Letztes Update am Di, 17.09.2019 18:46

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Regierungskreise: Angriffe auf Ölanlagen vom Iran aus



Die USA sind sich sicher, dass die Angriffe auf saudi-arabische Ölanlagen vom Wochenende von iranischem Territorium ausgegangen sind. Das verlautete aus US-Regierungskreisen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Demnach seien bei dem Angriff auch Marschflugkörper zum Einsatz gekommen.

Die USA würden gerade ein Dossier über die Angriffe zusammenstellen und diese bei der UNO-Generalversammlung kommende Woche präsentieren, hieß es. Washington wolle dabei internationale Gemeinschaft, insbesondere die Europäer, von der Verantwortung der Iraner überzeugen, sagte der Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte.

Bereits zuvor hatte der „Wall Street Journal“ über US-Geheimdiensterkenntnisse berichtet, wonach mehr als 20 Drohnen und mindestens zwölf Raketen bei dem Angriff eingesetzt worden seien. Auch der „WSJ“ vermeldete die US-Einschätzung, wonach der Angriff vom Iran ausgegangen sei.

US-Außenminister Mike Pompeo will nach Angaben von Vizepräsident Mike Pence noch am Dienstag zu einer Reise in das Königreich aufbrechen. Pompeo wolle mit der saudischen Führung die Reaktion auf die Angriffe besprechen, sagte Pence bei einer Ansprache bei der konservativen Heritage Foundation in Washington.

Pence sagte, die USA wollten keinen Krieg. Sie seien aber bereit dazu, ihre Interessen und ihre Verbündeten in der Region zu verteidigen. Pence warf der Führung in Teheran vor, die Spannungen am Golf bewusst zu eskalieren. „Der Iran ist der führende staatliche Förderer von Terrorismus in der Welt und die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im Nahen Osten.“ Die USA würden ihre Strategie des maximalen Drucks auf Teheran aufrechterhalten.

Die USA hatten bereits kurz nach dem Angriff vom Wochenende, der der saudi-arabischen Ölindustrie schweren Schaden zugefügt hatte, Teheran dafür verantwortlich gemacht. Der Iran wies dies zurück. Offiziell übernahmen die mit dem Iran verbündeten schiitischen Houthi-Rebellen aus dem Jemen, die dort gegen eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition kämpfen, die Verantwortung für die Angriffe. Mehrere Länder, darunter Deutschland, Russland, China und Großbritannien plädierten für eine genaue Untersuchung der Vorfälle und warnten vor „voreiligen Schlüssen“.

Die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen im Jemen hatten die Verantwortung für die Angriffe übernommen. Die Regierung in Riad erklärte, dass iranische Waffen genutzt worden seien, machten aber Teheran nicht direkt verantwortlich.

Nun sollen internationale Experten in die Ermittlungen einbezogen werden. Auch Vertreter der Vereinten Nationen sollen sich daran beteiligen, erklärte das saudische Außenministerium in Riad. „Erste Untersuchungen zeigen, dass iranische Waffen bei den Anschlägen eingesetzt wurden.“ Nun werde geklärt, wer der Täter sei.

Die saudi-arabische Ölproduktion wird sich Insidern zufolge schneller von den Angriffen am Wochenende erholen als zunächst erwartet. Sie werde binnen zwei bis drei Wochen wieder vollständig hochgefahren sein, sagten zwei mit der Entwicklung vertraute Personen am Dienstag.

Einer der Insider, ein hochrangiger Regierungsvertreter, erklärte, das Königreich habe bereits fast 70 Prozent der Produktionsmenge von 5,7 Millionen Barrel Öl pro Tag wiederhergestellt, die durch die Attacken lahmgelegt worden war. Zuvor hatten Insider davon gesprochen, dass es Monate dauern könnte, bis die Förderung wiederhergestellt werde.




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