Letztes Update am Mo, 23.09.2019 13:51

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Gedichte und Erzählband von Günter Kunert posthum



Die letzten Gedichte des im Alter von 90 Jahren gestorbenen Schriftstellers Günter Kunert sind am Montag unter dem Titel „Zu Gast im Labyrinth“ erschienen. Es handle sich um neue Gedichte, sagte ein Sprecherin des Carl Hanser Verlag in München. Außerdem wird der Wallstein Verlag (Göttingen) im nächsten Jahr bisher nicht publizierte Erzählungen Kunerts herausbringen.

Kunert war am Samstagabend im Alter von 90 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Er hat seit 1963 im Hanser Verlag publiziert, seit 2001 zudem auch im Wallstein Verlag. Der Hanser Verlag hatte das Erscheinen des Gedichtbandes schon länger auf den 23. September terminiert. Kunert blicke in seinen letzten Gedichten zurück bis in die Kindheit, zurück auf ein bewegtes Leben in einer bewegten Zeit, teilte Hanser mit. Gleichzeitig beobachte er seine Gegenwart mit gewohnt illusionslosem Scharfsinn. „Mal in unverhohlen-bitterem Ton, mal in melancholischen Stimmungsbildern zieht Günter Kunert als eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Nachkriegsliteratur seine Spuren unnachahmlich weiter.“

Wallstein will den Erzählband im Februar oder März herausbringen. Der noch vor dem Tod Kunerts gewählte vorläufige Arbeitstitel laute „Vom Friedhof nichts Neues“, sagte eine Verlagssprecherin am Montag in Göttingen. Kunert habe die Fahnen noch selber durchsehen können. Es handle sich um etwa 20 Erzählungen. Sie stammen aus einem langen Zeitraum, die ältesten entstanden noch zu DDR-Zeiten und wurden bisher nicht veröffentlicht. Kunert habe diese Erzählungen im Archiv zuhause in Kaisborstel (Schleswig-Holstein) gefunden - als er damals zufällig das vergessene, 45 Jahre alte Manuskript des erst 2019 erschienenen DDR-Romans „Die zweite Frau“ wiederfand. Kunert hatte den Roman in der DDR nicht veröffentlicht aus Sorge, ins Gefängnis zu kommen.

Schwerpunkt von Kunerts Werk ist Lyrik. Aber auch Prosa schrieb er - darunter zwei Romane, eine Autobiografie, Reisebeschreibungen und Essays. Außerdem schuf er Filmdrehbücher und Hörspiele. Bereits zu Lebzeiten hatte Kunert sich eine Grabstätte auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee gesichert. Dort ist bereits seine erste Frau Marianne beigesetzt. Wann und in welchem Rahmen Kunert beigesetzt wird, war am Montag noch offen.

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