Letztes Update am Do, 26.09.2019 10:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bruckner-Zyklus in St. Florian abgeschlossen



Die Münchner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Valerij Gergiev haben es geschafft: Mit der Aufführung der Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107 von Anton Bruckner schlossen sie am Mittwoch in der Stiftsbasilika von St. Florian bei Linz die Gesamteinspielung aller nummerierten Bruckner-Sinfonien - mit Standing Ovations vom Publikum - ab.

In drei Tranchen bei den Internationalen Brucknerfesten Linz 2017, 2018 und 2019 wurden die neun Sinfonien über dem Grab Anton Bruckners musiziert und für Ton- und Bildträger dokumentiert. Mit den Sinfonien Nr. 5, 6 und 7 wurde der Zyklus nun an drei Abenden vollendet. Die mächtige barocke Stiftsbasilika wurde für die Visualisierung professionell ausgeleuchtet, sodass auch das Konzertpublikum in den optischen Genuss kam. Gewöhnungsbedürftig war es freilich, wenn eine der Kran-Kameras während des Konzerts immer wieder nur knapp über den Köpfen der Gäste schwebte.

Es ist die besondere Aura, die die bedeutendsten Dirigenten und ihre Orchester an Bruckners einstige Wirkungsstätte und seinen nunmehrigen Begräbnisort zieht. Das abschließende Konzert der Münchner Philharmoniker war von internationalem Publikum besucht, das die Wiedergabe schließlich stehend bejubelte.

Bruckners Siebente gehört wohl zu seinen beliebtesten und am häufigsten aufgeführten Sinfonien. In St. Florian war sie heuer auch Ende Juni mit dem Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner zu hören. Während man Poschners Dirigat immer wieder als mitreißend, die Musiker und das Publikum als begeistert bezeichnet, ist die Herangehensweise von Gergiev zurückhaltender. Seine „Handarbeit“ ist fein ziseliert, der Blick meist in die Partitur gerichtet. Aber wenn es darauf ankommt, können sich seine Musiker auf ein Handzeichen verlassen.

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So erlebte die „Siebente“ und damit das Bruckner-festliche Publikum eine kompakte tadellose Wiedergabe. Die Münchner Philharmoniker bewiesen neuerlich, dass ihnen Bruckner im Blut liegt und sie zurecht international in vorderster Reihe spielen. Das Engagement der Streicher, die Verlässlichkeit der Holzbläser und das strahlende makellose Blech ließen die Zuhörer ihre körperliche Bußhaltung in den harten Kirchenbänken vergessen. Nur Richard Wagners Siegfried-Idyll, als Vorspiel zu Bruckner, hätte - wenngleich tadellos zart gespielt - in der Kirche eigentlich nichts verloren.

Nach dem Münchner Bruckner-Zyklus geht es mit dem Werk des Komponisten bis zum Gedenken an seinen Todestag am 11. Oktober weiter. Denn auch beim heurigen Linzer Brucknerfest werden alle seine Sinfonien gespielt. Drei fehlen noch: heute, Donnerstag, spielt das Konzerthaus-Orchester Berlin unter Eliahu Inbal im Linzer Brucknerhaus Bruckners Sinfonie Nr. 8 in der Fassung von 1887, und am Samstag stehen bei der „Klassischen Klangwolke“ ebendort seine Sinfonien Nr. 3 und Nr. 9 auf dem Programm. Chefdirigent Poschner und das Bruckner Orchester Linz lassen eine spannende Begegnung mit Bruckners Finale erwarten.

Auf den Tag genau 150 Jahre nach ihrer Uraufführung zur Einweihung der Votivkapelle des damals im Bau befindlichen Linzer Mariendomes wird Anton Bruckners Messe e-Moll am Sonntag, 19.30 Uhr, dort aufgeführt. Mit Kammermusik und literarisch geht es weiter bis zum 11. Oktober, wenn in der Stiftsbasilika St. Florian die Akademie für alte Musik Berlin und der berühmte RIAS Kammerchor das Gedenkkonzert zu Bruckners Todestag gestalten.

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