Letztes Update am Di, 10.09.2019 09:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tedor Currentzis dirigierte mustergültige „Cosi“



Zu einem triumphalen Ende brachte Teodor Currentzis seinen Da-Ponte-Zyklus am Montagabend im Wiener Konzerthaus. Nach einem forcierten „Figaro“ und einem sängerisch nicht durchgehend überzeugenden „Don Giovanni“ ließ am Montag die „Cosi“ kaum Wünsche offen. Jene, die man hatte, betrafen nicht die Musik, sondern das „halbszenische“ Konzept.

An sich ist „Cosi fan tutte“ noch mehr als die beiden anderen Opern prädestiniert für diese Art von mit Auf- und Abgängen sowie kleinen szenischen Andeutungen angereicherte konzertante Präsentation - schließlich liegt alle dramatische Handlung in den inneren Kämpfen der beiden Schwestern Dorabella und Fiordiligi, deren Treue von ihren Verlobten auf die Probe gestellt wird. Deren Wiederkehr als verliebte „Albaner“, die mit ein wenig heißblütiger Schmeichelei die Herzen der Bräute im Sturm erobern, ist immer Mummenschanz-gefährdet. Dass Regisseurin Nina Vorobyova Guglielmo und Ferrando mit Perücken und Sonnenbrillen als Clowns im Hippie-Look auftreten ließ, war zwar lustig, aber bedauerlich. Denn musikalisch hatte die Aufführung im zentralen Punkt, der Wankelmütigkeit der Herzen, deutlich mehr Tiefe und Tragik als üblich.

Allein Fiordiligis große Arie im zweiten Akt wurde dank Nadezhda Pavlova zu einem viele Minuten dauernden Magic Moment, der das ganze Konzerthaus den Atem anhalten ließ. Der russischen Sopranistin, die bereits zwei Tage zuvor als Donna Anna begeistert hatte, gelangen die leisesten und die höchsten Töne in einer Innigkeit, die selten zu hören ist. Nicht nur hier zeigte sich Teodor Currentzis, dem oft die rücksichtlose Suche nach dem musikalischen Extrem vorgeworfen wird, als Meister der Zurückhaltung, ließ sein musicAeterna Orchestra in jeder Phrase mitatmen und gab Raum für ein Konzertereignis der Extraklasse, bei dem nur dort forciert wurde, wo es dem großen Ganzen dienlich war, und ansonsten nahezu Liedbegleitung betrieben wurde.

Weil diese „Cosi“ auch sonst ausgezeichnet besetzt war, waren die fast dreidreiviertel Stunden (inklusive Pause), die sich auch der neue Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic nicht entgehen ließ, fast durchgehend ein echtes Hörerlebnis. Die irische Mezzosopranistin Paula Murrihy (bereits der Cherubino des „Figaro“) stand Pavlova im Ausdruck kaum nach, die in Georgien geborene, armenisch-französische Sopranistin Anna Kasyan verströmte als freche, quirlige Despina italienisches Temperament (inklusive Po-Klaps für den Dirigenten), Konstantin Suchkov als Guglielmo und Mingjie Lei als Ferrando zogen abwechselnd sängerische und komödiantische Register. Lediglich bei Konstantin Wolff als ziemlich gehemmt wirkender, statischer Don Alfonso schien noch Luft nach oben.

Am Ende des dreitägigen Mozart-Gastspiels gab es viel Jubel für die Gäste aus Perm und für eine musikalisch mustergültige Aufführung, bei der Teodor Currentzis nicht als um Aufmerksamkeit ringender Selbstdarsteller, sondern als sensibler Interpret überzeugte. So machen‘s nicht alle. Leider.




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