Letztes Update am Mi, 18.09.2019 11:02

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Einwanderung in OECD-Länder 2018 leicht gestiegen



Nach einem leichten Rückgang 2017 ist die Zahl der Menschen, die sich im vergangenen Jahr in OECD-Ländern niederließen, leicht gestiegen. 5,3 Millionen Menschen wanderten 2018 in Mitgliedsländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein, wie der am Mittwoch veröffentlichte „Migration Outlook“ der OECD zeigt. Die Zahl der Asylanträge ist indes gesunken.

1,09 Millionen Menschen suchten im vergangenen Jahr in OECD-Ländern um Asyl an, das ist ein Rückgang von 34 Prozent im Vergleich zu 2015 und 2016. Bei den Herkunftsländern liegt Afghanistan an der Spitze, gefolgt von Syrien, dem Irak und Venezuela. Auch die Zahl der registrierten, also bereits anerkannten Flüchtlinge ging in Folge der gesunkenen Zahl der Asylanträge zurück. Insgesamt ist die Zahl jener, die eine Aufenthaltserlaubnis in der OECD erhielten, 2017 um 28 Prozent gesunken.

Andere Formen der Migration sind hingegen im Steigen begriffen, etwa Arbeitsmigration (plus sechs Prozent). Temporäre Arbeitsmigration, also zeitlich begrenzte Auswanderung zu Arbeitszwecken, stieg laut dem „Migration Outlook“ signifikant und betrug 2017 4,9 Millionen (2016: 4,4 Mio.). Polen ist hier Hauptdestination - vor allem von Ukrainern - gefolgt von den USA.

Auch Österreich sticht laut dem OECD-Experten Thomas Liebig in Sachen Arbeitsmigration heraus, ist doch der Anteil der temporären Arbeitsmigranten hierzulande mit vier Prozent (etwa 170.000 Personen) relativ hoch. Das ist in absoluten Zahlen EU-weit der vierthöchste Wert, wie Liebig im Gespräch mit der APA erklärte.

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Die Chancen, als Migrant eine Arbeit zu finden, haben sich in den vergangenen fünf Jahren in der gesamten OECD verbessert. Im Schnitt haben mehr als 68 Prozent der Zugewanderten eine Arbeit, die Arbeitslosigkeit liegt bei nur neun Prozent.

Der bei weitem größte Teil der Zuwanderer ist mit einem Anteil von 40 Prozent aber jener, der durch Familienzusammenführung in OECD-Länder kommt. Dem Thema wird deshalb auch ein eigenes Kapitel im aktuellen Bericht gewidmet. Integration funktioniere jedenfalls besser, „wenn auch die Familie da ist“, betonte Liebig.

In Österreich haben sich 2017 99.000 neue Einwanderer langfristig oder permanent niedergelassen, das sind 6,7 Prozent weniger als 2016. Dabei beträgt der Anteil jener, die aus humanitären Gründen bleiben dürfen, nur 26 Prozent. Das zeigt sich wiederum im Ranking der Herkunftsländer: Am meisten Migranten kamen 2017 aus Rumänien, Deutschland, Ungarn und - mit etwas Abstand - Serbien nach Österreich. Syrien ist als einziges Nicht-EU-Land in den Top 10. Die Zahl der Asylanträge (Erstantragsteller) ging laut OECD 2018 um fast die Hälfte (48,3 Prozent) zurück und betrug 11.600. Nicht einmal die Hälfte der Asylentscheidungen (43,5 Prozent) waren positiv.

Die Auswirkungen der „Flüchtlingskrise“ 2015/2016, vor allem auf den heimischen Arbeitsmarkt, seien Liebig zufolge „weitgehend verdaut“, wie er im Gespräch mit der APA erklärte. „Das heißt aber natürlich nicht, dass es keine anderen Herausforderungen, etwa im Bereich der Integration gibt“, so Liebig.

Weltweit blieben die USA auch im zweiten Amtsjahr des rechtspopulistischen Präsidenten Donald Trump das OECD-Land mit den meisten Asylanträgen (254.000), erneut gefolgt von Deutschland (162.000). Während die Zahl der Asylanträge hier, ebenso wie in Österreich, Italien, Ungarn und der Türkei signifikant sanken, verzeichneten Frankreich, Spanien, Mexiko, Slowenien und Südkorea einen großen Anstieg.




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