Letztes Update am Di, 24.09.2019 11:10

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimawandel als Hauptmotiv für Beteiligung an EU-Wahl



Der Klimawandel und die Wirtschaftsentwicklung waren Hauptmotive für die Beteiligung an der EU-Wahl im Mai. Wie aus einer nunmehr vom EU-Parlament veröffentlichten Nachwahlanalyse hervorgeht, zählt Österreich zu jenen acht Ländern in der EU, in denen die Bekämpfung der Erderwärmung das wichtigste Wahlmotiv darstellte. Für 49 Prozent der Österreicher war der Klimaschutz Anlass, sich zu beteiligen.

EU-weit stellten Wirtschaft und Wachstum das Hauptmotiv dar. Für 44 Prozent der EU-Bürger war dies das wichtigste Thema für ihre Wahlentscheidung. Der Klimaschutz war EU-weit das zweitstärkste Motiv gemeinsam mit dem Anliegen um die Förderung von Menschenrechten und Demokratie: Jeweils 37 Prozent nannten diese Themen als ausschlaggebend für sie, zur Wahl zu gehen.

Erst danach kommen die Sorge um die künftige Arbeitsweise der EU (36 Prozent), das Thema Einwanderung (34 Prozent), sozialer Schutz (29 Prozent), der Kampf gegen den Terrorismus (26 Prozent), der Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit sowie die Sicherheit- und Verteidigungspolitik (25 Prozent) und der Außengrenzschutz (21 Prozent). Weit abgeschlagen als Wahlmotive sind die Themen Konsumentenschutz und Lebensmittelsicherheit (20 Prozent) und Datenschutz (12 Prozent).

Der Klimaschutz war auch für die Bürger in Dänemark (70 Prozent), Schweden (68 Prozent), die Niederlande (62 Prozent), Deutschland (51 Prozent), Luxemburg und Frankreich 46 Prozent das Hauptmotiv bei der Europawahl. Für die Finnen war es zu gleichen Teilen der Klimaschutz und die Förderung von Demokratie und Menschenrechten.

Dagegen war die Sorge um die Wirtschaftsentwicklung besonders ausgeprägt in Griechenland (75 Prozent), Kroatien (67 Prozent) und Irland (61 Prozent). Die Migration bewog nur in Malta und Belgien eine Mehrheit von 50 bzw. 45 Prozent, sich an den Europawahlen zu beteiligen. In den beiden Visegrad-Ländern Tschechien und Slowakei war die Sorge um die künftige Arbeitsweise der EU das Hauptmotiv.

Bei den Europawahlen im Mai ist erstmals seit 1979 der Negativtrend einer sinkenden Wahlbeteiligung gestoppt worden. Die Beteiligung erreichte mit 50,6 Prozent den höchsten Stand seit 1994. Dies ist laut der Nachwahlanalyse vor allem den jungen Wählern zu verdanken. So stieg die Teilnahme der Erstwähler (16 bis 24 Jahre) gegenüber 2014 von 28 Prozent auf 42 Prozent. Ähnlich stark war der Anstieg der Beteiligung in der Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen, von 35 Prozent auf 47 Prozent.

In Österreich betrug der Anstieg in den beiden Jungwählergruppen 19 bzw. 16 Prozentpunkte auf 48 bzw. 56 Prozent in der entsprechenden Alterskategorie.

52 Prozent der Wähler gaben an, dass sie die Teilnahme an der EU-Wahl für ihre bürgerliche Pflicht hielten, ein Plus von 11 Punkten gegenüber 2014. Verglichen mit der vorhergehenden Europawahlen vor fünf Jahren gaben 2019 auch deutlich mehr Bürger an, gewählt zu haben, was sie für die EU seien (25 Prozent, plus 11 Punkte), oder weil sie mit ihrer Stimme selbst Einfluss nehmen können (18 Prozent, plus 6 Punkte).

EU-weit gaben 68 Prozent der befragten Wähler an, dass ihr Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert habe, in Österreich waren es 62 Prozent - dies entspricht einer Steigerung von einem bzw. fünf Punkten. 56 Prozent der EU-Bürger glauben, dass ihre Stimme zählt. In Österreich glauben dies immerhin mehr als zwei Drittel (68 Prozent). Für die Nachwahlbefragung wurden rund 28.000 EU-Bürger in den Wochen nach dem Urnengang von dem Institut Kantar interviewt.




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