Letztes Update am Mi, 25.09.2019 15:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ex-FPÖ-Chef Strache wehrt sich gegen „Verleumdungen“



Die FPÖ ist wenige Tage vor der Nationalratswahl mit einer neuen Affäre konfrontiert. Im Mittelpunkt steht wieder Ibiza-Hauptdarsteller Heinz-Christian Strache. Er hat nicht nur über ein großzügig dotiertes Spesenkonto in Höhe von 10.000 Euro monatlich verfügt, sondern auch von der Wiener FPÖ monatlich 2.500 Euro Mietzuschuss bekommen. Strache selbst fühlt sich verleumdet und wehrt sich dagegen.

Der eigentliche Vorwurf lautet aber, dass die Spesen nicht immer sauber abgerechnet worden seien. Gestützt wird das von einer anonymen Anzeige und den angeblichen Aussagen von Straches Ex-Leibwächter, der Montagabend festgenommen und am heutigen Mittwoch wieder freigelassen wurde. Der 49-Jährige könnte laut mehreren Zeitungsberichten in Sachen Ibiza-Video und Spesenaffäre zum Kronzeugen der Anklage werden, denn er soll vor den ermittelnden Behörden ausgepackt haben.

Oliver R. soll sehr viel über Strache gesammelt haben. Gegen ihn, er ist FPÖ-Bezirksrat und war langjähriger Sicherheitschef Straches, wird laut Medienberichten wegen des Verdachts der Veruntreuung und mutmaßlicher Erpressung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft schweigt offiziell dazu, weil der Fall eine Verschlusssache ist. Oliver R., vom Beruf Polizist, wurde nach seiner Festnahme von der FPÖ ausgeschlossen und soll von der Landespolizeidirektion Wien vorübergehend dienstfrei gestellt worden sein.

Das Material, das er gesammelt hat, soll nicht nur Strache, sondern auch dessen frühere Büroleiterin in Bedrängnis bringen. Gegen beide soll wegen des Verdachts der Untreue ermittelt werden. Strache dementiert alles. Er habe „alles ordnungsgemäß verrechnet“. Er sprach von Verleumdungen und ortete neuerlich ein kriminelles Ibiza-Netzwerk. Angebliche Beweise für die Vorwürfe soll der Leibwächter sowohl Behörden als auch Medien gegen Geld feilgeboten haben. Als darauf niemand reagierte, könnte Zeitungsberichten zufolge die Idee zum Dreh des Ibiza-Videos entstanden sein.

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Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp bestätigte der APA am Mittwoch sowohl das Spesenkonto als auch den Mietzuschuss. Das Konto soll von den Parteigremien abgesegnet worden sein, was andere Parteifunktionäre bestritten. Die Abgeordnete Dagmar Belakowitsch, Bezirksparteiobfrau in Ottakring, und ihr Bruder Hans-Jörg Jenewein, bis 2015 Landesparteisekretär sagten, dass sie keine Beschlüsse dieser Art kennen. Nepp begründete diesen Widerspruch damit, dass die Beschlüsse im Präsidium und nicht im Vorstand gefallen seien.

In der FPÖ war man ansonsten bemüht, möglich wenig zu diesem Thema zu sagen. Hinter vorgehaltener Hand soll in der Partei aber über einen Parteiausschluss Straches nach der Wahl spekuliert werden. Nepp schloss das nicht aus, sollte sich der Verdacht auf Straftaten bestätigen. Derzeit stelle sich diese Frage aber nicht.

Als einziger wagte sich der frühere Parteichef der steirischen FPÖ Gerhard Kurzmann mit Kritik an die Öffentlichkeit. Rund um Strache habe es immer Gerüchte unsauberer Geldverwendung gegeben, sagte Kurzmann der „Kleinen Zeitung“. Die FPÖ sei „zum Teil ein Selbstbedienungsladen gewesen“.




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