Letztes Update am Di, 17.09.2019 20:34

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zwei Anschläge in Afghanistan forderten fast 50 Tote



Bei zwei Anschlägen in Afghanistan sind am Dienstag fast 50 Menschen getötet worden. Bei einem Selbstmordattentat der radikalislamischen Taliban in Kabul starben mindestens 22 Menschen. In der zentralafghanischen Provinz Parwan waren eine Stunde zuvor bei einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Ashraf Ghani zumindest 26 Menschen ums Leben gekommen.

In Kabul wurden 38 weitere Menschen bei dem Anschlag nahe der US-Botschaft im Zentrum der afghanischen Hauptstadt verletzt, wie das Innenministerium mitteilte. Unter den Toten sind demnach Frauen und Kinder sowie sechs Sicherheitskräfte. Die Explosion ereignete sich unweit des Massud-Platzes. In der unmittelbaren Umgebung befinden sich das Hauptquartier der NATO-Mission „Resolute Support“, eine Einrichtung des Verteidigungsministeriums sowie der Oberste Gerichtshof.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Ziel sei eine Einrichtung des Verteidigungsministeriums gewesen. Bilder in sozialen Medien zeigten zerstörte Betonschutzwände und mehrere am Boden liegende leblose Körper. Die Bilder konnten nicht unabhängig überprüft werden. Erst Anfang September war in der gleichen Straße eine Autobombe detoniert, zwölf Menschen starben. Seit Beginn des Jahres wurden bei Anschlägen offiziellen Angaben zufolge mehr als 220 Menschen getötet und mehr als 1.050 verletzt.

In der Provinz Parwan erlitten 42 weitere Menschen Verletzungen, wie der Krankenhausdirektor Abdul Kasim Sangin mitteilte. Der Attentäter in Parwan hatte auf einem Motorrad gesessen und seinen Sprengsatz am ersten Kontrollposten vor dem Ort der Wahlkampfveranstaltung gezündet, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte. Der Präsident blieb demnach unverletzt. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich die radikalislamischen Taliban.

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In Afghanistan finden am 28. September Präsidentschaftswahlen statt. Sie waren mehrfach verschoben worden - nach Angaben der Wahlkommission wegen „vieler Probleme und Herausforderungen“.

Unterdessen sind die Taliban weiter zur Unterzeichnung eines kürzlich geplatzten Abkommens mit den USA über Wege zu Frieden in Afghanistan bereit. Das sagte der Vizechef des politischen Büros der Taliban, Sher Mohammad Abbas Stanikzai, dem paschtu-sprachigen Dienst der BBC. „Wir sind gewillt, das ausgearbeitete Abkommen mit den USA zu unterzeichnen“, sagte Stanikzai. Nach einer Unterzeichnung solle zudem ein Waffenstillstand mit den USA ausgerufen werden.

US-Präsident Donald Trump hatte Anfang September kurz vor einem erwarteten USA-Taliban-Abkommen überraschend erklärt, er habe weitere Gespräche mit den Taliban wegen eines tödlichen Anschlags in Kabul abgebrochen. Bei dem Autobombenanschlag war auch ein US-Soldat getötet worden.

Die USA und die Taliban hatten seit Juli 2018 über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts in Afghanistan gesprochen. Beide Seiten hatten sich bis zuletzt zuversichtlich gezeigt, ein Abkommen zu unterzeichnen. Wenige Tage nach dem Abbruch der Gespräche erklärte Trump die Verhandlungen für gescheitert: „Sie sind tot.“

Die Taliban pflegen zugleich ihre diplomatischen Beziehungen zu anderen Ländern. Der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Suhail Shahin, teilte auf Twitter mit, eine vierköpfige Delegation des politischen Büros habe am Montag Gespräche im Iran geführt. Die Delegation soll laut Taliban-Angaben unter anderem den iranischen Außenminister Mohammed Javad Zarif getroffen haben. Bei den Gesprächen sei es unter anderem um den Friedensprozess und den Schutz iranischer Projekte in Afghanistan gegangen. Erst vergangene Woche war eine Taliban-Delegation für Gespräche nach Moskau gereist.

Unterdessen verlängerte der UNO-Sicherheitsrat das Mandat für die UNO-Mission in Afghanistan. Kurz vor Fristende stimmten die 15 Staaten des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen am Dienstag einstimmig für einen deutsch-indonesischen Kompromissvorschlag für das nächste Jahr.

Die „Neue Seidenstraße“ steht im Mittelpunkt einer Weltordnung in Chinas Sinne. Die Initiative ist umstritten. Es geht um Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienenwege, Häfen und andere Infrastrukturprojekte. Damit will China neue Handelswege nach Europa, Afrika und Lateinamerika und in Asien bauen.




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