Letztes Update am Mi, 25.09.2019 15:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mordprozess am Wiener Landesgericht



Weil er im Jänner dieses Jahres seine Freundin erwürgt hat, musste sich ein 32-Jähriger am Mittwoch im Wiener Landesgericht wegen Mordes verantworten. Der Angeklagte gab vor dem Schwursenat (Vorsitz Patrick Aulebauer) die Tat zu, wies die Tötungsabsicht aber kategorisch zurück. Neben einer Verurteilung forderte die Staatsanwaltschaft auch die Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher.

„Ich habe sie geliebt, sie war meine Freundin, ich wollte sie nicht töten“, sagte der Beschuldigte vor Gericht. Der hatte seine 39-jährige Freundin Ende Oktober 2018 kennengelernt und war bald danach bei ihr eingezogen. Die Beziehung hatte nach der Schilderung des Angeklagten von Anfang an ihre Licht- und Schattenseiten: „In einem Moment war sie sehr liebevoll, und wenn sie dann getrunken hatte ...“ Immer wieder sei sie dann demütigend und erniedrigend geworden: „Du kleiner Milchbua“ war seinen Schilderungen zufolge noch das Harmloseste. Ansonsten soll es um gewisse anatomische Gegebenheiten und seine Qualitäten beim Geschlechtsverkehr gegangen sein.

Am 16. Jänner habe er seine Freundin zu einer Gerichtsverhandlung begleitet. Sie und ihr Ex-Freund waren wegen Körperverletzung angeklagt, sie darüber hinaus wegen Sachbeschädigung. Von der Körperverletzung wurden beide freigesprochen, für die Sachbeschädigung bekam sie eine Geldstrafe. Sie seien danach etwas trinken gegangen, „so zehn Bier“. Danach sei man nach Hause gegangen und habe weiter getrunken. Bei ihm seien es am Ende rund 15 Bier gewesen.

Man habe Geschlechtsverkehr gehabt, dann habe sich der Ex-Freund gemeldet. Offenbar hatte das Opfer trotz der Gerichtsverhandlung sich mit dem Gedanken getragen, zum Vorgänger des Angeklagten zurückzukehren. Die 39-Jährige eröffnete ihrem Freund, dass sie zum Ex-Freund fahre. „Ich habe gesagt: ‚Wir haben doch gerade Sex gehabt, du kannst doch nicht zum Ex fahren‘. Ich wollte das nicht, ich wollte das ausdiskutieren“, schilderte der Beschuldigte. „Sie wollte das nicht.“

Es seien weitere Beschimpfungen gefolgt, dann habe sie ihn mit Schlägen attackiert. „Sie hat mich mit der rechten Faust geschlagen, ich habe sie abgewehrt, wir sind beide gestürzt. Ich bin auf sie draufgefallen. Ich habe mich auf sie drauf gesetzt, sie hat mich gekratzt und beschimpft. Ich habe mit einer Hand versucht, sie am Hals zu fixieren, damit sie endlich aufhört.“ Am Ende hatte er beide Hände an ihrem Hals, habe aber nicht länger als 15, 20 Sekunden zugedrückt. „Ich weiß nicht, warum sie dann gestorben ist“, sagte der Beschuldigte. „Ich wollte, dass sie aufhört.“

Als seine Freundin sich nicht mehr rührte, „habe ich mich angezogen und bin gegangen“, sagte der 32-Jährige. Nach dem Konsum weiterer alkoholischer Getränke kam er zeitig um 4.00 Uhr in der Früh zurück. „Und sie ist immer noch so da gelegen.“ Er habe festgestellt, dass sie keinen Puls mehr hatte.

Der Beschuldigte lebte noch rund drei Wochen neben der Leiche. Den Geruch schob er mit Alkohol beiseite: „Ich habe drei Wochen getrunken.“ Die Tochter der Toten, die in Tirol eine Ausbildung machte, war es schließlich, die Alarm schlug, weil sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter herstellen konnte. Am 6. Februar wurde das Verbrechen entdeckt.

Wie viel der 32-Jährige am Tatabend getrunken hatte, war nicht mehr zu rekonstruieren. Den Gerichtsakten zufolge hatte das Opfer etwa 1,99 Promille intus.

Laut dem psychiatrischen Gutachten ist der Beschuldigte seit vielen Jahren schwerer Alkoholiker. Der Sachverständige sah die Voraussetzungen für eine Einweisung in eine Anstalt erfüllt. Der Angeklagte sei in einer Beziehung gefährlich aufgrund der Wechselwirkung zwischen einer Persönlichkeitsstörung und dem Alkoholismus. Der Gutachter sprach dem 32-Jährigen eine höhergradige seelische Abartigkeit zu.




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