Letztes Update am Do, 26.09.2019 12:05

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Taliban kündigen Gewalt am Wahltag in Afghanistan an



Die islamistisch-militanten Taliban wollen die Präsidentenwahl in Afghanistan mit Gewalt stören. Taliban-Kämpfer würden Sicherheitskräfte und Wahlzentren angreifen, heißt es in einer am Donnerstag von den Taliban veröffentlichten Mitteilung. Zudem würden am Wahltag alle kleineren und größeren Straßen gesperrt.

Die Menschen sollten am Wahltag ihre Häuser nicht verlassen, damit niemand verletzt werde, hieß es weiter. Die Präsidentenwahl findet am Samstag statt. Mehr als 72.000 Sicherheitskräfte sollen am Wahltag für Sicherheit sorgen. Ein Großteil wurde bereits ab Dienstag in Stellung gebracht, um Wahlzentren zu schützen.

Die Taliban lehnen Wahlen ab. In der Vergangenheit haben sie immer wieder Wahlveranstaltungen und Wahllokale angegriffen. Vergangene Woche wurden bei einem Selbstmordattentat bei einer Wahlveranstaltung in der Stadt Tscharikar 26 Menschen getötet.

Der erste Tag der Parlamentswahl im Oktober des Vorjahres war nach Angaben der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) der Tag mit der höchsten Anzahl ziviler Opfer im Jahr 2018. Vorläufige Ergebnisse der Präsidentenwahl sollen Mitte Oktober veröffentlicht werden.

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Die Taliban sind die größte Aufständischengruppe und waren von 1996 bis 2001 an der Macht. Nach den Al-Kaida-Angriffen von 2001 in New York und Washington wurden sie von den USA an der Spitze einer internationalen Militärintervention von der Macht vertrieben. Die Taliban hatten den Al-Kaida-Chef Osama bin Laden beherbergt.

Vor allem seit dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes Ende 2014, der von einem Ausbildungseinsatz abgelöst wurde, sind die Taliban wieder erstarkt. Anfang September hatten die USA Gespräche über eine politische Lösung des Konflikts mit den Taliban nach einem Anschlag in Kabul abgebrochen.

Die Vereinten Nationen zeigen sich besorgt über die hohe Zahl ziviler Opfer in Afghanistan. Die Missachtung des Lebens von Zivilisten in den vergangenen Tagen sei „entsetzlich“, sagte der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto, nach Angaben der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) vom Donnerstag. Zivilisten müssten geschützt werden, forderte er.

Als Beispiele für die andauernde Gewalt gegen die Zivilbevölkerung wurden in einer Mitteilung Vorfälle der vergangenen sieben Tagen angeführt. Bei zwei Angriffen der islamistisch-militanten Taliban in den Provinzen Sabul und Parwan seien mindestens 55 Zivilisten getötet worden. Bei mehreren US-Luftschlägen habe es ebenfalls viele zivile Opfer gegeben: In der Provinz Nangarhar seien vorläufigen UN-Untersuchungen zufolge mindestens 16 Zivilisten getötet worden, in Helmand seien 20 Zivilisten getötet oder verwundet worden, darunter viele Frauen und Kinder.

Experten hatten nach dem Abbruch von Gesprächen zwischen den USA und den Taliban über Wege zum Frieden in Afghanistan vor einer Zunahme der Gewalt im Land gewarnt. Die Taliban kündigten am Donnerstag an, die am Samstag stattfindende Präsidentenwahl mit Gewalt stören zu wollen. Taliban-Kämpfer würden Sicherheitskräfte und Wahlzentren angreifen, hieß es.




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