Letztes Update am Do, 19.09.2019 08:48

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Viele Tote nach Anschlag vor Krankenhaus in Afghanistan



Bei einem Anschlag im Süden Afghanistans sind mehr als ein Dutzend Menschen getötet worden. Die Behörden sprachen von 20 Todesopfern, 95 Menschen wurden verletzt. Die Autobombe sei in der Nähe eines Krankenhauses in Qalat, der Hauptstadt der Provinz Zabul, hochgegangen, hieß es.

Demnach detonierte am frühen Donnerstagmorgen in der Provinzhauptstadt Qalat ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen in einer Straße zwischen dem staatlichen Krankenhaus und einem Gebäude des afghanischen Geheimdienstes NDS. Die radikalislamischen Taliban reklamierten den Angriff für sich. Ziel sei ein in der Nähe gelegenes Gebäude des Geheimdienstes gewesen.

Die Provinzrätin Fauzia Kakar sagte, viele der Opfer seien aber Zivilisten, darunter Kinder, die im Krankenhaus zur Behandlung waren. Dem Provinzrat Atta Jan Hakbajan zufolge wurde das Krankenhaus schwer beschädigt, am Gebäude des Geheimdienstes sei nur eine Wand eingestürzt. Hakbajan sprach sogar von mindestens 20 Toten, darunter zwei Polizisten, die das Krankenhaus bewachten.

In sozialen Medien geteilte Bilder von dem Anschlag in Qalat zeigten massive Schäden an der Straße sowie im Inneren des Krankenhauses. Lokale Medien berichteten, die meisten Verletzten würden in privaten Krankenhäuser behandelt, einige hätten aber auch ins benachbarte Kandahar gebracht werden müssen. Kandahar-Stadt ist mehr als eineinhalb Autostunden entfernt.

Nachdem Friedensgespräche zwischen den Taliban und den USA Anfang des Monats scheiterten, gibt es vermehrt Anschläge der Extremisten. Erst am Mittwoch waren bei einem Selbstmordattentat und bewaffneten Angriff auf eine Regierungsbehörde in der östlichen Stadt Jalalabad nach Angaben des Provinzgouverneurs mindestens sieben Menschen getötet worden - zwei Zivilisten, zwei Polizisten sowie drei Angreifer. Der Angriff, zu dem sich bisher niemand bekannte, konnte erst nach fünf Stunden von der Polizei beendet werden.

Am Dienstag waren bei zwei Selbstmordattentaten der Taliban in der Provinzhauptstadt Charikar und in der Hauptstadt Kabul mindestens 48 Menschen ums Leben gekommen. Gleichzeitig berichteten Militärs von einer Zunahme an Offensivoperationen gegen Taliban-Kämpfer in mehreren Provinzen des Landes in den vergangenen Tagen.

US-Präsident Donald Trump sagte vor kurzem ein geplantes Geheimtreffen mit den Taliban ab, nachdem Anfang September bei einem Anschlag in Kabul zwölf Menschen getötet worden waren, unter ihnen auch ein US-Soldat. Die Gespräche mit den Taliban, die den Weg für einen US-Truppenabzug und für Frieden in Afghanistan bereiten sollten, erklärte Trump für „tot“.

Experten hatten nach dem Abbruch der Gespräche zwischen den USA und den Taliban über Wege zu Frieden in Afghanistan vor einer Zunahme der Gewalt im Land gewarnt.




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