Letztes Update am Di, 17.09.2019 22:18

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Saudi-Arabien kennt Urheber der Angriffe auf Ölanlagen nicht



Saudi-Arabien hat nach den Angaben seines Energieministers keine Erkenntnisse darüber, wer hinter den Luftangriffen auf seine Ölanlagen steht. Sein Land kenne die Drahtzieher nicht, sagte Prinz Abdulaziz bin Salman am Dienstagabend vor Journalisten in Dschidda.

Die Luftangriffe auf zwei Ölanlagen am vergangenen Samstag hatten zu einem Einbruch der saudi-arabischen Ölproduktion geführt. Nach Angaben des Energieministers wird die Produktion zum Monatsende aber vollständig wiederhergestellt sein. Die Versorgung im eigenen Land sei bereits auf dem vorherigen Niveau, sagte Prinz Abdulaziz.

Zuvor hatten US-Regierungsvertreter gegenüber den Nachrichtenagenturen Reuters und AFP in Washington gesagt, Washington halte es für endgültig gesichert, dass die Attacken von iranischem Boden aus geführt worden seien. Dabei seien nicht nur Drohnen, sondern auch Marschflugkörper eingesetzt worden.

Laut „Wall Street Journal“ übermittelten die USA bereits Geheimdiensterkenntnisse an Saudi-Arabien, wonach von iranischem Boden „mehr als 20 Drohnen und mindestens zwölf Raketen“ auf die Anlagen des saudi-arabischen Staatskonzerns Saudi Aramco abgefeuert wurden.

Saudi-arabische Regierungsvertreter betrachten jedoch der Zeitung zufolge die US-Informationen mit Skepsis. Als Beleg dafür, dass die Angriffe vom Iran ausgingen, reichten sie nach ihrer Ansicht nicht, schrieb das „Wall Street Journal“. Riad macht Teheran bisher nicht direkt für die Angriffe verantwortlich. Die saudi-arabische Regierung erklärte nur, dass dafür iranische Waffen verwendet worden seien.

Zu den Attacken hatten sich die schiitischen Houthi-Rebellen aus dem Jemen bekannt. Sie werden vom Iran im jemenitischen Bürgerkrieg in ihrem Kampf gegen eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition unterstützt. Teheran bestreitet jegliche Verantwortung für die Angriffe vom Samstag.

Der iranische Außenminister Mohammed Jawad Zarif erklärte unterdessen am Dienstag auf Twitter, die USA verleugneten die Realität, wenn sie glaubten, „die jemenitischen Opfer schlimmster Kriegsverbrechen während der vergangenen viereinhalb Jahre würden nicht alles tun, um zurückzuschlagen“. „Die USA sind nicht empört, wenn ihre Alliierten vier Jahre lang mit ihren Waffen und ihrer militärischen Hilfe gnadenlos Babys bombardieren, aber sie regen sich furchtbar auf, wenn die Opfer auf die einzig ihnen mögliche Weise reagieren - gegen die Ölraffinerien des Aggressors“, twitterte Zarif am Dienstag.

Außerdem sei es den Amerikanern laut Zarif wohl peinlich, dass die Waffenlieferungen in dreistelliger Milliardenhöhe an ihre Verbündeten Saudi-Arabien nicht die jemenitischen Angriffe stoppen konnten. „Aber nun den Iran zu beschuldigen, wird auch nichts ändern. (...) Die einzige Lösung ist, diesen Krieg zu beenden“, schrieb Zarif in einem zweiten Tweet.




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