Letztes Update am Mo, 16.09.2019 11:57

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Angriff auf Ölindustrie: Trump droht Urhebern mit Vergeltung



Nach den Drohnenangriffen auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien hat US-Präsident Donald Trump den Urhebern mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Zugleich dementierte Trump am Sonntagabend auf Twitter seine eigene Aussage, dass er ohne Vorbedingungen zu einem Treffen mit der iranischen Führung bereit sei. Weiters genehmigte Trump die Freigabe von Öl aus den US-Reserven.

Am Samstag hatte US-Außenminister Mike Pompeo den Iran für die Angriffe in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht, obwohl sich davor die Houthi-Rebellen im benachbarten Jemen ausdrücklich dazu bekannt hatten. Teheran bestritt jegliche Beteiligung.

Trump machte keine Angaben dazu, wen die USA für den Urheber des Angriffs halten. Er schrieb auf Twitter: „Es besteht Grund zu der Annahme, dass wir den Täter kennen.“ Die USA stünden „Gewehr bei Fuß“ („locked and loaded“) , warteten aber auf eine Bestätigung und auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Angriff verantwortlich mache und unter welchen Bedingungen vorgegangen werden solle.

Wenige Minuten später schrieb Trump in einem Tweet, Medienberichte, wonach er „ohne Bedingungen“ zu einem Treffen mit der iranischen Führung bereit sei, seien „wie üblich“ falsch. Trump selber hat mehrfach gesagt, er sei ohne Vorbedingungen zu einem solchen Treffen bereit. Erst am vergangenen Dienstag hatte auch Pompeo noch einmal betont, Trump sei zu einem Treffen ohne Vorbedingungen bereit.

Pompeo hatte am Samstag auf Twitter geschrieben: „Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen.“ Der Iran hatte das zurückgewiesen.

Zudem untermauerte die USA am Sonntag ihren Vorwurf, dass der Iran hinter den Angriffen steckt. Es gebe Hinweise, dass die Flugkörper aus west-nordwestlicher Richtung und damit aus Richtung des Iran gekommen seien - und nicht aus südlicher Richtung aus dem Jemen, sagte ein US-Regierungsvertreter.

Der Iran erteilte Spekulationen über ein mögliches Treffen zwischen seinem Präsidenten Hassan Rouhani und US-Staatschef Trump eine Absage. Es gebe „keine Pläne“, dass sich die beiden am Rande der bevorstehenden Generaldebatte der UNO-Vollversammlung in New York treffen würden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. „Wir haben dieses Treffen weder geplant, noch denke ich, dass so etwas in New York passieren wird“, so der Sprecher weiter.

Der einflussreiche US-Senator und Trump-Vertraute Lindsey Graham hatte sich am Samstag dafür ausgesprochen, iranische Ölraffinerien anzugreifen. Ein solcher Schritt würde der Führung in Teheran „das Rückgrat brechen“, schrieb er auf Twitter.

Weiters genehmigte US-Präsident Trump die Freigabe von Öl aus den US-Reserven. Öl ist indes nach den Angriffen deutlich teurer geworden. „Aufgrund des Angriffs auf Saudi-Arabien, der sich möglicherweise auf die Ölpreise auswirkt“, habe er die Freigabe bei Bedarf aus der strategischen Reserve genehmigt, schrieb Trump am Sonntag auf Twitter. In welchem Umfang dies geschehen soll, müsse noch festgelegt werden.

Bei der Markteröffnung am Sonntag sprang der Preis für die Nordsee-Sorte Brent um mehr als 19 Prozent auf 71,95 Dollar je Barrel (1 Barrel = 159 Liter). Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl kletterte um mehr als 15 Prozent auf 63,34 Dollar.

Am Samstag waren zwei Öl-Anlagen des saudiarabischen Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais im Osten des Landes angegriffen worden. Saudi-Arabien hat laut den USA auch darauf hingewiesen, dass es Anzeichen gebe, dass auch Marschflugkörper bei den Attacken eingesetzt worden seien. An den Ölanlagen seien 19 Einschlagspunkte gezählt worden. Zu den Attacken bekannten sich die jemenitischen Houthi-Rebellen. Die Angriffe führten zu einem Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien um die Hälfte.

Nach saudischen Angaben fällt bis auf weiteres die Produktion von 5,7 Millionen Barrel Öl pro Tag aus - das entspricht fünf Prozent der weltweiten Produktion. Einem Insider zufolge dürfte es „eher Wochen als Tage“ dauern, bis die volle Kapazität wieder erreicht wird. Gleichwohl werde angesichts der hohen Lagerbestände Saudi Arabiens damit gerechnet, dass die Exporte wie üblich weiterliefen.




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