Letztes Update am Mo, 16.09.2019 16:42

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Saudi-Arabien: Ölanlagen mit iranischen Waffen angegriffen



Der Drohnenangriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien soll mit iranischen Waffen durchgeführt worden sein. Das gab die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition, die im Jemen die Houthi-Rebellen bekämpft, am Montag in Riad bekannt. Nun werde untersucht, von wo aus die Drohnen zu den Anlagen losgeschickt worden waren, sagte der Sprecher der Koalition, Oberst Turki al-Malki, vor Medienvertretern.

Zuvor hatten die Houthi-Rebellen die Verantwortung für die Drohnenangriffe übernommen, die Ölanlagen in Abqaiq und Khurais zerstört hatten. Die USA machten hingegen den Iran, der die schiitischen Rebellen im Jemen unterstützen soll, für die Angriffe verantwortlich. Die Zerstörung der Anlagen halbierte vorübergehend die Produktionskapazitäten Saudi-Arabiens.

Die jüngsten Drohnenangriffe haben neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran und damit Nervosität an den Weltmärkten ausgelöst. „Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Schuldigen kennen, und warten mit geladener Waffe auf die Bestätigung“, drohte US-Präsident Donald Trump in der Nacht auf Montag auf Twitter an die Adresse Teherans gerichtet.

Später setzte er auf Twitter noch einmal nach: „Wir sind mittlerweile als Energieproduzent die Nr. 1 der Welt. Wir brauchen kein Öl & Gas aus dem Nahen Osten (...), wir werden aber unseren Verbündeten helfen.“

Zuvor hatte US-Außenminister Mike Pompeo den Iran offen beschuldigt, hinter dem Angriff auf die größte Ölanlage der Welt zu stecken. Auch US-Energieminister Rick Perry machte den Iran für den Drohnenangriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien verantwortlich und warf der Islamischen Republik einen Angriff auf den globalen Energiesektor vor. „Das war ein vorsätzlicher Angriff auf die Weltwirtschaft und den globalen Energiemarkt“, sagte Perry am Montag bei einem Treffen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) in Wien.

Teheran wies die Vorwürfe als „inakzeptabel und völlig unbegründet“ zurück. Die EU-Kommission, Großbritannien, Deutschland und China mahnten, keine Schuldzuweisungen vor Prüfung der Fakten vorzunehmen.

„In Abwesenheit einer überzeugenden Untersuchung Schlüsse darüber zu ziehen, wer die Verantwortung tragen sollte, könnte an sich unverantwortlich sein“, sagte die Sprecherin der chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying.. Alle Betroffenen sollten davon absehen, etwas zu tun, was die regionalen Spannungen noch eskalieren lassen könnte.

„Ich verurteile diese Angriffe“, sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas. Die Lage sei außerordentlich besorgniserregend. Deutschland analysiere gemeinsam mit seinen Verbündeten „mit Besonnenheit“, wer für die Taten verantwortlich sei.

Auch der britische Außenminister Dominic Raab mahnte zu Geduld bei Schuldzuweisungen und Reaktionen. Die Attacke sei ein willkürlicher Verstoß gegen internationales Recht: „In der Frage der Verantwortung ist das Bild nicht eindeutig.“ Reaktionen müssten auf internationaler Ebene erfolgen, zuvor aber alle Fakten auf dem Tisch liegen. Eine Sprecherin der EU-Kommission äußerte sich ähnlich und nannte die Drohnenangriffe zugleich „beklagenswert“.

An den Handelsplätzen machte sich angesichts der neuen Spannungen am Golf zusehends Unruhe breit: Es kam zum stärksten Ölpreis-Anstieg seit dem Golfkrieg 1991. Die USA sind bereit, nach den Angriffen die globalen Märkte mit Öl aus ihrer strategischen Reserve zu stützen. Trump schrieb auf Twitter, er habe das autorisiert.

Zu den Drohnenangriffen hatten sich die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen aus dem Bürgerkriegsland Jemen bekannt. Sie drohen zudem mit weiteren Attacken auf die saudi-arabische Ölindustrie. Die Anlagen des staatlichen Öl-Konzerns Saudi Aramco seien nach wie vor ein Ziel, erklärte die Miliz am Montag. Sie könnten jederzeit angegriffen werden. Ausländer sollten das Gebiet verlassen.

Hoffnungen auf eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran, der unter US-Sanktionen wegen seines Atomprogramms leidet, zerschlugen sich nach der Eskalation der Lage am Golf: Irans Präsident Hassan Rouhani lehnt es ab, Trump am Rande der nächsten UNO-Vollversammlung in New York zu treffen. „Weder steht ein solches Ereignis bevor, noch wird es stattfinden“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Abbas Moussavi, und fügte hinzu: „Ein solches Treffen wird es nicht geben.“ Teheran hat ein direktes Gespräch wiederholt abgelehnt, das Weiße Haus hatte dies nicht ausgeschlossen.

Durch die Drohnenangriffe wurde nun die Ölproduktion beim Erzfeind Saudi-Arabien hart getroffen: Nach dessen Angaben fällt bis auf weiteres die Produktion von 5,7 Millionen Barrel Öl pro Tag aus - das entspricht fünf Prozent der weltweiten Produktion. Insidern zufolge könnte es Monate dauern, bis die Ölproduktion wieder normal läuft. Nennenswerte Ausfälle in der Versorgung werden aber nicht erwartet. Es gebe weltweit genug Öl in Lagerbeständen, um Lieferausfälle aus Saudi-Arabien auszugleichen, sagte auch Russlands Energieminister Alexander Nowak.




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