Letztes Update am Do, 19.09.2019 11:47

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rugby-WM in Japan mit so vielen Favoriten wie noch nie



Die 9. Rugby-Weltmeisterschaft von Freitag bis 2. November in Japan verspricht Hochspannung. Erstmals findet dieses Großereignis gewissermaßen als Olympia-Testlauf in Asien statt. Angeführt von Titelverteidiger Neuseeland kämpfen 20 Teams in zwölf Städten in 48 Spielen um die WM-Krone, die aufgrund des großen Favoritenfelds so umgekämpft wie noch nie sein dürfte.

Die „All Blacks“ aus Neuseeland peilen zwar ihren dritten WM-Triumph en suite an, hatten zuletzt aber Probleme. Das lag auch daran, dass gleich mehrere Leistungsträger, darunter Kapitän Richie McCaw und Dan Carter, ihre Karrieren beendeten. Australien, Südafrika sowie England, Wales und Irland, die beide zuletzt nacheinander erstmals an die Spitze der Weltrangliste gestanden sind, gelten als die aussichtsreichsten Konkurrenten.

Für den Veranstalter ist das drittgrößte Sportereignis nach Olympischen Spielen, die im nächsten Sommer in Tokio stattfinden, und Fußball-Weltmeisterschaften unabhängig vom sportlichen Abschneiden des japanischen Teams auf jeden Fall ein Erfolg. Auf umgerechnet knapp 3,7 Milliarden Euro wird der wirtschaftliche Effekt der Rugby-WM für das Gastgeberland geschätzt, weil rund eine halbe Million Sport-Touristen das „Land der aufgehenden Sonne“ besuchen soll. Die 1,8 Millionen Tickets für die 48 Spiele sind bis auf einen kleinen noch verfügbaren Restposten bereits verkauft.

Vor allem für die Briten und Iren, Franzosen, Australier, Neuseeländer und Südafrikaner ist die Rugby-WM ein sportliches Mega-Event. Und auch wenn sich die Sportart sonst international schwertut, eine breitere Basis aufzubauen, so ist zumindest in Japan ein kleiner Boom entstanden. Die „Brave Blossoms“, die tapferen Blüten, wie die japanischen Rugbyspieler in Anlehnung an die berühmten Kirschblüten genannt werden, hatten 2015 genau rechtzeitig für eine der größten WM-Sensationen gesorgt, als sie den zweifachen Weltmeister Südafrika in der Gruppenhase 34:32 geschlagen hatten.

Dieser Sieg in England brachte den Japanern vorübergehend Heldenstatus ein, aber nicht den Aufstieg in die K.o.-Runde. Dieser soll nun als Gastgeber erstmals erreicht werden. Dafür ist ein Erfolg im Eröffnungsspiel gegen Russland am Freitag (ab 12.45 Uhr MESZ) in Tokio Pflicht. Das Duell zwischen Neuseeland und Südafrika am Samstag (11.45 Uhr MESZ) in Yokohama, wo im 72.000 Zuschauer fassenden International Stadium am 2. November auch das Finale steigt, wird dann bereits einen ersten Hinweis auf die wahre Stärke des Titelverteidigers geben.

Die in vier Fünfer-Gruppen gespielte erste Turnierphase dauert bis zum 13. Oktober. Nach dem Viertelfinale (19./20. Oktober), das die jeweiligen besten zwei Teams jeder Gruppe erreichen, erhalten die erfolgreichen Mannschaften in der kraftraubenden Sportart bis zum Halbfinale (26./27. Oktober) und den beiden Partien um die Medaillen (1./2. November) längere Pausen. Gespielt wird die WM dann immer lediglich an den jeweiligen Wochenenden. In Österreich sind die Matches auf ProSieben MAXX live zu sehen.

Zu den zwölf Austragungsorten gehört übrigens auch Kamaishi. Die im Nordosten am Pazifik gelegene Stadt war 2011 von der Tsunami-Katastrophe verwüstet worden. Rund 1.000 Menschen starben alleine dort in den Fluten. Das Stadion - das einzige, das extra für die WM erbaut wurde - liegt dort, wo Erdbeben und Tsunami zwei Schulen zerstört hatten.




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