Letztes Update am Fr, 20.09.2019 06:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


8. Taschenopernfestival: Salzburg liegt fünf Tage am Meer



Mit seinem alle zwei Jahre stattfindenden Taschenopernfestival hat sich die Stadt Salzburg zum Minimundus der Opernwelt gemausert. Am 24. September startet dieses kleine, in dieser Art einzigartige Format in seine achte Auflage, die unter dem Motto „Salzburg liegt am Meer“ mit einigen Neuerungen und sehr kontroversen Opern-Miniaturen rund um William Shakespeare in der Szene Salzburg aufwartet.

„Im ‚Wintermärchen‘ hat Shakespeare Böhmen in seiner Fantasie ans Meer verlegt. Auch Ingeborg Bachmann zitiert das in einem wunderschönen Gedicht. Und so entstand das Motto ‚Salzburg liegt am Meer‘“, erklärte Cay Bubendorfer vom Veranstalter Klang21 im APA-Gespräch. Es stehe als Synonym dafür, etwas zu verwirklichen, was niemand für möglich gehalten hätte.

Nun, fünf Kurzopern unter einem gemeinsamen Thema an einem Abend hält spätestens seit dem ersten Festival jeder für möglich, neugierig machen sie aber heuer allemal: Die bevorstehende Ausgabe sorgt schon vor der Uraufführung für Interesse aus dem Ausland; konkret gibt es laut Bubendorfer bereits Interesse aus Spanien und Deutschland an einer Übernahme der gesamten Produktion. Einzelne Taschenopern werden auf jeden Fall zumindest in Essen, Sevilla und im SWR nochmals auf die Bühne gebracht.

Der „Sommernachtstraum“ wird die Klammer des Abends bilden: Zwei der fünf beauftragten Künstler haben sich für dieses Werk entschieden, aber verschiedene Szenen gewählt, die an den Anfang und ans Ende der Produktion gestellt wurden. Gerald Resch hat die 13-minütige Oper „TitaniaTraum“ für Sopran, Countertenor, Bariton und Ensemble komponiert. Das Libretto stammt von Thierry Bruehl. Skizziert werden in sieben ineinander übergehenden Kurzszenen Stationen des (Ehe-)Dramas zwischen Oberon und Titania. Auch Stephan Winklers „Tongs & Bones“ (ca. 15 Minuten) geht vom „Sommernachtstraum“ aus, und zwar von „Zettel und Titania“. Sein „Libretto“ besteht allerdings aus wortlosen Bildgeschichten des Comic-Künstlers Jim Woodring, die drei Vokalsolisten singen in einer rein musikalisch determinierten Fantasiesprache.

Mit 28 Minuten dauert das Musiktheater von Sara Glojnaric am längsten und heißt „Pray chuck, come hither“. Für das Libretto nach „Othello“ zeichnet die Komponistin gemeinsam mit Bruehl verantwortlich. Sarah Nemtsovs Miniatur „verflucht“ ist ein Monolog für (Mezzo-)Sopran und Ensemble mit einem Libretto von Gerhild Steinbuch, das sich auf Lady Anne in „Richard III“ bezieht. In Shakespeares Werken könne man von einer Inflation des Fluchens sprechen, und sie stellt daher die Frage, ob die Flüche so nicht ihren Zauber und ihre Wirkung einbüßen.

„Ich will lächeln, lächeln, lächeln“ (24 min.) heißt schließlich die fünfte Taschenoper. Sie stammt aus der Feder von Gordon Kampe und entwickelt sich aus einer riesigen Ensemble-Lach-Ouvertüre. Das Changieren zwischen dauernder Doppelbödigkeit, Groteske und Depression ist die Leitidee der Taschenoper nach „Was ihr wollt“. Librettist ist erneut Bruehl, der auch die Regie für das gesamte Programm führt und die fünf szenischen Solitäre zu einem runden Opernabend zusammenfügt.

Eine Besonderheit für diese Produktion ist laut Bubendorfer der extrem weite dramaturgische und kompositorische Bogen, der zwischen den einzelnen Miniaturen gespannt wird. Neu gewonnen werden konnte Peter Rundel als musikalischer Leiter, es musiziert das oenm (österreichisches Ensemble für neue Musik). Erstmals findet im Rahmen des Taschenopernfestival Salzburg auch eine Dirigenten-Akademie mit Peter Rundel statt. Ausgewählte internationale junge Dirigenten werden dabei in neue Musik und neues Musiktheater eingeführt und aktiv in den gesamten Entstehungs- und Produktionsprozess der fünf szenischen Uraufführungen eingebunden.




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