Letztes Update am Di, 24.09.2019 06:41

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erste Hochrechnungen am Wahlsonntag kurz nach 17 Uhr



Wenn am Wahlsonntag um 17.00 Uhr die letzten Wahllokale geschlossen haben, dauert es nicht lange, bis die ersten Hochrechnungen erstellt sind. ARGE Wahlen (APA) und SORA (ORF) gehen davon aus, dass sie zwischen 17.00 Uhr und 17.15 Uhr erste Prognosen veröffentlichen - und zwar recht genaue. Denn da ist schon mehr als ein Drittel der Stimmen ausgezählt.

Sowohl Christoph Hofinger (SORA) als auch Franz Sommer (ARGE Wahlen) erwarten, den Wahlausgang (inklusive Briefwahl-Schätzung) kurz nach Wahlschluss um 17.00 Uhr mit einer Schwankungsbreite von ca. zwei Prozentpunkten vorhersagen zu können. Einzelne Fragen könnten aber unter Umständen zu diesem Zeitpunkt noch offen bleiben: Sollte es knapp hergehen, könnten etwa die Platzierungen der Parteien noch unsicher sein. Dies gilt vor allem für die Frage, ob SPÖ oder FPÖ Platz zwei oder drei erreichen. Ein wenig unsicher könnte dann unter Umständen auch noch die Frage sein, ob JETZT die Vier-Prozent-Hürde für den Nationalratseinzug schafft oder nicht.

Sollte es ganz eng hergehen, könnte sogar nach Auszählung der Urnenwahl am Sonntagabend noch nicht hundertprozentig feststehen, welche Partei welchen Platz innehat oder welche Partei es in den Nationalrat geschafft hat. Grund dafür ist jener Teil der Briefwahlstimmen, die erst am Montag bzw. Donnerstag nach der Wahl ausgezählt werden (die insgesamt voraussichtlich mehr als 15 Prozent der gültigen Stimmen ausmachen werden).

Zwar lassen die Hochrechner von ARGE und SORA auch eine Briefwahlstimmen-Schätzung in ihre Hochrechnung miteinfließen, diese ist aber schwer zu erstellen und bei knappen Abständen etwas unsicher. Auch ändern sich in letzter Zeit die Trends bei den Wahlkarten: Galt die ÖVP früher stets als Partei mit Wahlkarten-affinen Wählern, so hat die Volkspartei bei der EU-Wahl im Mai durch die Wahlkarten etwas verloren, so Hofinger. Die SPÖ hingegen legte mit den Wahlkarten zu, was auch ein neuer Aspekt war. Diese Unsicherheiten tragen auch dazu bei, dass sich die Schwankungsbreite erhöht.

Bei einem Abstand zweier Parteien von etwa nur einem Prozentpunkt am Sonntagabend (Urnenergebnis inkl. Briefwahlstimmen-Prognose) wäre es „too close to call“, erklärte Hofinger gegenüber der APA: Es wäre dann noch nicht abschätzbar, welche der beiden Parteien letztendlich vorne liegt. Ab einem Abstand von 1,5 Prozentpunkten in den Hochrechnungen dürfte sich die Reihenfolge hingegen kaum mehr ändern.

Bei der Frage des Einzugs könnten sich Parteien am Abend des 29. September dann ganz sicher sein, wenn die Hochrechnung inklusive Briefwahlstimmenschätzung ein Ergebnis von 4,7 Prozent oder höher prognostiziert. Theoretisch ist es laut Hofinger auch möglich, dass erst nach der zweiten Runde der Wahlkarten-Auszählung am Donnerstag endgültige Klarheit herrscht.

Im Gegensatz zu der in den Jahrzehnten vor der Wiederholung der Bundespräsidentschaftswahl 2016 geübten Praxis des Innenministeriums, am Wahltag Teilergebnisse schon vor 17.00 Uhr an Medien und Forschungsinstitute weiterzugeben, wird dies am Sonntag erneut nicht möglich sein. Der Verfassungsgerichtshof hatte diese Vorgangsweise ja mit seinem Entscheid zur Stichwahl-Aufhebung für unzulässig erklärt.

Die Arbeit der Hochrechner ist seitdem zwar nicht allzu stark beeinträchtigt, sie wurde aber stressiger. Denn mit der Weitergabe der Daten durch das Innenministerium erst beim Wahlschluss um 17.00 Uhr können die Experten ihre Modelle nicht (wie früher) über einen längeren Zeitraum auf Plausibilität überprüfen. Stattdessen werden alle bis dahin vorliegenden Ergebnisse (ca. 40 Prozent der Stimmen sind um diese Zeit ausgezählt) auf einen Schlag in die Computerprogramme eingespielt. Dann analysieren die Hochrechner die Daten und entscheiden, welche der vorbereiteten Varianten zum Einsatz kommt.

Dabei stehen sie (wie bei allen Wahlen) vor dem Problem, dass um 17.00 Uhr vorwiegend Ergebnisse aus dem ländlichen Raum vorliegen, nicht aus großen Städten wie Graz oder Wien. Wien beginnt einheitlich um 17.00 Uhr mit der Auszählung, die ersten Bezirke sind gegen 18.30 Uhr fertig.

Am Abend (üblicherweise ca. 19.30 Uhr) wird Innenminister Wolfgang Peschorn dann das Ergebnis der Urnenwahl verkünden. Darin nicht enthalten ist der Großteil der Wahlkarten. Mit der Urnenwahl mitausgezählt werden nämlich nur jene, die am Sonntag im eigenen Regionalwahlkreis abgegeben wurden. Am Montag folgt die Auszählung des größten Teils der Briefwahl und am Donnerstag dann all jene Briefwahlstimmen, die am Sonntag in Wahllokalen in fremden Wahlkreisen abgegeben wurden.

Durch die im Urnenwahl-Ergebnis fehlenden Briefwahlstimmen wird das vorläufige Endergebnis am Sonntagabend (Urnenwahl) von den Hochrechnungen (inkl. Briefwahlstimmen-Schätzung) abweichen. SORA wie auch ARGE versuchen durch ihre Wahlkarten-Schätzung dem Endergebnis nämlich schon möglichst nahe zu kommen.




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