Letztes Update am Sa, 21.09.2019 16:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thunberg bei Jugendklimagipfel: „Uns kann niemand stoppen“



Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat nach den weltweiten Klimaprotesten vor den Vereinten Nationen den Kampf gegen die Klimakrise beschworen. „Gestern sind Millionen Menschen rund um den Globus marschiert und haben wirkliche Klimamaßnahmen verlangt, vor allem junge Leute“, sagte die 16-Jährige am Samstag beim UN-Jugendklimagipfel in New York.

„Wir haben gezeigt, dass wir geeint sind und dass uns junge Leute niemand stoppen kann“, sagte Thunberg. Offiziellen Angaben zufolge wurden bei dem Treffen, das dem Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs am Montag vorgeschaltet ist, etwa 700 Teilnehmer erwartet. Bei der Veranstaltung sollen die Jungdelegierten Vorschläge für den Kampf gegen den Klimawandel erarbeiten. Die entwickelten Maßnahmen sollen den Staats- und Regierungschefs unterbreitet werden. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres war bei dem Jugendgipfel dabei - vor allem als Zuhörer.

Erst am Freitag hatte Thunberg vor Zehntausenden Menschen in New York gesprochen. An den weltweiten Klimaprotesten hatten Hunderttausende Menschen in Dutzenden Ländern teilgenommen.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen nahm am „Youth Climate Summit“ teil. Das 75-jährige Staatsoberhaupt begleitete dabei die 17-jährige Salzburger Schülerin und „FridaysForFuture“-Aktivistin Anika Dafert. Am Montag ist Österreich beim Klimagipfel durch Van der Bellen und Umweltministerin Maria Patek vertreten.

Thunberg hatte am Freitag in New York die weltweiten Klima-Demonstrationen als „Welle der Veränderung“ gefeiert. „Wir sind nicht nur ein paar junge Leute, die die Schule schwänzen, oder ein paar Erwachsene, die nicht zur Arbeit gegangen sind - wir sind eine Welle der Veränderung. Zusammen sind wir nicht aufzuhalten“, sagte die 16-Jährige am Freitagnachmittag (Ortszeit) unter Jubel und Applaus der Zuhörer im Battery Park an der Südspitze Manhattans.

„Wenn Sie zu der kleinen Gruppe von Menschen gehören, die sich von uns bedroht fühlen, dann habe ich sehr schlechte Nachrichten für Sie, denn das hier ist nur der Anfang. Es wird Veränderungen geben, ob Sie es mögen oder nicht.“ Den Organisatoren zufolge waren rund 250.000 Menschen zu der Demonstration in New York gekommen, das Bürgermeisteramt der Stadt sprach von rund 60.000.

Rund um den Globus gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße. In Österreich beteiligten sich beim Auftakt der internationalen Klimaschutzwoche „Week for Future“ am Freitag rund 720 Gemeinden mit Aktionen.

Die Salzburger Schülerin Anika Dafert, die Bundespräsident Van der Bellen nach New York begleitet, gab sich auf dem Flug zum „Big Apple“ kämpferisch: „Politiker sollten eigentlich auch Aktivisten sein, sie müssen endlich aktiv werden.“

Obwohl sich die Vertreterin der „Fridays-for-Future-Bewegung“ natürlich freut, dass sie ausgewählt wurde, gemeinsam mit dem fast 60 Jahre älteren Staatsoberhaupt zum UNO-Großereignis zu reisen, fand sie am Weg nach New York auch strenge Worte für die Politiker-Kaste. Trotz ihrer Jugend hat sie nämlich schon eine traurige Erfahrung gemacht: „Es fehlt oft der politische Wille, etwas anzupacken.“

So gesehen könnten sich die Erwachsenen in der Politik ein Beispiel an den „Fridays-for-Future“-Jugendlichen nehmen, glaubt Anika und nannte sich selbst als Beispiel: „Ich habe in Salzburg immer wieder geschaut, ob es schon Klimastreiks gibt. Und es hat nichts gegeben. Da habe ich gesagt: ‚Dann mach‘s eben ich!‘“

Immerhin würden Politiker ja dafür bezahlt, dass sie Dinge umsetzen sollen. Problematisch sei aber auch, dass diese oft nur so weit denken würden, „wie der Zeitraum ist, wo sie gewählt werden könnten.“ Doch müssten Politiker auch „zeitlich über den Tellerrand schauen“. Nachsatz: „Weil es um unsere Zukunft geht.“

Vom Jugend-Klimagipfel am Samstag in New York, bei dem Van der Bellen am Nachmittag im Rahmen eines „Intergenerational Dialogue“ bei einer Podiumsdiskussion auch Fragen aus dem Publikum beantworten wird, wünscht sich Anika, dass „sich die jungen Leute“ aus aller Welt „vernetzen“. „Ich erhoffe mir, dass ich mit viele anderen Aktivisten ins Reden komme, dass ich Kontakte kriege und dass wir gegenseitig Ideen austauschen, was wir konkret machen können.“

Der Tatsache, dass die „Fridays-for-Future“-Bewegung mit ihren freitägigen Schulstreiks von manchen auch kritisch beäugt wird, ist sich Anika bewusst. „Manche sagen, wir sollten lieber in die Schule gehen oder etwas arbeiten.“ Doch halte sich die Kritik in Grenzen. Zudem sei sie oft auch darauf zurückzuführen, dass viele Leute gar nicht wüssten, „was wir genau machen.“ Sie seien dann oft erstaunt, „wie gut wir uns auskennen.“ Dabei würden sich die Jugendlichen auch aus eigenem Antrieb weiterbilden. Und zwar im Rahmen der Aktion „Das streikende Klassenzimmer“, wie Anika berichtete. „Da laden wir Wissenschafter zu den Streiks ein, damit sie Vorträge halten.“




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