Letztes Update am Di, 24.09.2019 15:06

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Ocean Viking“-Migranten auf Sizilien eingetroffen



Das Rettungsschiff „Ocean Viking“ mit 182 Migranten ist am Dienstagmorgen im sizilianischen Hafen Messina eingetroffen. Das italienische Innenministerium hatte der Crew am Sonntagabend die Genehmigung zum Einlaufen auf Sizilien erteilt. Die Migranten, darunter 14 Kinder, sollen in Flüchtlingseinrichtungen der Gegend untergebracht werden, berichteten italienische Medien.

Die „Ocean Viking“ wird von den Hilfsorganisationen SOS Méditerranée gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen betrieben. Die 182 Menschen an Bord des Schiffs waren nach Angaben der Hilfsorganisationen am Mittwoch vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet worden. Die EU-Kommission koordiniert die Umverteilung der Migranten, die von der „Ocean Viking“ gerettet worden sind. Die Bitte um Umverteilung war am Wochenende in Brüssel eingetroffen. Fünf EU-Länder seien bereit, sich an der Umverteilung zu beteiligen, verlautete in Brüssel nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Bereits vor einer Woche hatte Italien 82 Flüchtlinge von Bord der „Ocean Viking“ in Lampedusa an Land gehen lassen. Ex-Innenminister und Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, hatte scharfe Kritik an der Entscheidung geübt. Während seiner 15-monatigen Amtszeit hatte das Innenministerium italienische Häfen immer wieder für humanitäre Schiffe gesperrt.

Nach Jahren des Stillstandes haben Deutschland, Frankreich, Italien und Malta eine vorläufige Einigung zur systematischen Verteilung von aus Seenot geretteten Flüchtlingen erzielt. Die Innenminister der vier EU-Länder verständigten sich am Montag in Valletta auf einen zeitlich und geografisch begrenzten Verteilungsmechanismus für Flüchtlinge. Beteiligte EU-Länder sollen demnach Menschen, die über Libyen und das Mittelmeer nach Italien und Malta gelangen, nach einem festgelegten Verfahren aufnehmen.

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Die Zahl der in Griechenland ankommenden Migranten bleibt hoch: Allein am Montag setzten 379 Menschen aus der Türkei zu den griechischen Inseln über und erreichten so die EU. Dies teilte am Dienstag das griechische Bürgerschutzministerium mit. Um die überfüllten Lager zu entlasten, brachte die Regierung in Athen am Montag 485 Migranten zum Festland. Dennoch harren auf den Inseln gut 28.800 Menschen aus. Noch nie seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016 seien es so viele gewesen, berichtete der Staatsrundfunk.

Am schlimmsten sei die Lage im Lager von Moria auf der Insel Lesbos. In und um das Camp, das nur für 3.000 Menschen ausgelegt ist, leben mehr als 12.000 Menschen. Auch auf der Insel Samos sind in einem Lager, das eine Kapazität für 650 Menschen hat, mehr als 5.200 Migranten zusammengepfercht, teilten die Behörden am Dienstag mit.

Der Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die EU alle Flüchtlinge und Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Die Bearbeitung der Asylanträge kommt wegen Personalmangels jedoch auf den griechischen Inseln nur mühsam voran.




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