Letztes Update am Mo, 16.09.2019 10:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich beteiligt sich mit 30 Mio. an Green Climate Fund



Österreich wird sich an der Wiederbefüllung des Green Climate Fund mit 30 Millionen Euro beteiligen. Dieser Betrag soll laut dem Umweltministerium bereits 2019 eingebracht werden. Mit dem Fund werden Klimamaßnahmen in Entwicklungsländern gefördert. Bundespräsident Alexander Van der Bellen bezeichnete die Zusage als „ersten wichtigen Schritt“, WWF und Global 2000 geht die Summe nicht weit genug.

Die Gründung des Green Climate Fund wurde von 194 Staaten bei der Klimakonferenz 2010 in Cancun in Mexiko beschlossen. Ab 2020 sollen jährlich 100 Milliarden US-Dollar aus öffentlichen und privaten Quellen dafür bereitstehen. Die USA haben sich allerdings inzwischen aus dem Fund wieder zurückgezogen.

„Nach dem Rückzug der USA aus dem Pariser Übereinkommen muss die Staatengemeinschaft noch enger zusammenrücken. Wir stehen zu unseren Zahlungen an den Green Climate Fund und werden 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen“, erklärte Umweltministerin Maria Patek.

Bei der ersten Auffüllung des Climate Fund von 2015 bis 2018 hat sich Österreich mit 26 Millionen Euro beteiligt. Die Übergangsregierung hat diese Summe bei der neuerlichen Befüllung 2019 nun um vier Millionen erhöht. „ Der nächsten Bundesregierung steht es frei, diesen Beitrag im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Prioritäten noch anzupassen“, hieß es aus dem Umweltministerium.

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Die Ministerin betonte, dass Österreich „zu seinen Verpflichtungen bei der internationalen Klimafinanzierung steht“. Dafür würde jährlich insgesamt eine Summe von „rund 180 Millionen Euro zur Verfügung“ gestellt werden.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen bezeichnete Österreichs Zusage von 30 Millionen Euro als „ersten wichtigen Schritt, dem weitere folgen müssen“. Die Bewältigung der Klimakrise sei „eine Jahrhundertaufgabe“. Die österreichische Bundesregierung zeige mit der Zusage „im Vorfeld des Klimagipfels von New York den Willen, internationale Verpflichtungen im Kampf gegen die Klimakrise ernst zu nehmen“, sagte Van der Bellen.

Das Staatsoberhaupt hoffte, dass „auch die künftige Bundesregierung Verantwortung übernimmt und Österreichs Beitrag zum größten internationalen Klimafonds weiter aufstocken wird“. Neben Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in Österreich sei die Unterstützung der Entwicklungsländer „ein zentraler Schlüssel bei den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung der Klimakrise“.

Für die Bewältigung der Klimakrise sei es „nicht zu spät. Wenn wir jetzt zusammenarbeiten, in Österreich, in Europa und im Rahmen der UNO, dann können wir das meistern“, sagte Van der Bellen.

Die Umweltschutzorganisationen WWF und Global 2000 sind jedoch mit der Zusage über 30 Millionen Euro nicht zufrieden. Weitere Maßnahmen - und mehr Geld - seien nötig. „Die Wiederbefüllung ist ein positives Signal, dem aber dringend weitere Beiträge folgen müssen“, plädierte WWF-Klimasprecher Karl Schellmann für „zumindest 100 Millionen Euro“. „Wenn Österreich die Klimakrise wirklich ernst nimmt, dann bedarf es hier eines viel stärkeren Signals, nämlich einer Zusage von mindestens 100 Millionen Euro“, meinte auch Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000. Für ein reiches Land sei die Summe „geradezu erbärmlich“. Unter Schwarz-Blau habe Österreich allerdings „keinen einzigen zusätzlichen Cent“ zugesagt, insofern sei der Schritt doch begrüßenswert.

Vergleichbare Länder „investieren bisher deutlich mehr als wir“, erläuterte Schellmann. Österreich habe im Zuge der ersten GCF-Befüllung für die Jahre 2015 bis 2018 insgesamt 26 Millionen Euro geleistet, was nur drei Euro pro Einwohner entspreche. „Länder wie Schweden“ hätten 581 Millionen Dollar investiert, was auf 59 Dollar bzw. 54 Euro pro Kopf umgelegt werden könne. Auch die Schweiz habe mit 100 Millionen Dollar (zwölf Dollar bzw. rund elf Euro pro Kopf) noch deutlich mehr beigesteuert.

Mehrere Länder wie Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Norwegen hätten zudem im Vorfeld des UN-Klimagipfels in New York angekündigt, ihre Beiträge zu verdoppeln, erinnerte Schellmann. Deutschland habe 1,5 Milliarden Euro zugesagt, „das sind ca. 18 Euro pro Kopf. Zum Vergleich: Auf Österreich umgelegt wären das rund 160 Millionen Euro“.

Der Green Climate Fund finanziert Projekte in ärmeren Ländern, um dort die Anpassung an die Erderhitzung zu unterstützen sowie CO2-Emissionen zu verringern. Dazu gehören Solarkraftwerke, Bewässerungssysteme, Energiesparprojekte, Aufforstungen und Schutzmaßnahmen gegen den steigenden Meeresspiegel. „Beispielsweise sorgen geförderte Photovoltaik-Anlagen in Mali dafür, dass über 30.000 Haushalte mit Strom und Warmwasser aus Solarenergie versorgt werden können anstatt wie bisher durch Dieselgeneratoren und Kerosinlampen“, berichtete der WWF. Laut jüngsten Angaben seien bisher 5,2 Milliarden Dollar (4,69 Mrd. Euro) für 111 Projekte in 99 Ländern bereitgestellt worden.




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