Letztes Update am Mo, 23.09.2019 19:37

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UNO: 66 Länder wollen bis 2050 klimaneutral werden



Kurz vor Beginn des UN-Klimagipfels in New York haben sich 66 Länder verpflichtet, bis zum Jahr 2050 CO2-Neutralität zu erreichen. Auch zehn Regionen, 102 Städte und 93 Unternehmen schlossen sich der Selbstverpflichtung an, wie das Büro von UN-Generalsekretär Antonio Guterres mitteilte.

In New York kommen am Montag rund 60 Staats- und Regierungschef zusammen, um über den Klimaschutz zu beraten, darunter auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Die Klimakrise ist ein Wettlauf, den wir im Moment zu verlieren drohen. Aber es ist auch ein Wettlauf, den wir gewinnen können“, erklärte Guterres. Der UN-Generalsekretär hatte zu dem Klimagipfel in New York eingeladen. An ihm nehmen auch Vertreter der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft teil, darunter die 16-jährige schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die mit ihren freitäglichen Schulstreiks die neue weltweite Jugendbewegung für den Klimaschutz ins Rollen gebracht hat.

Als Ziel des Gipfels hatte Guterres im Vorfeld ausgegeben, dass die Weltgemeinschaft sich zu einer deutlicheren Verringerung des klimaschädlichen Kohlendioxidausstoßes verpflichtet. Dazu trägt die Vereinbarung der 66 Staaten bei. Bei der CO2-Neutralität geht es darum, nicht mehr Kohlendioxid auszustoßen als gleichzeitig abgebaut oder gespeichert werden kann. Eine weltweite CO2-Neutralität bis zur Mitte dieses Jahrhunderts ist nach Einschätzung des Weltklimarats die Voraussetzung dafür, die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzen zu können. Dieses Ziel hatte sich die internationale Gemeinschaft im Pariser Klimaabkommen 2015 gesetzt.

Bei dem Gipfel in New York wollen die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs die Beiträge ihrer Länder zum Klimaschutz vorstellen. Allerdings wird weniger als die Hälfte der 136 Staats-und Regierungschefs, die in dieser Woche an der UN-Generaldebatte in New York teilnehmen, am Montag auf dem Klimagipfel anwesend sein.

So wird etwa die Regierung von US-Präsident Donald Trump lediglich durch eine Büroleiterin des Außenministeriums vertreten sein. Trump hat den menschengemachten Klimawandel immer wieder angezweifelt und 2017 den Austritt seines Landes aus dem Pariser Abkommen angekündigt, weil es der US-Wirtschaft schade.

Auch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, unter dessen Regierung die Vernichtung der Regenwälder im Amazonasgebiet Rekordausmaße erreicht hat, wird nicht teilnehmen. Ebenfalls abwesend ist der australische Premierminister Scott Morrison, dessen Regierung an der Kohleförderung festhält. China, der mit Abstand größte Kohlendioxidproduzent der Welt und zugleich aber auch führend im Bereich der erneuerbaren Energien, wird durch Außenminister Wang Yi vertreten sein.

Die slowakische Präsidentin Zuzana Caputova betonte ihre Unterstützung für Bundespräsident Alexander Van der Bellen betont. Bei ihrer Rede im UNO-Hauptquartier unterstrich die frühere Bürgerechtsanwältin, dass auch kleinere Länder aufgerufen seien, im Kampf gegen den Klimawandel Akzente zu setzen.

Caputova lobte explizit Van der Bellens „Initiative for more Climate Ambition“, der sie sich bereits vor dem Klimagipfel angeschlossen hatte. Mittlerweile wird diese bereits vom 34 Staatsoberhäuptern mitgetragen, freute sich auch Van der Bellen am Rande des Gipfels.

Klimaschützer und Hilfsorganisationen warnten, sich beim Gipfel auf bloße Absichtserklärungen zu beschränken. Das Treffen auf höchster politischer Ebene müsse mehr ergeben „als eine reine Bestätigung der Relevanz der Nachhaltigkeits- und Klimaziele und ein Benennen freiwilliger Maßnahmen“, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Mitteilung des Forums Umwelt & Entwicklung, der Klima-Allianz Deutschland und des Verbands Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe (Venro).

Die Entwicklungsorganisation Oxfam forderte mehr Unterstützung für arme Länder, um sich vor den Auswirkungen der Klimakrise zu schützen. Die 48 am wenigsten entwickelten Länder erhielten jährlich nur 2,4 bis 3,4 Milliarden Dollar (2,2 bis 3,1 Milliarden Euro) Unterstützung durch die Industrieländer für die Klimaanpassung. Das entspreche weniger als einem Cent pro Kopf und Tag.

Die Umweltaktivistin Greta Thunberg hat den Regierungen weltweit in einer emotionalen Botschaft auf dem Klimagipfel massive Vorwürfe gemacht. „Wir sind Zeugen einer massiven Zerstörung“, sagte die Initiatorin der Bewegung „Fridays For Future“. Die Zukunft der Jugendlichen werde gefährdet. Obwohl Wissenschafter seit mehr als 30 Jahren vor einer massiven Erderwärmung warnten, täten die Regierungen nicht genug, sondern sorgten sich vor allem um das Wachstum der Wirtschaft. „Ihr enttäuscht uns“, sagte die Schwedin, die die „FridaysForFuture“ mit ihrem Schulstreik gegründet hat.

Ihr sei ihre Jugend durch „leere Worte“ der Politiker gestohlen worden, sagte die sichtlich aufgewühlte 16-Jährige. Das Verhalten der Regierungen mache sie „wütend und traurig“. Sie wolle aber immer noch nicht glauben, dass die Regierungen „böse“ seien. „Aber die Jungen verstehen Euren Verrat. Die Welt wacht auf. Der Wandel kommt, ob ihr es wollt oder nicht“, sagte sie.

Indes ist US-Präsident Donald Trump überraschend beim UN-Klimagipfel erschienen. Er setzte sich ins Plenum, obwohl er ursprünglich nicht an dem Treffen teilnehmen wollte. Trump hat den menschengemachten Klimawandel immer wieder angezweifelt und 2017 den Austritt seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt.

Einen Tag vor dem UN-Klimagipfel hatte die UNO einen Bericht veröffentlicht, demzufolge die fünf Jahre von Anfang 2015 bis Ende 2019 die wohl heißesten der Geschichte sein werden. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) werden die durchschnittlichen globalen Temperaturen in der jetzigen Fünf-Jahres-Zeitspanne „auf 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900) und 0,2 Grad Celsius wärmer als 2011-2015 geschätzt“.




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