Letztes Update am Mo, 23.09.2019 12:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Medaillenchance für Österreich bei Leichtathletik-WM in Doha



Erstmals seit 2003 hat Österreich wieder berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Mit Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger und den Siebenkämpferinnen Ivona Dadic und Verena Preiner stellt der ÖLV aus dem sechsköpfigen Team ein aussichtsreiches Trio bei den Hitze-Spielen in Doha (Katar). Es gibt ausschließlich Abend-Sessions, die bis spät in die Nacht gehen.

Die letzte von bisher nur zwei Medaillen bei Weltmeisterschaften für Österreich errang 2001 in Edmonton Stephanie Graf mit Silber über 800 m, vor zwei Jahren in London gab es gemäß dem Aufwärtstrend Rang sechs durch Dadic und neun durch Weißhaidinger als beste Ergebnisse.

„Erwarten ist das falsche Wort, aber wünschen würden wir uns eine Medaille sehr, das würde unserem Sport enorm helfen. Aber wir kommen aus der Welt des Sports und wissen, wie schwer es ist und eng zusammen es liegt“, sagte Verbandspräsidenten Sonja Spendelhofer vor der Abreise in das Emirat. Dank eines Teamsponsors lohnt sich Erfolg auch finanziell, 75.000 gibt es für Gold, 50.000 für Silber und 25.000 für Bronze. Als offizielles Preisgeld werden für einen Titelgewinn 60.000 US-Dollar (rund 54.400 Euro) ausgelobt.

Weißhaidinger, der EM-Dritte des Vorjahres und Gesamtzweite der heurigen Diamond League, ist Dritter der Jahresbestenliste, Preiner Sechste und Dadic Achte. Der Oberösterreicher hat seine Qualifikation im 1976 erbauten und 2017 renovierten 40.000 Zuschauer fassenden Khalifa International Stadium am Samstagnachmittag.

Bei bis zu 40 Grad Lufttemperatur wird der Stadion-Innenbereich für das größte Einzelsportevent, das jemals im Mittleren Osten stattfand, mit speziellen Systemen auf rund 26 Grad heruntergekühlt. „Wir reden von Klimaschutz, wir wissen, dass es eng wird. Und dann gehen wir in ein offenes Stadion, das um fast zwanzig Grad heruntergekühlt wird. Aus Klimasicht ist das ein Wahnsinn“, merkte die ÖLV-Chefin kritisch an.

„Es sind erschwerte Bedingungen, aber wir sind vorbereitet und darauf eingestellt. Gregor und das Medical Team haben sensationelle Arbeit geleistet. Das kann ein Vorteil sein, wenn andere da vielleicht nicht so professionell gearbeitet haben. Berlin war ein guter Probelauf“, erklärte Spendelhofer aber auch.

ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler hatte vor einem Jahr bei der EM in der deutschen Hauptstadt u.a. dafür gesorgt, dass den Athleten im Stadionbereich ein Eisbad geboten worden war. In Doha wird darauf geachtet werden, dass die Athleten immer gut temperiert gehalten und nie der enormen Hitze ausgesetzt werden. Bei den Marathonläufern freilich ist das nur begrenzt möglich.

Mit 21.25 Uhr Ortszeit am Montag (20.25 Uhr MESZ) ist auch das Finale für die Diskuswerfer schon spät anberaumt. Für Dadic und Preiner steht mit den 800 m der letzte Bewerb überhaupt erst am noch jungen 4. Oktober um 00.05 Uhr auf dem Programm, die Zehnkämpfer folgen mit ihrem Entscheidungsrennen um 0.15. Lemawork Ketema nimmt am 5. Oktober um 23.59 und damit eine Minute vor Mitternacht die 42,195 Kilometer in Angriff.

49 Entscheidungen kommen an den zehn Wettkampftagen zur Austragung, die gemischte 4 x 400 m Staffel ist neu im Programm der 17. WM. Sie ist die letzte unter dem Banner der IAAF, der Weltverband wird in Doha in World Athletics umbenannt.

Sechs Österreicher bei der WM - mit dabei sind auch Hürdensprinterin Beate Schrott und Speerwerferin Victoria Hudson - ist das größte rot-weiß-rote Team seit 2005 in Helsinki, als es ebenfalls sechs waren. Qualifiziert oder eingeladen wären vier weitere gewesen, die allerdings wegen ihrer Planung auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio und die Limit-Bringung verzichten. „Bei den scharfen Limits sind zehn Athleten schon echt gut“, sagte Högler.

Der späte Zeitpunkt der WM Ende Oktober/Anfang November war eine spezielle Herausforderung. „Eine Blume blüht normaleweise im Mai, im Oktober ist absolut untypisch. Das ist auch bei Athleten so. Dank an die Trainer und Athleten. Es zeigt von hoher Expertise, dass sie alle so spät in Form sind, und sie sind alle in Form. Wir dürfen uns Hoffnungen auf Medaillen machen“, sagte Högler. „Luki ist so gut mit dabei, der gehört zu den Favoriten. Bei Verena und ich kann alles passieren, man weiß es nicht. Vielleicht haben wir nach der WM zwei Medaillen mehr“, sagte Dadic.




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