Letztes Update am Mo, 23.09.2019 19:35

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozessauftakt um tödlichen Appetitzügler in Paris



Vor dem Pariser Strafgericht hat am Montag ein Prozess um einen Appetitzügler begonnen, an dessen Einnahme vermutlich mindestens 500 Menschen starben. Den Verantwortlichen des Pharmaunternehmens Servier wird vorgeworfen, die Risiken des Medikaments Mediator verschwiegen zu haben. Die französische Arzneimittelbehörde muss sich wegen Fahrlässigkeit verantworten.

Mediator war mehr als drei Jahrzehnte lang in Frankreich zugelassen und wurde 2009 vom Markt genommen. Allerdings gab es schon Mitte der 1990er-Jahre Anzeichen für die Gefährlichkeit des Medikaments, das unter anderem Herzfehler verursachte. „Die Opfer wollen wissen, warum das Medikament so lange zugelassen war“, sagte der Anwalt Charles Joseph-Oudin, der bei dem Prozess einen Teil der insgesamt 2600 Zivilkläger vertritt.

Der Pharmakonzern Servier besteht darauf, vor 2009 nicht von den Gesundheitsrisiken gewusst zu haben. In den USA, Spanien und Italien war Mediator bereits Jahre zuvor vom Markt genommen worden. Zu den Angeklagten gehört unter anderem der frühere stellvertretende Servier-Chef Jean-Philippe Seta.

Ursprünglich war das Medikament für übergewichtige Menschen mit Diabetes entwickelt worden. Als Appetitzügler wurde es schließlich auch an gesunde Menschen verkauft. Insgesamt nahmen in Frankreich schätzungsweise rund fünf Millionen Menschen Mediator ein. In Österreich war das Medikament nie zugelassen.

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„Servier wusste, dass sie Gift verkaufen“, sagte eine Betroffene, die den Appetitzügler ein halbes Jahr lang einnahm und kurz darauf einen Herzschaden erlitt. „Die Unglücklichen sind, so wie ich, zu einem langsamen Tod verurteilt. Mein Leben ist ruiniert.“ Experten rechnen langfristig mit mehr als 2.100 Todesfällen im Zusammenhang mit Mediator.

Die bei dem Strafverfahren zugelassenen 2600 Zivilkläger erhoffen sich Schadenersatz. Weitere Betroffene haben sich bereits mit dem Pharmaunternehmen auf Entschädigungen geeinigt. Das Mammutverfahren ist auf mindestens sechs Monate angesetzt.




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