Letztes Update am Fr, 20.09.2019 16:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Boot“-Autor Buchheim schönte angeblich Aktivität in NS-Zeit



Der 2007 gestorbene Kunstsammler und Buchautor („Das Boot“) Lothar-Günther Buchheim war nach Erkenntnissen des Journalisten Gerrit Reichert weitaus stärker in die NS-Propaganda eingebunden als bisher bekannt. Buchheim habe seine Rolle im Propaganda-Apparat der Nationalsozialisten nach dem Zweiten Weltkrieg geschönt.

Zu diesem Schluss kommt Reichert in seinem gerade erschienenen Buch „U 96 - Realität und Mythos: Der Alte und Lothar-Günther Buchheim“. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet. Vor allem befasst sich Reichert mit der Funktion Buchheims in der 1942 von Hitler angeblich persönlich initiierten „Staffel der Bildenden Künstler“ (SBK). So beschreibt er, dass Buchheim den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Karl Dönitz, zwei Mal porträtiert habe. Seine Gemälde hätten Hitler und dessen Propagandachef Joseph Goebbels besonders gut gefallen. Reichert ist überzeugt davon, dass Buchheim sich erst nach dem Krieg vom Propagandaexperten der Nazis zum Pazifisten gewandelt habe.

Der Direktor des Buchheim-Museums im oberbayerischen Bernried am Starnberger See, Daniel J. Schreiber, erklärte auf Anfrage am Freitag, das Museum habe die Recherchen Reicherts unterstützt. Es gehe um die historisch-kritische Aufarbeitung von Buchheims Rolle in der NS-Diktatur. „Man muss in die Quellen schauen, um herauszufinden, wie es war“, erläuterte Schreiber. „Das sollte jeder tun.“

Buchheim war Kriegsberichterstatter. Seine Erlebnisse als Besatzungsmitglied von U-Booten schilderte er in dem später erfolgreich verfilmten Roman „Das Boot“. Seine umfangreiche Kunstsammlung ist in dem nach ihm benannten Museum zu sehen.




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