medien am Montag. Jede Art von Abspaltungsversuchen würden „zerquetscht“. Die Demonstranten sollten aufhören, die Geduld der Zentralregierung auf die Probe zu stellen, hieß es in der „China Daily“. Die Kundgebung am Sonntag beweise, dass ausländische Kräfte hinter den Protesten steckten. Tausende Demonstranten hatten Präsident Donald Trump vor dem US-Konsulat in der chinesischen Sonderverwaltungszone dazu aufgerufen, Hongkong „zu befreien“.

Ungeachtet der Warnung demonstrierten Hunderte Schüler am Montag Solidarität mit der Protestbewegung. In mehreren Stadtteilen bildeten sie Menschenketten. Die Regierungsgegner fordern unter anderem die Freilassung aller festgenommenen Demonstranten.

Die EU-Staaten sollen nach Ansicht von zwei Hongkonger Aktivisten keine Polizeiausrüstung mehr in die Finanzmetropole schicken. Das machten Glacier Kwong und Mo Yik Wong am Montag in Berlin deutlich. Demnach setze die Hongkonger Polizei zum Beispiel Gummigeschoße und Wasserwerfer aus Deutschland bei Demonstrationen ein.




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