Letztes Update am Di, 24.09.2019 05:53

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimagipfel: Thunberg-Kritik an Politik - Guterres zufrieden



Beim UNO-Klimagipfel in New York hat die junge schwedische Aktivistin Greta Thunberg Politikern aus aller Welt eklatantes Versagen vorgeworfen. „Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, woran ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum. Wie könnt ihr es wagen!“, sagte die 16-Jährige am Montag in New York.

UNO-Generalsekretär António Guterres zeigte sich unterdessen zufrieden mit dem von ihm einberufenen Klimagipfel. „Heute in dieser Halle hat die Welt klare Handlungen und konkrete Initiativen gesehen“, sagte Guterres zum Abschluss des Gipfels in New York am Montagabend (Ortszeit). So hätten sich 77 Länder - viele davon Industriestaaten - zum Ziel der Klima-Neutralität im Jahr 2050 bekannt.

Auch hätten 70 Länder angekündigt, ihren nationalen Beitrag zum Kampf gegen die Klimakrise ab 2020 zu erhöhen. Mehr als 100 Unternehmenschefs hätten sich zudem dazu verpflichtet, ihre Firmen ökologischer auszurichten. Guterres lobte auch die Anstrengungen von Entwicklungsbanken und Investoren für die Finanzierung sauberer Energiequellen. Der UNO-Chef stellte aber auch klar, dass die Arbeit trotz des mit dem Gipfel gesetzten Impulses weitergehe. Für eine klimaneutrale Welt im Jahr 2050 seien noch viel mehr Anstrengungen nötig.

Experten und NGOs zogen eine kritischere Bilanz des Gipfels. So sagte der Direktor der International Climate Initiative vom World Resources Institute, David Waskow, dass die größten CO2-Produzenten teilweise hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. „Es gab nicht die Art von Klarheit und die eindeutigen Aussagen, die wir von diesen Ländern sehen wollen würden“, sagte Waskow mit Blick auf Deutschland oder China.

Thunberg, die sich für ihren Kampf ein Jahr vom Unterricht befreien lassen hat, wiederum sagte, sie müsste nicht in New York sein, wenn der Umweltschutz ernst genommen würde. „Ich wäre in der Schule, auf der anderen Seite des Ozeans.“ Dass sie dies nicht könne, sei Schuld der Politiker: „Ihr habt mit euren leeren Worten meine Träume und meine Kindheit gestohlen“, sagte die 16-Jährige wütend.

Thunberg hat die Bewegung „FridaysForFuture“ ins Leben gerufen. Diese bekam in New York Unterstützung von Guterres. Die jungen Klimaaktivisten hätten Recht, wenn sie „sofortiges Handeln“ verlangten. Die ältere Generation habe bisher beim Klimaschutz versagt. Guterres verlangte als Teil einer globalen Kehrtwende unter anderem, dass nicht weiter „Billionen von Steuergeldern“ für die Unterstützung des fossilen Energiesektors ausgegeben würden. Der Bau neuer Kohlekraftwerke müsse weltweit eingestellt werden.

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich beeindruckt von Thunbergs Rede. „Greta hat die Fähigkeit, direkt ins Herz zu gehen“, sagte er am späten Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz. Die jungen Klimaaktivisten seien die „politischen Kräfte von morgen“, freute sich der 75-Jährige.




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