Letztes Update am Di, 24.09.2019 13:27

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Möbelhaus im Wehrmachtsstil: „Das Reich“ im Belvedere 21



Die Reichsbürger sind zwar gerade weg, aber ihre Wohnung ist unversperrt: Im Belvedere 21 hat die junge deutsche Künstlerin Henrike Naumann mit „Das Reich“ eine fiktive Rauminstallation geschaffen, die sich als Möbelhausabwandlung im Wehrmachtsstil präsentiert. Hier treffen Verschwörungstheorien auf „Brüche der deutsch-österreichischen Geschichte“, wie es in der Ankündigung heißt.

Die Ausstellung, die von 26. September bis 12. Jänner 2020 zu sehen ist, entführt die Besucher in das Jahr 1990 - nur mit dem Unterschied, dass die Reichsbürger die Kontrolle über das wiedervereinte Deutschland übernommen haben. In Naumanns Szenario schließt sich auch Österreich diesem Deutschen Reich wieder an. Abgebildet werden diese Umwälzungen mittels alltäglicher Konsumgüter, die auf den einzelnen Möbelstücken platziert sind. Das Deutschsein spricht hier aus jedem Polster, jeder kleinen Nippesfigur.

„Henrike Naumann gehört zu den Shootingstars der jungen Szene“, wird Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig zitiert. „Sie überführt zeitgemäße Themen in szenografisch gestaltete Räume und geht dabei der Frage nach, wie sich die Radikalisierung weiter Teile der Bevölkerung in der Inneneinrichtung widerspiegelt.“ Laut Kurator Severin Dünser lasse sich die Präsentation als „Psychogramm einer alternativen Weltanschauung“ lesen, „die dem realen Gedankenkosmos heutiger rechtsextremer Strömungen bedrohlich ähnelt“. Ergänzt wird die installative Arbeit von den zwei Videos „Terror“ und „Amnesia“.




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