Letztes Update am Mo, 09.09.2019 19:15

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


IAEA bestätigt Installation von neuen Zentrifugen im Iran



Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat die Angaben des Iran über die Installation weiterer Zentrifugen zur Urananreicherung bestätigt. Die UNO-Organisation in Wien teilte mit, ihre Experten hätten am Samstag im Iran gesehen, dass neue Zentrifugen installiert worden seien oder derzeit installiert würden. Damit verstößt der Iran erneut gegen das internationale Atomabkommen von 2015.

Die iranische Atomenergiebehörde hatte am Samstag mitgeteilt, sie habe 20 Zentrifugen vom Typ IR-4 und 20 weitere vom Typ IR-6 in Betrieb genommen. Wie die IAEA nun mitteilte, hat der Iran in der Urananreicherungsanlage Natanz 22 IR-4, eine IR-5, 30 IR-6 und drei IR-6s installiert oder ist dabei, das zu tun. Gemäß dem Atomabkommen darf der Iran zur Urananreicherung nur Zentrifugen vom älteren Typ IR-1 betreiben.

Wie die IAEA weiter mitteilte, hat der Iran zudem seine Absicht erklärt, eine Kaskade mit 164 IR-4-Zentrifugen und eine weitere Kaskade mit 164-IR-2m-Zentrifugen zu Forschungszwecken wieder in Betrieb zu nehmen. Die Zentrifugen dienen der Anreicherung von Uran. Niedrig angereichertes Uran wird in Kernkraftwerken und Forschungsreaktoren benötigt. Wird es höher angereichert, kann es jedoch auch zum Bau von Atomwaffen verwendet werden.

„Die Zeit drängt.“ Unter dieser Devise berichtete der geschäftsführende IAEA-Direktor, Cornel Feruta, von seinem sonntägigen Besuch in Teheran und seinen dortigen Gesprächen über das iranische Atomprogramm. Er habe seinen Gesprächspartnern „die Wichtigkeit voller und zeitgerechter Kooperation“ vermittelt, erklärte Feruta vor Journalisten.

„Substanziell“ seien seine Gespräche - unter anderem mit Außenminister Mohammad Javad Zarif und dem Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali-Akbar Salehi sowie Sicherheitsberater Ali Shamkhani - gewesen, berichtete Feruta - ohne sich allerdings weitere Details entlocken zu lassen. Auch auf wiederholte Nachfragen wollte er nicht präzisieren, wieso die Zeit „dränge“ und ob seine Formulierungen bedeuteten, dass der Iran bisher nicht ausreichend und zeitgerecht kooperiert habe. Seine Botschaft sei in Teheran jedenfalls „angekommen“, war die konkreteste Auskunft, die der interimistische Nachfolger des im Juli verstorbenen Yukiya Amano zu geben bereit war.

Auch Prognosen, wie rasch und in welchem Ausmaß sich die von Iran gemeldeten - und von der IAEA bestätigten - Erweiterungen bei der Urananreicherung auf die Produktion auswirken werden, wollte Feruta nicht abgeben: „Das geht über unser Mandat hinaus.“ Immer wieder geäußerte Vorwürfe, die Behörde agiere Teheran gegenüber zu zaghaft, wollte er ebenfalls nicht gelten lassen: „Wir handeln nicht zu vorsichtig oder langsam, sondern sorgfältig.“

Die Inbetriebnahme zusätzlicher Zentrifugen ist bereits der dritte Verstoß des Iran gegen das Atomabkommen. Mit dem schrittweisen Rückzug aus der Vereinbarung reagiert Teheran auf den einseitigen Ausstieg der USA im Mai 2018. Zugleich erhöht der Iran damit den Druck auf die Europäer, mehr zur Aufrechterhaltung des Handels zu tun. Am Sonntag hatte Teheran den Europäern erneut vorgeworfen, ihre Verpflichtungen nicht einzuhalten.

Israel hat nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu indes weitere geheime Entwicklungsstätten für Atomwaffen im Iran entdeckt. Der Regierungschef präsentierte am Montag Satellitenaufnahmen, die eine Stätte nahe der Stadt Abadeh zeigen sollen. Der Iran habe die Produktionsstätte allerdings zwischen Ende Juni und Ende Juli zerstört, weil klar geworden sei, dass Israel darüber Bescheid wisse, sagte Netanjahu. Außerdem habe die IAEA Spuren von Uranium in einem „geheimen Atom-Lagerhaus“ entdeckt, auf das Israel im vergangenen Jahr hingewiesen habe. Dies stelle eine „klare Verletzung“ des Atomwaffensperrvertrags dar, sagte Netanjahu. Vor rund einem Jahr hatte Netanjahu bei einer Rede vor der UN-Vollversammlung den Iran beschuldigt, in Teheran ein „geheimes Atom-Lagerhaus“ im Rahmen seines Nuklearprogramms zu unterhalten.




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